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  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 26.02.2014

Russland und die Spiele 

Mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi setzt sich Russlands Präsident Wladimir Putin ein persönliches Denkmal aus Skipisten und Langlaufloipen. Zugleich sollen die Spiele auch eine Leistungsschau Russlands der Ära Putin/Medwedew sein. Was die aufstrebende Wirtschaftsmacht leisten kann und wohin der russische Bär wirtschaftlich steuert, zeigt KPMG in der Serie "Russland und die Spiele".

 

Alle Artikel im Überblick:

 

Teil 5: 

 Teil 5 Abschluss  

 

 

 

 

    

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind vorüber, die Flamme am Olympiastadion „Fischt“ ist erloschen. Umso drängender stellt sich die Frage, wie es nach den Olympischen Spielen in Sotschi weitergeht?

 

Die Organisatoren von Sotschi glauben an einen bleibenden Werbeeffekt für die Region als Wintersport- und Urlaubsgebiet. Auch die Verbesserungen bei der Infrastruktur würden sich nachhaltig positiv für Russland und dessen Image auswirken. Aber sind das realistische Erwartungen? Immerhin sind in Sotschi künftig tausende Hotelzimmer und Tagungsräume zu füllen. Und ein konkretes Nachnutzungskonzept für das neugebaute Olympiagelände gibt es noch nicht.


Ob sich die teuersten Olympische Spiele aller Zeiten nachhaltig für Russland rentieren, bezweifelt Russland-Experte Christoph B. Schenk:


„Die Austragung von sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Spielen oder der Fußballweltmeisterschaft ist häufig ein zweischneidiges Schwert für das Gastgeberland. Sie kann der Weltöffentlichkeit den Aufstieg ambitionierter Wirtschaften vor Augen führen, aber auch ein Schlaglicht auf ihre Mängel werfen.

 
Vor allem Schwellenländer wie die BRIC-Staaten erhoffen sich viel – Prestige und wirtschaftlichen Aufschwung. Der Bevölkerung wird versprochen, dass das Großereignis der Wirtschaft nützt, etwa den Tourismus fördert und neue Investoren anlockt. Umso größer ist später die Enttäuschung, wenn es anders kommt. Denn die meisten Nationen haben wenig oder keinen wirtschaftlichen Nutzen aus solchen Megaevents erfahren. Denken Sie nur an Gastgeberländer wie Südkorea, China oder Griechenland – dort ging das Wirtschaftswachstum nach den Spielen sogar zurück.“


Kritiker fühlen sich durch derlei Entwicklungen häufig in ihrem Vorwurf bestätigt, dass Politiker Geld für Statussymbole verschwenden und Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit oder Wohnungen für die Bevölkerung vernachlässigen würden. Sicherlich könne man ein Sportereignis auch ein wenig bescheidener und entspannter durchführen, meint Schenk hierzu, doch auch die weniger greifbaren Gewinne solcher Großveranstaltungen, wie ein Auftrieb in Sachen Nationalstolz und eine Imageverbesserung, lockten die Regierungen.


Der Bauwahn in Sotschi geht weiter  


Derzeit kursieren verschiedene Pläne für die Nachnutzung des olympischen Dorfes durch die Medien. Von einem russischen Las Vegas oder einer neuen Heimat für Geheimdienstmitarbeiter ist die Rede. Konkrete Entscheidungen gibt es noch nicht. Zunächst einmal kommen die Paralympics im März, der G8-Gipfel im Juni und die Formel 1 im Oktober – und die stellen Russland vor eine ernste Probe nach Olympia. Denn behindertengerecht ist in Sotschi längst nicht alles. Es gibt Gondelstationen, die nur über lange Treppen zu erreichen sind und öffentliche Gebäude ohne Rollstuhlrampen. Und wenn im Oktober  erstmals die Formel 1 durch den Olympia-Park rast, wird der Streckenbau voraussichtlich 250 Millionen Euro gekostet haben. Es sind also noch weitere Investitionen in Sotschi notwendig. 

 

Wirtschaftlicher Abstieg nach Olympia?


Als persönliches Fazit zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi gibt Christoph B. Schenk zu bedenken:


„Mit Sotschi hat Russland eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Die Spiele verliefen friedlich und nach Plan. Doch auch Olympia kann die Konjunkturabkühlung in Russland nicht aufhalten. Die aktuelle Schwächephase der russischen Wirtschaft bereitet mir und der deutschen Industrie Sorgen.


Das Wachstum ist im vergangenen Jahr auf magere 1,4 Prozent gesunken und zum Euro hat die russische Währung vergangene Woche ein historisches Tief markiert. Russland droht den Anschluss zu verlieren, wenn es seine Wirtschaft nicht modernisiert und reformiert. Immerhin könnten die russischen Exportfirmen ihren Absatz steigern, da sie mit dem günstigen Rubel auch geringere Preise bieten können. Ob dies ausreicht, die Aussichten für die Gesamtwirtschaft entscheidend zu verbessern, bleibt aber ungewiss.


Insgesamt bleibt leider zu befürchten, dass Russland, wie seit vielen Jahren schon, weit hinter den eigenen Möglichkeiten zurück bleibt und die wunderbaren Menschen in diesem großartigen Land weiter nicht das Wohlstandsniveau erklimmen, das erreichbar wäre.“

 

 

 

 

Teil 4: 

 Teil 4 Infrastruktur

 

 

Für eine reibungslose Logistik und eine intakte Infrastruktur zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi haben die Russen einen enormen Aufwand betrieben. Die Stadt mit rund 340.000 Einwohnern bekam neue Straßen, einen neuen Flughafen und einen neuen Bahnhof. Für die digitalen Grundbedürfnisse wurde eine stabile und leistungsstarke Funk- und Internetverbindung geschaffen.

 

Die Transport- und Telekommunikationsinfrastruktur verbleibt natürlich auch nach den Spielen in Sotschi und Umgebung. Der kleine Urlaubsort wird dann eine der modernsten Städte in Russland sein.

 

Durch das sportliche Großereignis Olympische Winterspiele ist es in Sotschi gelungen, eine hochmoderne, leistungsstarke Infrastruktur bereit zu stellen. Genau vor dieser Herausforderung steht in den kommenden Jahren das ganze Land, das mit 17,1 Millionen km² das größte der Welt ist. Russland umfasst neun Zeitzonen mit zum Teil völlig unterschiedlichen geografischen und klimatischen Gegebenheiten. Trotz dieser schwierigen Bedingungen haben die Russen die Bedeutung von Logistik und Infrastruktur für die wirtschaftliche Entwicklung erkannt. Sie  wollen ihr Land als wichtiges Drehkreuz im Asien-Europa-Verkehr und auf der Nord-Süd-Achse von Nordeuropa Richtung Indien etablieren.

 

Doch Russland ist nicht gleich Russland. Christoph B. Schenk weist auf die Infrastrukturunterschiede zwischen West und Ost hin:

 

„Während die Logistikbranche in Russland dank hoher Importquoten wächst, hinkt die Infrastruktur hinterher. Einem relativ gut ausgebauten Westteil steht die Weite des Ostens gegenüber, die kaum von Transport- und Verkehrswegen erschlossen ist. Als Drehscheibe zwischen Europa und Asien ist Russland Transitland und Tor zu den boomenden Märkten in Fernost. Eine belastbare Infrastruktur ist damit nicht nur im Interesse Russlands, auch die EU und besonders Deutschland würden von einer größeren Leistungsfähigkeit profitieren. Die geringe Dichte der Transportwege setzen dem Wirtschaftswachstum Russlands zu  - mittlerweile bildet das Land das Schlusslicht in der Gruppe der BRIC-Staaten.“
Dezentrale Sportereignisse könnten die Infrastruktur stärken

 

Neben Sotschi bietet vor allem die Fußball-WM 2018 als nächstes, wirtschaftlich lukratives Großereignis die Chance zum dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur. Im Gegensatz zu den Olympischen Winterspielen verteilen sich die Infrastrukturprojekte bei der WM auf die Fläche, wodurch eine größere Nachhaltigkeit gesichert sein könnte. Doch Schenk ist skeptisch:

 

„Von der Fußball-WM wird größtenteils auch wieder nur der Westen des Landes profitieren, denn der östlichste Austragungsort, Jekaterinburg, liegt am Uralgebirge. Russland muss es gelingen sein Infrastrukturnetz in der Fläche auszubauen, denn dann stehen die Chancen gut, an die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre anzuknüpfen.“

 

Auch wenn der Aufbau einer leistungsstarken Infrastruktur noch Jahre dauern wird,  die Russen haben die Notwendigkeit zu handeln erkannt, meint Schenk, es fehle jedoch ein schlüssiges Gesamtkonzept:

 

„Infrastrukturprojekte sind auf ein erfolgreiches Management angewiesen. Das fehlt den Russen häufig noch. Oftmals ist schon die Auftragsvergabe nicht transparent, zu bürokratisch und führt zu fehlendem Wettbewerb. Das macht die  koordinierte Infrastrukturplanung auf lange Sicht schwierig."

 

Die Entwicklung einer landesweiten Logistik-Infrastruktur ist Voraussetzung für weiteres wirtschaftliches Wachstum. Das hat die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin erkannt und sie zu einem zentralen Thema für die kommenden Jahre gemacht. In den russischen Weiten ist das ist eine schwierige Herausforderung für die Logistik- und Transportdienstleister. Ob sportliche Großereignisse wie die Olympischen Winterspiele oder die anstehende Fußball-WM nachhaltige Impulse setzen können, wird sich zeigen. Letztlich sollten alle in Russland agierenden Unternehmen ihre Logistikstrategien im Rahmen eines Supply Chain Network Redesign überprüfen und anpassen, sagt Schenk abschließend.

 

 

 

 

Teil 3: 

 Teil 3 Energiemarkt  
Seit dem 07. Februar brennt das olympische Feuer in Sotschi. Im Vorfeld inszenierten die Russen einen Fackellauf der Superlative:  die Fackel flog in 350 Kilometern Höhe im Weltall, befand sich auf dem Grund des tiefsten Sees der Erde und auf dem höchsten Berg Russlands. Es könnte kaum ein passenderes Bild für Russland und seine fossilen Energien geben. Sie sind die Triebfeder im Wirtschaftsleben. Das könnte zu einem Problem werden. 
 

Unverändert ist Russland einer der führenden Energieproduzenten weltweit und verfügt über reiche Vorkommen an fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Wichtigster Energieabnehmer ist die EU. Im vergangenen Jahr importierten die Europäer über 160 Milliarden Kubikmeter  Gas - ein neues Rekordhoch.

 

Für die russische Wirtschaft ist das Fluch und Segen zugleich, denn die einseitige Ausrichtung der russischen Wirtschaft auf den Export fossiler Energien ist ein großes Problem, weiß Christoph B. Schenk, KPMG-Experte für Russland:

 

„Die Konzentration der Wirtschaft auf den Energiesektor macht Russland wirtschaftlich abhängig von der weltweiten Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise und von der Nachfrage der EU als Hauptabnehmer. Deshalb kann man grundsätzlich auch nicht mehr von einer einseitigen Abhängigkeit Europas von russischem Gas sprechen. Gas wird zwar noch für einige Jahrzehnte seinen Anteil am europäischen Energiemix behalten, dann aber voraussichtlich durch andere, nicht fossile Energieträger ersetzt werden.“

 

Das Ziel für die russische Wirtschaft sei deshalb klar, so Schenk. Russland müsse seine Wirtschaft neu ausrichten und  insbesondere die strukturellen Erbschaften der sowjetischen Planwirtschaft überwinden. Eine stärkere Diversifizierung und eine bessere Positionierung des Landes bei neuen Technologien seien notwendig, damit Russland global wettbewerbsfähig bleibt.

 

Zudem treibe die EU ihre Unabhängigkeit von russischem Gas voran, was Moskau zusätzlich unter Druck setzen dürfte, so Schenk weiter. Ein Beispiel dafür: Kürzlich traf die EU eine Investitionsentscheidung für die Trans-Adriatic Pipeline (TAP) zwischen dem Kaspischen Meer und Westeuropa.

 

Ein Grund mehr die Diversifizierung der russischen Wirtschaft voran zu treiben, meint Schenk:

 

„Die EU versucht derzeit, den Gasmarkt zu liberalisieren. Künftig wird Aserbaidschan durch die TAP Gas aus dem Kaspischen Meer nach Europa pumpen.  Nachdem Moskau durch den Bau der Nordstream-Leitung in der Ostsee seine dominierende Rolle als Energielieferant zuletzt noch festigen konnte, schafft Brüssel mit einem südlichen Gaskorridor dazu ein Gegengewicht.“

 

Während sich die EU der Umklammerung Russlands als Hauptenergielieferant zu entziehen versucht, ist die russische Wirtschaft abhängig von der Einführung westlicher, innovativer Technik zur Modernisierung der eigenen Energiewirtschaft.

 

Erfahrungen aus Deutschland können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, weiß Schenk:

 

„Deutschland und Russland sind ideale Partner für die Energieeffizienz, denn Russland will seine Energieeffizienzpotenziale erschließen und seine Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen. Dies schafft einen großen Zukunftsmarkt für deutsches Know-how und ist ein Wegbereiter für neue deutsch-russische Kooperationen.“
Der russische Energiesektor steht unter großem Reformdruck und muss zukünftig um Marktanteile in Europa kämpfen. Man darf gespannt darauf sein, wie die gegenseitige Abhängigkeit von Russland und Europa gestaltet wird, dass sie für beide Seiten von Vorteil ist.

 

 

 

 

Teil 2:

 Teil 2 Automarkt

 

 

 

 

 

 

 

Die Studie „Global Automotive Survey 2014“ hat Anfang des Jahres mehr als 200 Branchenexperten befragt, welche Automarken zukünftig Marktanteile gewinnen könnten. Überraschend weit vorn dabei: Russland.

 

Insbesondere den größten russischen Automobilhersteller AvtoVAZ sehen die Fachleute als eine der Marken mit dem vielversprechendsten Geschäftspotenzial in den kommenden Jahren. Im Ranking der Wachstumsprognosen bis zum Jahr 2019 schaffte es AvtoVAZ auf Platz drei unter den internationalen Automobilherstellern.

 

Nur noch Hyundai/Kia und die Volkswagen Group rangieren vor den Russen auf dem Gold- und Silberrang. Die Erwartungen der Experten sind dabei im Vergleich zum vergangenen Jahr um 34 Prozent gestiegen. 2013 hatte AvtoVAZ noch den 21. Rang belegt.

 

Das Potenzial des russischen PKW-Marktes ist gigantisch, weiß auch Christoph B. Schenk, Russland-Experte von KPMG:

 

„Der Sprung von AvtoVAZ auf Platz drei ist enorm und spiegelt das starke Wachstumspotenzial des russischen Automobilmarktes wider. Prognosen versprechen in den kommenden Jahren ein um 20 Prozent steigendes Absatzvolumen. Ich denke, Russland wird sich demnächst zum größten europäischen Automobilmarkt entwickeln.“

 

Diese Entwicklung sei vorwiegend auf die wachsende kaufkräftige Mittelschicht sowie die steigende Zahl von ausländischen Investoren - aus Europa und vor allem Asien - in der russischen Automobilindustrie zurückzuführen. Die Geldgeber haben das Potenzial des russischen Marktes seit einigen Jahren erkannt und die Produktionskapazitäten vor Ort strategisch ausgebaut, so Schenk weiter. Die russische Autoindustrie müsse ihre Entwicklungsbemühungen weiter vorantreiben, um im internationalen Wettbewerb, mit dem sie nun auch auf dem Heimatmarkt konfrontiert sei, konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Ein Beispiel für die neuen Ambitionen: Für die Marke Lada verpflichtete AvtoVAZ kürzlich Steve Mattin als neuen Chefdesigner, der fast zwei Jahrzehnte lang Luxuskarossen für Mercedes entwarf.

 

Nicht nur die Design-, sondern auch die Qualitätsanforderungen sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, sagt Schenk mit Blick auf Ladas Entwicklungsbemühungen:

 

„Solche Schritte sind richtig, aber es geht bei Lada natürlich nicht nur um das Design, sondern um das ganze Image des Herstellers. Der russische Markt hat spürbar steigende Qualitätsanforderungen an seine Produkte. Lada muss verhindern, dass die Kunden bei der Konkurrenz kaufen, sobald sie genug Geld dafür haben.“

 

Dass die wirtschaftliche Stimmung in Russland jedoch nicht von allen als positiv eingeschätzt wird, zeigt sich wiederum an den Russen selbst. Die in der "Global Automotive Survey 2014“ befragten russischen Entscheider sind weitaus pessimistischer, was die eigene Entwicklung angeht. Daran ändern auch die Olympischen Winterspiele in Sotschi nichts. Die Russen glauben noch nicht recht an die große Wende. 

 

 

 

 

Teil 1: 

 Teil 1 Olympia  

 

 

 

 

Die Welt blickt in diesen Tagen nach Sotschi. In dem russischen Kurort finden vom 07. bis 23. Februar die teuersten Olympischen Winterspiele der Geschichte statt. In acht Jahren Vorbereitungszeit wurden mehr als 37,5 Milliarden Euro ausgegeben.

 

Die deutsche Wirtschaft kann sich nicht beklagen: Für viele Firmen waren die Vorbereitungen für Sotschi ein gutes Geschäft. Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) bescheren die Winterspiele  deutschen Unternehmen Umsätze in Milliardenhöhe. „Knapp 100 deutsche Unternehmen erhielten im Umfeld der Winterspiele Aufträge mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro", teilte die AHK kürzlich mit.

 

Christoph B. Schenk, KPMG-Partner und Länderspezialist für Russland, ist der Meinung, dass die Umsätze noch höher sein könnten:

 

„Grundsätzlich ist es natürlich positiv, dass die deutsche Wirtschaft Aufträge im Umfeld von Sotschi erhalten hat. Doch das Umsatzvolumen von 1,5 Milliarden Euro sollte man nicht überbewerten. Das deutsch-russische Handelsvolumen betrug zuletzt rund 80 Milliarden Euro im Jahr. Das klingt hoch, aber es könnte wesentlich höher sein. Beide Seiten schöpfen ihre Potenziale leider nicht aus.“

 

Mit Blick auf zukünftige Großereignisse in Russland betont Schenk die Attraktivität des russischen Marktes für deutsche Unternehmen:

 

„Der russische Markt ist für deutsche Unternehmen eigentlich hochinteressant, denn es muss in der Tat noch viel in die Infrastruktur investiert werden, um das Land auf das Niveau des Westens zu bringen. Nach Sotschi könnten weitere Aufträge folgen. Denken Sie nur an die 2018 in Russland stattfindende Fußball-WM – hier sind noch enorme Anstrengungen nötig, um Sportlern und Besuchern eine passable Infrastruktur bieten zu können.“

 

Doch bisher lockte der russische Markt wegen der allgegenwärtigen Korruptionsgefahr nur wenige westliche Unternehmen dauerhaft an, so Schenk weiter. In Deutschland messen nicht nur große  Firmen, sondern auch Mittelständler dem Thema Compliance mittlerweile eine große Bedeutung zu. Korruption hemmt die Geschäftsentwicklung.

 

Es gibt Bemühungen, dieses Verständnis auch in Russland zu etablieren, allerdings ohne erhobenen Zeigefinger, erklärt Schenk:

 

„Vor wenigen Jahren vereinbarten namhafte, in Russland tätige internationale Unternehmen sehr erfolgreich, ihre Geschäfte nur noch korruptionsfrei zu gestalten. Diese Übereinkunft wurde den Behörden und der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Die bestechlichen Amtsträger hörten daraufhin auf, nach Bestechungsgeldern zu fragen und viele Wettbewerber schlossen sich der ‘Collective Action’ an. Deutsche Unternehmen sollten darauf hinwirken, natürlich ohne belehrend zu erscheinen, erste Grundlagen für Compliance-gerechte Prozesse und Abläufe zu etablieren, beispielsweise bei der Herstellung einer Kosten-, Termin- und Qualitätstransparenz.“

 

Doch der Weg zu einem fairen Wettbewerb ohne ungerechtfertigte persönliche Bereicherung für Russland sei in vielen Bereichen sicherlich noch weit, so Schenk abschließend. Sich für Transparenz, internationale Standards und Nachhaltigkeit einzusetzen, sei der beste Beitrag, den deutsche Unternehmen leisten können.

 

Das nächste Großereignis, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018, gibt Russland die Chance, sich weiterzuentwickeln. Bleibt abzuwarten, ob es die teuerste WM aller Zeiten wird.

 

 

 

 

Redaktion: Julia Willich

 

Christoph Schenk

Christoph Schenk

Partner, Länderspezialist Russland

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