Deutschland

Europäische Privatgesellschaft (EPG) 

Die Wirtschaft fordert seit Langem die Schaffung einer "Europa-GmbH". Nun nimmt die neue Rechtsform Gestalt an.

Wirtschaftsverbände in Europa pochen seit Jahren auf die Einführung einer Europäischen Privatgesellschaft (EPG) als Alternative zur GmbH oder zur englischen Private Company Limited by Shares (Ltd.). Das Europäische Parlament brachte die "Europa-GmbH" immer wieder durch Berichte und Resolutionen auf die politische Agenda.

 

Im Juni 2008 schließlich hat die EU-Kommission einen Statutsentwurf für die Europäische Privatgesellschaft vorgelegt, für die offiziell in allen EU-Mitgliedsstaaten auch die lateinische Bezeichnung Societas Privata Europaea (SPE) gängig ist. Im März 2009 hat das Europäische Parlament dem EPG-Entwurf zugestimmt.

 

Geringere Gründungs- und Beratungskosten dank EPG
Bislang müssen Unternehmen in jedem EU-Mitgliedstaat, in dem sie tätig werden wollen, Tochterunternehmen mit jeweils unterschiedlicher Rechtsform gründen - eine kostspielige Sache, wie eine Studie im Auftrag des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) zeigt: Wer etwa Service- oder Vertriebstöchter in fünf EU-Ländern aufbauen will, muss einmalig mit etwa 45.000 Euro Gründungs- und jährlich mit 16.500 Euro Beratungskosten rechnen. Mit einer einheitlichen Rechtsform wie der Europäischen Privatgesellschaft ließen sich diese Kosten um 80 Prozent senken, so die Studie. Die Entscheidung für die EPG erspare den Unternehmen "Zeit und Geld für Rechtsberatung, Management und Verwaltung", verspricht auch die EU-Kommission.

 

Vorsprung durch europäische Marke
Die Europäische Privatgesellschaft bietet den Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Neben Einsparungen schafft die neue Rechtsform die Möglichkeit, ein europäisches Unternehmens-, Konzern- oder Gruppenlabel aufzubauen. Corporate Identity und Außenauftritt werden gestärkt. Das schafft Vertrauen am Markt und bei Geschäftspartnern in anderen EU-Staaten. Zudem gewährleistet die Europa-GmbH ein hohes Maß an Rechtssicherheit. Als EU-Gemeinschaftsrecht unterliegt das EPG-Recht der einheitlichen Auslegung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH).

 

Reizvolle Rechtsform für Mittelständler und Großkonzerne
Gedacht ist die "Europa-GmbH" speziell für international aufgestellte mittelständische Unternehmen. Interessant ist sie aber auch für Konzerne. Neben der rechtlichen Vereinheitlichung von Auslandstöchtern könnten sich mit der EPG künftig auch Strukturen und Prozesse im Konzern in Einklang bringen lassen. Eine einheitliche Rechtsstruktur würde zudem die Kontrolle durch die Konzernzentrale vereinfachen. Somit fiele womöglich die Erfüllung von Compliance-Anforderungen leichter.

 

Größere Akzeptanz erhofft als bei der "Europa-AG"
Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnen vor zu vielen Verweisen ins nationale Recht, wie es sie zum Beispiel bei der Societas Europaea (SE) gibt. Diese seit 2004 bestehende EU-Rechtsform für Aktiengesellschaften ("Europa-AG") wurde anfangs in der Wirtschaft nur wenig angenommen. Als kleine Schwester der SE soll sich die Europäische Privatgesellschaft dagegen zügig am Markt durchsetzen.

 

Lesen Sie, welche Kompromisse bisher erzielt werden konnten.

 

Prof. Dr. Peter Hommelhoff

Prof. Dr. Peter Hommelhoff

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Kooperationen

    Zweite Summer School des Hamburger Instituts für Familienunternehmen (HIF): Die Veranstaltung widmet sich vom 05. - 07. September in Hamburg dem Thema "Kooperation von und mit Familienunternehmen". 

     

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