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  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 14.08.2014

Regional war gestern: Warum wir mittlerweile Bio-Kartoffeln aus Ägypten essen 

Ökoprodukte sind heimisch und nachhaltig? Von wegen. Längst muss Bio-Ware aus dem teils weit entfernten Ausland importiert werden, weil die heimischen Bauern die große Nachfrage nicht decken können. Mehr Bioanbau in Deutschland könnte helfen – doch das ist gar nicht so einfach.

„Ich kaufe Bio, weil ich nachhaltige Produkte aus der Region will“ – das sagen laut Ökobarometer 2013 knapp 90 Prozent der deutschen Konsumenten. Außerdem geht es vielen um nachhaltige Produktion. Doch aktuell werden viele Öko-Produkte diesem Image nicht mehr gerecht. Denn die Nachfrage steigt so stark, dass sie nicht mehr vom heimischen Markt gedeckt werden kann. Längst müssen Händler aus dem Ausland einführen. „Auch bei Produkten, die wir eigentlich selbst herstellen könnten, wie etwa Getreide, Kartoffeln oder Milch“, sagt Gerald Wehde von Bioland, Verband für ökologischen Landbau. Und auch die Biokartoffeln aus Ägypten mit einer deutlich schlechteren Klima- und Wasserbilanz als jene aus dem konventionellen Anbau in Deutschland.


Und ein Ende des Biotrends ist nicht in Sicht. Mittlerweile ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Markt für Bio-Produkte der Welt. Der Umsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 7,5 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. „Und wir gehen davon aus, dass sich dieses Wachstum fortsetzt“, sagt Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).


Um dem Bio-Image der regionalen Produktion wieder gerecht zu werden, müssten in Deutschland also deutlich mehr Anbauflächen ökologisch bebaut werden. Allerdings liegt dieses Ziel noch in weiter Ferne. „Zuletzt ist die Bio-Anbaufläche so wenig gewachsen wie seit Jahren nicht mehr“, sagt Wehde. Aktuell sind es nur 6,3 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.


Das ist weit weg vom Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, von Renate Künast ins Leben gerufen. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin hatte 20 Prozent für 2010 vorgesehen. „Das Ziel verfolgt auch die aktuelle Bundesregierung, allerdings wird es mittelfristig kaum zu erreichen sein“, sagt der Experte von Bioland.


Mit ein Grund dafür: Der Transfer von konventionellen Anbau zum Biohof ist nicht einfach und eine große Investition. Die Umstellung zum Biobetrieb dauert in der Regel zwei Jahre in einem normalen Acker- oder Milchbetrieb.


Besonders teuer kann die Umstellung in der Tierhaltung werden. Denn Bio-Vieh fordert mehr Platz im Stall und Auslauf. Oftmals sind neue Ställe nötig, das kann Hundertausende oder sogar Millionen kosten. Hinzukommt, dass neue Partner und Konzepte für die Vermarktung gefunden werden müssen. Soll das alles gelingen, ist eine Menge Know-how notwendig. Bauern sollten sich dringend von den Landwirtschaftskammern und den Öko-Anbauverbänden beraten lassen. Und auch finanzielle Hilfe können sich die Bauern von den Bundesländern besorgen, rät der BÖWL.


Dennoch könne hier die Politik mehr tun, fordern die Verbände. Damit Deutschland mehr Bio anbaut, den hohen Bedarf besser decken kann und damit seinem Image wieder voll gerecht wird: Vom heimischen Bauern, nachhaltig produziert.

 

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