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  • Branche: Handel und Konsumgüter
  • Typ: Pressemitteilungen
  • Datum: 16.04.2013

KPMG-Studie zur Zukunft des Einkaufens: "Tante Emma"-Laden vor dem Comeback - Großmärkten und Discountern stehen schwere Zeiten bevor 

Das Bild des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland und der Schweiz wird sich bis 2025 stark wandeln. Während kleinflächige Geschäfte, Convenience-Shops und der Online-Handel gute Perspektiven haben dürften, sollten sich großflächige Supermärkte und Discounter auf härtere Zeiten einstellen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen länderübergreifenden Marktanalyse von KPMG und Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), in die Gespräche mit führenden Marktteilnehmern eingeflossen sind. Daraus wurden zehn Thesen zur "Zukunft des Einkaufens" und vier Szenarien für das künftige Bild des Lebensmitteleinzelhandels abgeleitet. 
Düsseldorf, 16. April 2013. Wesentliche Ursachen für den zu erwartenden Umbruch im Lebensmitteleinzelhandel sind die Alterung der Bevölkerung, steigende Energiepreise sowie veränderte Ansprüche der Kunden an Gesundheit, Flexibilität und Internet-Anbindung. Der Anteil der über 65-jährigen in Deutschland wird bis 2025 weiter ansteigen. Gleichzeitig lässt sich eine Auflösung traditioneller Tagesstrukturen feststellen: Immer weniger Menschen sind in klar strukturierte und regelmäßige Tagesabläufe integriert.
 
Mark Sievers, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei KPMG: "Dank Smartphones und Apps verliert die Planung von Einkäufen an Bedeutung. Entsprechend wird das Bedürfnis nach Geschäften wachsen, die spontan erreichbar und ans Internet angebunden sind. Überspitzt formuliert steht der ,Tante Emma-Laden' vor dem Comeback. Nicht zuletzt auch aufgrund der gestiegenen Treibstoffkosten bieten sich eine optimierte Hauslieferung, Kleinfilialen und neue Abholformate als zukunftsweisende Lösungen für den Handel an."
 
Logistikkosten treiben Wandel voran
Wie die Analyse zeigt, stehen im Lebensmitteleinzelhandel momentan vor allem großflächige Supermärkte aufgrund ihrer dezentralen Lage und funktionalen Ausrichtung vor großen Herausforderungen. KPMG-Partner Stephan Fetsch: "Auch Discounter dürften es wegen ihrer Funktion schwer haben, sich in einem der vier von uns identifizierten Erfolg versprechenden Szenarien wiederzufinden. Besser sehen die Perspektiven für kleinflächige Geschäfte und Convenience-Shops aus, die sowohl emotional wie auch funktional überzeugen können und nicht unter hohen Logistikkosten ächzen. Ebenfalls gute Perspektiven hat der Online-Handel, welcher durch sehr flexible Angebote den Bedürfnissen vieler Konsumenten gerecht wird. Kehrseite sind hier freilich die hohen Logistikkosten."

Zehn Thesen zur Zukunft des LEH

    1. Online wird nicht Marktstandard: Der Online-Anteil im deutschen Food-Markt wird moderat bleiben. Die Bedürfnisse nach Verfügbarkeit und Spontaneität überwiegen.
    2. Nischenlösungen haben Umbruchpotenzial: Der Wunsch nach "sicheren" und authentischen Nahrungsmitteln steigt. Biolieferdienste und die Produktion direkt im Laden sind erfolgsversprechende Lösungen
    3. Einkauf um die Ecke gewinnt weiter an Bedeutung: Lebensmittel in der Nähe des Wohn- und Arbeitsorts und zu (fast) jeder Zeit einkaufen zu können, wird noch wichtiger.
    4. Kommunikationskompetenz birgt Chancen: Läden können mit neuer Ladengestaltung und zusätzlichen Dienstleistungen neue Kommunikationsplattformen schaffen.
    5. Mehr Schnittstellen zur Gastronomie: Im Handel wird das Sortiment zum Direktverzehr ausgebaut, umgekehrt bieten Gastronomen ausgewählte Lebensmittel zum an.
    6. Hypermarkt steht vor langsamem Abstieg: Online-Kanäle, immer teurere Mobilität und der Trend zu urbanem Wohnen sprechen gegen große Einkaufszentren auf der grünen Wiese.
    7. Multifunktionale Ladenkonzepte bieten sozialen Mehrwert: Je nach Tageszeit unterschiedlich nutzbare Ladenflächen werden sukzessive an Bedeutung gewinnen.
    8. Kunden- und Mitarbeitergesundheit sind Erfolgsfaktoren: Für den LEH wird es wichtig werden, das Thema Gesundheit über das Angebot "gesunder" Produkte hinaus konzeptionell auszuweiten.
    9. Emotionalität ist wichtiger als Effizienzoptimierung: Emotion ist der stärkste Wettbewerbsvorteil im Effizienzwettbewerb. Erlebnisse und Kontakte entsprechen den Bedürfnissen der Kunden.
    10. Individualisierung des Genusses mit Flaghip-Stores: Während standardisierte Produkte in die Online-Welt abwanden, werden in den Läden Flächen für Spezialitäten-Shops mit Naturprodukten frei.

Aus Sicht von KPMG und GDI zeichnen sich vier Grundformen für den erfolgreichen Lebensmitteleinzelhandel der Zukunft ab:

 

  1. Small Mart: Lokale Läden ("Tante Emma Läden") mit hoher sozialer und emotionaler Komponente, die zentral liegen und leicht zu erreichen sind.
  2. Smart Mart: Technologisch gut vernetze Kunden nehmen ihre individualisierten Produkte an Einkaufs- oder Abholstellen selber in Empfang.
  3. All Mart: Große Läden, die bei niedrigen Logistikkosten ein umfangreiches und verändertes Sortiment anbieten, das konsequent auf Emotionalität ausgerichtet ist.
  4. Call Mart: Online-basierte Ladenkonzepte, die aufgrund niedriger Logistikkosten Kunden mit einem hohen Anspruch an Funktionalität flexibel beliefern.

 

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