Deutschland

Solvency II: Anforderungen an das Risikomanagement für Versicherer 

Erst- und Rückversicherer stehen angesichts der neuen aufsichtsrechtlichen Regelungen (Solvency II) in Europa vor tiefgreifenden Veränderungen: Sie müssen in Zukunft ihre Risikoexponierung umfassend bewerten und ihr Risikomanagement an gestiegene Anforderungen anpassen. Zudem sind in Zukunft Teile der internen Berichterstattung an die Aufsichtsbehörde offenzulegen.

Solvency II stellt umfangreiche Anforderungen an die Unternehmensorganisation sowie an die interne und externe Berichterstattung.

 

Weiterentwicklung zu einem risikobasierten Aufsichtssystem
Ziel von Solvency II ist der Schutz von Versicherungsnehmern und weiterer Stakeholder vor Insolvenzen einzelner Versicherungsunternehmen. Gleichzeitig soll das Funktionieren der Versicherungsmärkte gewährleistet werden. Dazu ist die bisher primär quantitativ ausgerichtete Solvenzaufsicht (Solvency I) zu einem risikobasierten Aufsichtssystem im Sinne einer umfassenden Finanzaufsicht weiterentwickelt worden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer angemessenen und überprüfbaren Risikoorientierung von Versicherern, die neben einer risikoadäquaten Kapitalausstattung insbesondere auch die Qualität des Risikomanagements einbezieht.

 

Darüber hinaus wird mit der Einführung eines offenzulegenden eigenständigen Berichts über die Solvabilitäts- und Finanzlage sowie weiteren quantitativen Informationen eine neue Komponente der aufsichtsbezogenen Berichterstattung geschaffen.

 

Solvency II tritt voraussichtlich erst 2016 in Kraft, davor gelten ab 2014 die Vorbereitungsmaßnahmen für ausgewählte Kernthemen

Die EU-Rahmenrichtlinie 2009/138/EG betreffend die Aufnahme und Ausübung der Versicherungs- und der Rückversicherungstätigkeit (Solvency II) sah - in ihrer ursprünglichen Fassung aus dem November 2009 - vor, dass die Umsetzung auf nationaler Ebene noch in 2012 erfolgt sein muss. Eine erste "Quick Fix" Richtlinie vom Mai 2012 hat die Frist zur Umsetzung der Solvency II-Richtlinie (2009/138/EG) in nationales Recht vom 31. Oktober 2012 auf den 30. Juni 2013 und den Termin des Inkrafttretens von Solvency II auf den 1. Januar 2014 verschoben. Die sogenannte "Quick Fix 2" Richtlinie vom 02. Oktober 2013 verschiebt die Frist zur Umsetzung in nationales Recht nun auf den 31. Januar 2015 und den Zeitpunkt des Inkrafttretens von Solvency II auf den 1. Januar 2016. Ab dem 1. Januar 2014 finden aber bereits sogenannte „Vorbereitende Maßnahmen zur Umsetzung von Solvency II“ Anwendung. In diesem Rahmen werden einige ausgewählte Themen (System of Governance, Forward Looking Assessment (entspricht vormals dem Own Risk and Solvency Assessment, ORSA), Vorantragsphase für interne Modellrechner, Übermittlung von Informationen an die nationalen Aufsichtsbehörden) von Solvency II in Teilen vorgezogen, um hierdurch eine gleitende, stufenweise Einführung von Solvency II zu erreichen.


Die Details von Solvency II werden in sogenannten Technischen Regulierungsstandards (Level 2) sowie Technischen Durchführungsstandards (Level 3) festgelegt. Die Level 2-Standards werden von der EU-Kommission herausgegeben und unterliegen der Zustimmungspflicht durch Rat und Parlament. Die Level 3-Standards werden von der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) entwickelt. Erst, wenn feststeht, wie sich die Solvency II-Rahmenrichtlinie infolge der Omnibus II-Richtlinie verändern wird, kann eine Finalisierung der Level 2-Standards und darauf aufbauend der Level 3-Standards erfolgen.

 

Darüber hinaus kann EIOPA im Rahmen unverbindlicher Leitlinien und Empfehlungen weitere Konkretisierungen treffen. Zur Ausgestaltung der Level 2-Standards sind gegenwärtig ausschließlich die von CEIOPS an die EU-Kommission gegebenen finalen Empfehlungen öffentlich.

Dr. Peter Ott

Dr. Peter Ott

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