Deutschland

Sanierungs- und Abwicklungspläne 

Neue regulatorische Vorgaben sollen gewährleisten, dass zukünftige Bankenkrisen ohne den Einsatz von Steuergeldern bewältigt werden können: In Sanierungsplänen müssen Institute Maßnahmen definieren, wie sie existenzbedrohende Stress-Situationen künftig abzuwenden gedenken. Abwicklungspläne legen fest, wie ein Institut im Insolvenzfall abzuwickeln ist, ohne das Finanzsystem insgesamt zu schädigen. Sie werden von der Bankenaufsicht auf Basis von Informationen verfasst, die das jeweilige Institut bereitstellt.

Die Anforderung, Sanierungspläne zu erstellen, ergibt sich aus der zum 1. Januar 2015 in Kraft tretenden „EU-Richtlinie für die Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten (BRRD)“. Im April 2014 hat die BaFin die finale Version des Rundschreibens zu den „Mindestanforderungen an die Ausgestaltung von Sanierungsplänen (MaSan)“ veröffentlicht. Die MaSan setzen die auf Sanierungspläne bezogenen Vorgaben des Financial Stability Board („Key Attributes of Effective Resolution Regimes“ pdf, 183 KB) um und bilden praktisch einen ersten Implementierungsleitfaden für die BRRD.

 

Vergleichbar zu den MaRisk konkretisieren die MaSan die Anforderungen des § 25a KWG (Besondere organisatorische Pflichten von Instituten). Mit den finalen MaSan liegen somit auch detailliertere Umsetzungsvorgaben für die Erstellung von Sanierungsplänen vor. Sie sind hierbei als Erweiterung der bestehenden Vorgaben der MaRisk an die Risikosteuerung der Institute zu verstehen. Die Anforderungen an die institutsspezifische Ausgestaltung des jeweiligen Sanierungsplans hängen von Größe und Vernetztheit des Instituts und von der Komplexität des Geschäftsmodells ab.


Zudem hat der deutsche Gesetzgeber im Juli 2014 einen „Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Sanierung und Abwicklung von Instituten und Finanzgruppen (SAG)“ verabschiedet, der die Anforderungen der BRRD im Hinblick auf die Abwicklungs- und Sanierungsplanung konkretisiert. Insbesondere wurde dabei der Anwenderkreis der Institute, die einen Sanierungsplan zu erstellen haben, deutlich erweitert gegenüber den bislang durch das KWG betroffenen Banken. Ausnahmen von der Pflicht, Sanierungspläne zu erstellen, gelten faktisch nur für Institute, die einem institutsbezogenen Sicherungssystem angehören.


Das SAG enthält neben den Anforderungen zur Sanierungsplanung Regelungen für die Abwicklungsplanung, die Abwicklung von Instituten und Möglichkeiten des frühzeitigen Eingriffs durch die Aufsicht. Zusätzlich sind in den Gesetzentwurf, durch die BRRD veranlasst, insbesondere Bail-in-Regelungen sowie Regelungen zu gruppeninternen Unterstützungsvereinbarungen aufgenommen worden. Im Abwicklungsplan ist eine aufgrund der rechtlichen, finanziellen und operationellen Struktur des Instituts präferierte Abwicklungsstrategie im Detail zu erläutern. Dafür sind der Aufsicht sämtliche Informationen, die für die Ableitung und Ausführung der präferierten Abwicklungsstrategie erforderlich sind, zur Verfügung zu stellen.
 

Ziele und Inhalte von Sanierungs- und Abwicklungsplänen
Die regulatorischen Vorgaben zielen auf vorbeugende Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Institute einerseits und zur Vorbereitung auf eine effektive Krisenbewältigung andererseits. Im Kern eines Sanierungsplans stehen die konkret auszugestaltenden Sanierungsoptionen, die geeignet sind, die finanzielle Stabilität des Instituts im Falle einer Krise wieder herzustellen, sowie die Definition angemessener Indikatoren und Governancestrukturen, um frühzeitig auf potenziell existenzbedrohende Entwicklungen hinzuweisen und entsprechende Entscheidungsprozesse über den Einsatz von Sanierungsmaßnahmen einzuleiten.

 

Eignung und Angemessenheit von Maßnahmen, Indikatoren und Eskalations- und Governancestrukturen sind durch detailliert zu beschreibende Stress-Szenarien zu belegen. Hierbei sind Szenarien zu berücksichtigen, bei denen die Ursache für die Krisensituation im Institut selbst, im Marktumfeld oder in einer Kombination aus beidem liegt und die jeweils schnell oder langsam zu einer existenzbedrohenden Situation führen.

 

Handlungsbedarf für Kreditinstitute
Die Erstellung der Sanierungspläne und die Bereitstellung der Informationen zur Generierung der Abwicklungspläne ist für die betroffenen Institute operativ aufwändig. Um Sanierungspläne formulieren zu können, müssen sie systemische, idiosynkratische und gruppenspezifische Stressereignisse mit einer jeweiligen Bandbreite an Sanierungsmaßnahmen definieren. Im Regelfall können die Institute dazu immerhin auf bestehenden Stresstests hinsichtlich Kapital und Liquidität aufbauen.

 

Weil Pläne und notwendige Informationen aber in die Banksteuerung einzubinden und stets aktuell zu halten sind, erfordert deren Erstellung und Verwaltung Anpassungen an der Steuerungsinfrastruktur und am Governance-Framework. Die erweiterten Indikatoren und Schwellenwerte, deren Überschreiten Eskalationsprozesse auslöst, sind beispielsweise in die Methoden und Verfahren zur Risikoüberwachung (einschließlich Reporting) zu integrieren. Darüber hinaus sind, auf den bestehenden Verantwortungs- und Kompetenzstrukturen aufsetzend, Entscheidungsverfahren festzulegen, um Sanierungsoptionen rechtzeitig einleiten zu können. Entlang neuer Auswertungsdimensionen ist dafür eine Datenbasis bereitzustellen, die in bestehenden Informationssystemen oft nur ansatzweise enthalten ist.

 

Unsere Dienstleistungen
Für die Erstellung von Sanierungs- und Abwicklungsplänen sollte frühzeitig eine Analyse der individuellen Sanierungs- und Abwicklungsfähigkeit mit Blick auf Kerngeschäftsbereiche und kritische Funktionen erfolgen. Zu prüfen ist dabei das Geschäfts- und Betriebsmodell in den Dimensionen Strategie, Unternehmensstruktur (einschließlich rechtlicher Strukturen) und Organisation sowie Finanz- und Risikopositionen.

 

Das klar strukturierte KPMG-Vorgehen zur Erstellung von institutsspezifischen Sanierungs- und Abwicklungsplänen setzt auf der Identifikation der Kerngeschäftsbereiche und kritischen Funktionen sowie den relevanten Risikotreibern auf. Durch den Einsatz von bereits bewährten Analysetemplates und Ergebnisformaten, die den Vorgaben der Aufsicht entsprechen und flexibel an Institutsspezifika angepasst werden können, werden die Projektaktivitäten von Anfang an auf ein konsistentes Vorgehen hin ausgerichtet. Um die Risikotreiber für die verschiedenen Krisenszenarien zu stressen, wird ein auf die Geschäftstätigkeit und das Risikoprofil des Instituts zugeschnittener Szenarienkatalog ausgearbeitet. Parallel werden Sanierungsmaßnahmen und Indikatoren entwickelt, deren Eignung, eine existenzbedrohende Krise des Instituts abzuwenden, anhand der Krisenszenarien überprüft wird.

 

KPMG verfügt hierfür über ein erprobtes Projektvorgehen, Analyse- und Ergebnisvorlagen sowie über Mitarbeiter, die praktische Erfahrungen mit der Ausgestaltung von Sanierungs- und Abwicklungsplänen bei Banken in Deutschland bzw. im europäischen oder internationalen  Ausland haben.

Ulrich Pukropski

Ulrich Pukropski

Bereichsvorstand Financial Services

+49 69 9587-1717

Dr. Tim Schabert

Dr. Tim Schabert

Director

+49 221 2073-5947

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