Deutschland

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  • Branche: Chemie und Pharma
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 30.07.2014

Pharmariesen auf Spezialisierungskurs 

Die Pharmabranche erwartet einen neuen Rekord: das Volumen der Übernahmen und Fusionen dürfte in 2014 ein neues Hoch erreichen. Im ersten Halbjahr lag der Gesamtwert der abgeschlossenen Transaktionen bereits bei 69 Milliarden Euro - fast so viel wie im gesamten Vorjahr.
Seither treiben der Sparzwang im Gesundheitswesen und die eigene Wachstumsschwäche die Unternehmen weiter an, neue Wege zu gehen. Die Produktpreise sinken und die Nachfrage in angestammten Märkten stagniert. Gleichzeitig steigt die Konkurrenz durch billige Nachahmerprodukte.
  
Vir Lakshman, Head of Chemicals & Pharmaceuticals, erläutert, wieso die Konzerne auf Übernahmen und Fusionen setzen
     
"In der Pharmabranche ist die Zeit der Spezialisierung gekommen. Viele Unternehmen entscheiden jetzt, welche Sparte sie vorantreiben wollen – etwa Onkologie, Diabetes, kardiovaskular oder OTC-Arzneimittel, Tiermedizin usw. Die Bereiche werden aktuell umgeschichtet, wie beim Verkauf der Sparte rezeptfreie Medikamente von Merck (USA) an Bayer. Außerdem entscheiden Global Player jetzt, auf welche Trends sie setzen, indem sie bestimmte therapeutische Felder in den Mittelpunkt stellen. Ein Beispiel: Der Verkauf der Krebsarzneisparte von GlaxoSmithKline an Novartis."
Die Unternehmen wollen damit Synergien besser ausschöpfen. Wenn sie bestehende Produkte in neuen Märkten vertreiben, steigern sie ihren Umsatz. Gleichzeitig wollen sie die Kosten senken, indem sie günstiger produzieren und fokussierter forschen.
                 
Große Pharmaunternehmen suchen dazu Partnerschaften mit kleinen Firmen, die zu bestimmten Themen forschen. Die kleinen Firmen wiederum profitieren von den Vertriebsmöglichkeiten der Großen. Denn der Pharmabereich ist ein globaler Markt. Die Partnerschaften mit Universitäten und Instituten werden ebenfalls mehr – zum Nutzen beider Seiten.    
       
Lakshman sieht in stärkerer Zusammenarbeit die Zukunft der Branche
                  
"Pharmaunternehmen werden gemeinsam Produkte entwickeln, um Kosten zu sparen und ihr Profil weiter zu schärfen. Auf diese Weise können Energien und Ressourcen effizienter genutzt werden, was die Erfolgschancen ungemein erhöht. Dadurch stärken sie Forschung und Entwicklung." 
Joint Ventures sind aber eher unwahrscheinlich. Stattdessen werden die Konzerne aber in Teilbereichen kooperieren. Aus Joint Ventures können sich Unternehmen schwer lösen, falls es einmal schlechter läuft. Wenn sich Unternehmen für ein Joint Venture entscheiden, müssen sie das Vorhaben sehr genau durchdenken.
            
Die Zeit der Übernahmen und Fusionen ist noch nicht vorbei, sagt Lakshman: 
         
"Es wird weitere Megadeals geben. Die Branche verfügt über sehr viel Bargeld, der Verschuldungsgrad ist im Vergleich zu anderen Branchen gering. Daher haben viele Pharmaunternehmen das Potenzial, große Deals zu stemmen. Ein weiteres Motiv für Kooperationen ist, Wachstum in den BRIC-Staaten und den neuen großen Märkten wie China zu befeuern – dort sind die Wachstumsraten wesentlich höher."

Redaktion: Merle Jorczik
 

Vir Lakshman

Vir Lakshman

Partner, Head of Chemicals & Pharmaceuticals

+49 211 475-6666

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