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  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 30.07.2014

Gläubigerversammlung - Showdown für geprellte Anleger 

Gläubigerversammlung
Im "Wort der Woche" erklären wir Schlagworte und oft genutzte Begriffe – aus der Wirtschaft und aus einem besonderen Blickwinkel. Diese Woche: Gläubigerversammlung.

Das Insolvenzverfahren gegen den Windkraftfinanzierer Prokon Regenerative Energien gehört zu den größten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Gut 75.000 Anleger haben 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte des Unternehmens investiert. Firmengründer Carsten Rodbertus versprach eine Rendite von bis zu acht Prozent. Als viele Anleger angesichts der drohenden Krise ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, geriet das Unternehmen in Schieflage. Anfang Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.


Ende Juli kam es jetzt zur Gläubigerversammlung, einer der größten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Die Gläubigerversammlung ist im deutschen Insolvenzrecht das Gremium, das die Rechte der Gläubiger gegenüber dem Insolvenzgericht, dem Insolvenzverwalter und dem Insolvenzschuldner wahrnimmt. Die Versammlung ist im Gegensatz zu einer Gerichtsverhandlung zunächst nicht öffentlich. Termin und Ort legt das zuständige Amtsgericht fest.

 

Grundsätzlich gilt: ein Gläubiger mit einer hohen Forderung hat ein größeres Mitbestimmungsrecht als ein Gläubiger mit einer kleinen Forderung. In der Gläubigerversammlung ist das Verhältnis der individuellen Forderungssumme zur Gesamtsumme aller anwesenden Gläubiger und Gläubigervertreter über den Stimmanteil entscheidend. Abstimmungen werden mit der Mehrheit der Forderungssumme der abstimmungsberechtigten Gläubiger und Gläubigervertreter entschieden.

 

Im Fall von Prokon kamen mehr als 4000 Anleger, darunter 2350 stimmberechtigte Beteiligte, die insgesamt 29.800 Gläubiger vertraten. Die Summe der Stimmrechte lag bei knapp 850 Millionen Euro. Drei große Gläubigergruppen haben den Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin in seinem Amt bestätigt. Sie haben ihn damit beauftragt, einen detaillierten Insolvenzplan auszuarbeiten. Damit soll die Gesellschaft saniert werden und ihre Kerngeschäfte weiterbetreiben. So sollen 300 bis 450 Arbeitsplätze gerettet werden. Und die Gläubiger sollen zwischen 30 und 60 Prozent ihres Kapitals zurückerhalten.