Es ist ein Novum, das angesichts zunehmender Gefahren aber absehbar war: Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt 2024 zum ersten Mal die Widerstandsfähigkeit der von ihr beaufsichtigten Institute in Europa auf den Prüfstand. Angesichts der Bedrohungslage ist der erste Cyber-Stresstest anberaumt. Der offizielle Name: „Cyber Resilience Stress Test 2024“. Dieser wird durchgeführt, weil die Bedeutung von Cyber- und IKT-Risiken (Informations- und Kommunikationstechnologie) für das operationelle Risikomanagement und die Fähigkeit von Banken, Dienstleistungen für ihre Kund:innen zu erbringen, stetig wächst.
Der Cyber-Stresstest wird die operationale Widerstandsfähigkeit der Kernbankensysteme gegenüber schwerwiegenden, aber plausiblen Cyber-Sicherheitsereignissen bewerten. Zu diesem Zweck fordert der Stressttest, dass die Banken die Auswirkungen und Folgen eines solchen Szenarios auf ihre Organisation identifizieren und darüber an die Aufsicht berichten. Außerdem berichten die Banken über bestehende Reaktions- und Wiederherstellungsmaßnahmen, die im Ernstfall aktiviert würden, um einen kritischen Cyber-Sicherheitsvorfall zu überstehen und die Leistungserbringung für Kunden und Partner wiederherzustellen.
Eine zentrale Herausforderung, die der Stresstest an die Banken stellt, liegt in der übergreifenden Zusammenarbeit, die zur Bewältigung des Szenarios notwendig ist, aber auch die Ermittlung der wirtschaftlichen Auswirkungen konfrontiert die Banken mit zusätzlichen Schwierigkeiten.
Die Ergebnisse des Stresstests werden in den aufsichtlichen Überprüfungsprozess SREP 2024 einfließen, vor allem in Form von Bewertungen der operationellen Risiken und qualitativen Anforderungen.