Deutschland

Details

  • Geschäftsbereich: Advisory, Consulting
  • Branche: Technologie
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 20.02.2014

Ennemann: „Daten sind die goldenen Nuggets unserer Zeit“ 

Facebook schlägt erneut zu: Nach dem Kauf von Instagram gab Mark Zuckerberg heute den Erwerb des Nachrichtendienstes Whatsapp bekannt. Rund 19 Milliarden Dollar ist seinem Unternehmen die Akquise des konkurrierenden Kommunikationsdienstes wert. Facebook zielt damit vorrangig auf das mobile Segment und eine junge Nutzergruppe.


Marc Ennemann, Partner Advisory, Consulting, im Interview über die Gründe für die Übernahme, den Wert von Daten und die Konsequenzen der NSA-Affäre für die Internetgiganten. 

Was macht Whatsapp so wertvoll?

 

Das sind unterschiedliche Komponenten: Einerseits spricht allein die Zahl der Nutzer für die Akquisition des Unternehmens. Mit einer Reichweite von 450 Millionen Menschen akquiriert Facebook eine enorm wertvolle Nutzerbasis. Jeden Tag installieren eine Million Menschen die App und der Anteil der täglichen Nutzer liegt bei rund 70 Prozent. 


Außerdem: Whatsapp ist im mobilen Segment verankert. Über die Anwendungen lassen sich Nachrichten verschicken - anders als bei einer SMS fallen keine Kosten an. Whatsapp ist so eine Art Totengräber der traditionellen SMS. Schon bald werden weltweit mehr WhatsApp-Messages als Kurznachrichten verschickt. Facebook, das lange mit dem hauseigenen Facebook Messenger versuchte, diesen Trend zu nutzen, baut mit dem Erwerb von Whatsapp nicht nur seine Präsenz im mobilen Internet aus – es entledigt sich auch einer Bedrohung. 

 

Wie kann der Nachrichtendienst das bisherige Geschäft von Facebook sinnvoll ergänzen?
 
Facebook leidet unter schwächelndem Nutzerzahlen. Neue Studien vergleichen die Nutzerentwicklung bereits mit dem Niedergang von MySpace. Beispielsweise lässt sich aus den Suchanfragen bei Google ablesen, dass das Interesse für Facebook stetig abnimmt. So vermutet man, dass Facebook bis 2017 80 Prozent seiner Mitglieder weltweit verlieren könnte.


Die Vorboten dieses Trends spüren wir bereits bei den jüngeren Nutzergruppen. Sie verlassen Facebook, weil sie sich auf Twitter oder bei SnapChat wohler fühlen und Facebook als zu kompliziert empfinden. Whatsapp ist schnell, stabil und bietet viele soziale Funktionen. Das führt dazu,  dass mehr als 30 Millionen überwiegend junge Menschen in Deutschland via Whatsapp kommunizieren. Auf Facebook wächst die Gruppe der Silver Surfer deutlich. Mit dem Kauf von Whatsapp möchte Facebook diesem Trend entgegen wirken.

 

19 Milliarden Dollar für ein Unternehmen mit 58 Mitarbeitern. Für eine ähnliche Summe wäre auch die Übernahme der Commerzbank möglich gewesen. Wie lässt sich so eine Zahl erklären?

 

Die Höhe der Übernahmesumme lässt vermuten, dass neben Facebook auch andere Internetgiganten wie Google oder Yahoo an dem Unternehmen interessiert waren. Das unterstreicht erneut den enormen Wert digitaler Unternehmen. Im Mittelpunkt der Evaluierung stehen weder Mitarbeiter noch Technik. Es sind die Daten und Fotos, die die Nutzer auf diesen Plattformen preisgeben. Unternehmen, die über diese Daten verfügen, sind Goldminen. Derart spezifische Nutzerdaten ermöglichen die direkte Ansprache des Endkonsumenten. Daten werden so wertvoller als Produkte – sie sind die goldenen Nuggets unserer Zeit. Das sieht man auch am Beispiel Instagram: Facebook kaufte den Fotodienst 2012 für eine Milliarde Dollar, mit gerade mal 13 Mitarbeitern.

 

Welche Rolle spielt die Vertrauenswürdigkeit eines Dienstes in der heutigen Zeit?

 

Vorwürfe im Zusammenhang mit der NSA-Affäre hatten zuletzt sehr am Image des Internetriesens gezerrt. Viele Menschen empfinden Facebook als Datenkrake. Whatsapp wirkt dagegen eher erfrischend leicht und harmlos. Eine Reputation, die Facebook nur gut tun kann. Die Vertrauenswürdigkeit eines Dienstes spielt für die Nutzer eine immer größere Rolle. Das zeigen auch die steigenden Nutzerzahlen des Kommunikationsdienstes Threema, der sich der sicheren Kommunikation verschrieben hat.

Interview: Malte Muhsmann, Redaktion

 

Marc Ennemann

Marc Ennemann

Partner

+49 211 475-8188

Connected World

Connected World

Branche