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  • Branche: Medien und Telekommunikation
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 06.02.2014

Boomfaktor Berlinale 

Heute beginnen die 64. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Nach der Fashion Week und der Grünen Woche ein weiterer Publikumsmagnet, der zum Jahresbeginn hunderttausende Besucher in die Hauptstadt zieht.

Zehn Tage lang ist Berlin völlig von der (Film)Rolle: große Stars, rund 400 Filme, Glanz und Glamour. Cannes ist schicker. Venedig wärmer. Trotzdem lieben alle die Berlinale. Kinofans aus der ganzen Welt sind angereist, stehen sich für Karten stundenlang die Beine in den Bauch und hoffen, am roten Teppich einen Blick auf ihre Filmstars werfen zu können.

 

Neben der Hollywood-Atmosphäre bringt die Berlinale der Hauptstadt aber vor allem eins: zusätzliche Wirtschaftskraft. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer spricht von rund 125 Millionen Euro jährlich. „Nicht nur die Besucherzahlen werden weiter steigen, auch die Unternehmen in Berlin profitieren von den Filmfestspielen“, sagte die Politikerin kürzlich der dpa.

 

Auch Markus Kreher, KPMG-Partner und Head of Media, betont den wirtschaftlichen Schub, den die Filmfestspiele im kalten Berliner Februar in die Hauptstadt bringen:

 

„Die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer stellt damit klar heraus, wie wichtig die Filmfestspiele als zusätzlicher Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadtregion sind. Denn die wirtschaftlichen Effekte sind nicht nur für die Berliner Kinos und die Tourismusbranche beachtlich. Viele verschiedene Branchen profitieren von den knapp 20.000 Fachbesuchern wie zum Beispiel Produzenten, TV-Vertreter und internationale Journalisten.“

 

Außerdem ist die Berlinale für Kreher nicht nur schönes Kino, sondern auch ein Handelsplatz:
 
„Die Berlinale ist selber auch eine Filmmesse, auf der Geschäfte gemacht und Abschlüsse getätigt werden. Entscheidend für den Wirtschaftsstandort Berlin ist darüber hinaus die enorme mediale Berichterstattung. Berlin wird nicht nur als internationale Filmmetropole, sondern auch als moderne Trendstadt wahrgenommen. Das zieht Aufmerksamkeit auf sich und ist gleichzeitig kostenlose Imagewerbung für Berlin.“ 
Einen Rekord konnte die Berlinale schon im Vorfeld vermelden: Das Medienboard Berlin-Brandenburg hat 26 Produktionen im offiziellen Programm gefördert - so viele wie nie zuvor. Das Studio Babelsberg ist gleich mit drei Premieren vertreten u.a. mit dem Eröffnungsfilm „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson und der 80 Millionen Dollar teuren Großproduktion "The Monuments Men" von George Clooney.

 

In Babelsberg bei Potsdam, kurz vor den Toren Berlins, werden mittlerweile reihenweise Hollywood-Streifen abgedreht. Die Bedingungen dort sind gut, doch der Traditionsstandort muss weiter kämpfen und ist auf Unterstützung angewiesen. Markus Kreher sieht die Probleme vor allem in den Strukturen der deutschen Filmförderung: 

 

„Viele Regionen in Brandenburg profitieren natürlich von den in Babelsberg produzierten Filmen, denn viele Außenaufnahmen, zum Beispiel zu „Monuments Men“, fanden an Sets in nahezu allen Landkreisen des Bundeslandes statt. Doch die Filmförderstruktur in Deutschland bleibt schwierig. Der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) deckelt die Fördersumme für internationale Projekte. 16 Prozent bzw. maximal vier Millionen Euro der Kosten, die beim Dreh anfallen, können über den DFFF erstattet werden, was aus Sicht der Branche natürlich ein Hemmnis ist. Für internationale Filmemacher sind die höchsten Förderungen und Steuervorteile entscheidend. Länder wie Kanada oder Großbritannien versprechen beispielsweise automatisch Nachlässe von bis zu 40 Prozent der Gesamtbudgets. Eine Aufstockung der Filmförderung oder gar eine Abschaffung der Kappungsgrenze würde in Deutschland zu mehr Planungssicherheit bei den Produktionsfirmen führen.“

      

Man darf gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren noch tut. Einem Berlinale-Siegerfilm aus Babelsberg wären die Sympathien hierzulande wohl auf jeden Fall sicher.

 

 

Redaktion: Julia Willich

 

Dr. Markus Kreher

Dr. Markus Kreher

Partner, Head of Finance Advisory

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