Deutschland

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  • Branche: Energie und Rohstoffe
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 14.02.2014

"Die Strompreisdebatte dominiert die Diskussion" 

Die aktuelle Debatte über angemessene Strompreise für Verbraucher und um Ausnahmen für die Industrie dominiert die deutsche Presselandschaft. Für Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung, greift diese Diskussion zu kurz. In der Frankfurter Rundschau fordert sie, den Energie- und Ressourcenaufwand in Deutschland deutlich zu reduzieren. Nur so kann die Energiewende gelingen. Frommer Wunsch oder realistisches Szenario? Hierzu Michael Salcher, Head of Energy & Natural Resources, im Interview.

Bei der Energiewende scheint sich alles um den Strompreis zu drehen – ist das EEG reformbedürftig?

 
Es geht um weit mehr, gleichwohl ist der Strompreis in vielen Fällen das einzige, was im Alltag der Bevölkerung von der Energiewende ankommt. Das EEG hat Schwächen, die in den letzten Jahren zutage getreten sind, und nun beseitigt werden müssen, da besteht kein Zweifel. Allerdings ist die in der Kritik stehende EEG-Umlage nur ein Teil des Strompreises. Für dessen Höhe sind auch andere, durch die Politik veränderbare Komponenten verantwortlich.

 

Berücksichtigt die Energiewende überhaupt den verantwortlichen Umgang mit Ressourcen? Von Einsparungen hört man wenig.

 
Die Energiewende bezieht sich auch auf Einsparungen, nicht zuletzt auch über das Stichwort Energieeffizienz. Es gibt detaillierte Angaben zur Absenkung des Primärenergieverbrauchs, des Stromverbrauchs und des Energieverbrauchs im Verkehrsbereich, die aber bislang – wie Sie zu Recht feststellen – in der öffentlichen Diskussion kaum durchdringen. Das ist schade, denn in der Einsparung liegen große Potenziale.

 

In einem ressourcenarmen Land wie Deutschland müsste doch eigentlich noch umfassender auf Recycling gesetzt werden, oder?

 

Ich bin kein Experte für Abfallverwertung, aber aus meiner eigenen täglichen Wahrnehmung heraus können wir in Deutschland auf diesem Gebiet noch mehr erreichen. Unter anderem auch über eine Veränderung des individuellen Verhaltens.

 

Sind die Recycling-Quoten mit freiwilligen Maßnahmen noch zu erhöhen? Oder bedarf es verstärkter Regulierung oder finanzieller Anreize?

 Um hier eine erkennbare Wirkung zu erzielen muss man Druck aufbauen – von allein passiert kaum etwas. Gesetze können helfen, in Industrie und Gewerbe Veränderungen herbeizuführen. Idealerweise sollte das dann auch EU-weit geschehen, sonst hat man wieder eine Debatte über Wettbewerbsverzerrungen. Im privaten Bereich, der meines Erachtens durchaus nennenswertes Potenzial für Einsparung bzw. Recycling aufweist, kann man weitere Verhaltensänderungen nach meiner Erfahrung nur über den Geldbeutel erzwingen.


 

Interview: Thorsten Pohl, Redaktion

 

Michael Salcher

Michael Salcher

Partner, Head of Energy & Natural Resources, Head of Power & Utilities, EMA and Chair, Global Energy Institute, EMA

+49 89 9282-1239

Werte. Wandel. Wirtschaft.