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  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 23.07.2014

Korruption in Afrika: Grenzenlose Bedrohung 

Compliance in Afrika
Korruption, Vorteilsnahme und Bestechung bremsen Afrikas Wirtschaft und schrecken Investoren ab. Nur wenige Länder zeigen genügend politischen Willen und sorgen mit mehr Transparenz für einen Kulturwandel. Den ausländischen Unternehmen vor Ort fehlt oft Wissen und Erfahrung, um ihre einheimischen Compliance-Systeme länderspezifisch anzupassen. Im 2. Teil der Artikelserie "Big Five" unseres Themenspecials "Chance. Neuland. Afrika." untersuchen wir Fragen zu Compliance und Korruption in Afrika.

Von A wie Ägypten bis Z wie Zimbabwe – die Meldungen von Korruption und Bestechung von Regierungen und Wirtschaftseliten häufen sich in vielen afrikanischen Ländern. Ob bis zuletzt Hosni Mubarak in Kairo oder Robert Mugabe in Harare: Geld aus dem eigenen Rohstoffreichtum oder den Abgaben für ausländische Investments versickert oft in undurchsichtigen Staatsapparaten oder landet auf manch einem privaten Bankkonto in einer fernen Offshore-Oase.

 

Diese weit verbreitete Kultur der Korruption und Vorteilsnahme im Amt und in der privaten Wirtschaft ist nicht auf Afrika beschränkt – und dennoch schreckt sie ausländische Firmen auf den Kontinent besonders. Sie zögern angesichts der Probleme und der teils sehr unsicheren Rechtslage mit Investitionen. Dies schwächt die afrikanische Wirtschaft und bremst weiteren Fortschritt sowie neue Arbeitsplätze – insbesondere zum Wohle der Bevölkerung und einfachen Arbeiter in den ländlichen Regionen.

 

Viele afrikanische Staaten schneiden bei Korruptions-Ranking schlecht ab

 

Ein Blick auf das jährliche Korruptionsranking von Transparency International (TI) zeigt die düstere Lage:  Neben Schlusslicht Somalia finden sich auch in der aktuellen Ausgabe von 2013 viele Staaten aus Subsahara-Afrika am unteren Ende der Rangliste wieder. 90 Prozent der Staaten liegen unterhalb der 50%-Durchschnittsmarke des Korruptions-Indexes. Nur Botswana (30.) und Ruanda (49.) sowie die Inselstaaten Kapverden (41.) und die Seychellen landen unter den besten 50 Staaten des Corruption Perception Indexes von TI.

 

Das Muster der Gesetzesverstöße ist meist ähnlich: Oft sind es die Herrscherfamilien oder das Umfeld der jeweils regierenden Führungsclans, die staatliche Gelder zu Privatvermögen werden lassen. 

 

Beispiel Äquatorial-Guinea: Rolls-Royce, Villa und Michael Jackson-Fanartikel

 

Beispiel Äquatorial-Guinea. Der dortige 40-jährige Herrschersohn lebt angeblich in Saus und Braus – mit Privatjet, einem Dutzend Luxuswagen, standesgemäßer US-Villa in Malibu und teuren Memorabilia seines Idols und Popstar Michael Jackson. Damals, 2011, war sein Vater Präsident des ölreichen Staates und zugleich auch Präsident der Afrikanischen Union.

 

Das Studium des afrikanischen Präsidenten-Sprosses soll nach Medienberichten von einer US-Ölfirma finanziert worden sein. Untersuchungen des US-Senats und verschiedener Strafverfolgungsbehörden förderten weitere Verflechtungen internationaler Konzerne zutage. Nichtsdestotrotz gilt er als designierter Nachfolger seines seit 1979 herrschenden an Krebs leidenden Vaters. In der Zwischenzeit fungiert er in der Regierung offiziell als Minister für Land- und Forstwirtschaft und wacht über die potenziell lukrative Vergabe von Abholzungsrechten.

 

Ausländische Firmen in der Vergangenheit oft in Korruption verstrickt

 

Das Länderbeispiel zeigt, dass viele internationale Konzerne weiterhin mit Korruption und fehlender Compliance in ihren Unternehmen und Geschäftsaktivitäten in afrikanischen Ländern zu kämpfen haben. In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle, wo sie in die kriminellen Geschäfte korrupter Eliten vor Ort verstrickt waren – insbesondere solange Bestechung im Ausland noch als Kavaliersdelikt angesehen war und sogar von der Steuer absetzbar war. Doch heutzutage kann sich keine Firma mehr leisten, Verstöße als Auslegungssache zu betrachten.

Der Kampf gegen Korruption vor Ort bleibt eine Herausforderung. Vielen – gerade mittelständischen Unternehmen – fehlen Erfahrung, die Strukturen und das Know-how, um effektiv Fehlverhalten ihrer Ländergesellschaften im Ausland zu verhindern, aufzudecken und zu sanktionieren.

 

 

Marktszene Kumasi

 

Andere Geschäftskultur, anderes Fehlverhalten: Marktszene in Kumasi, Ghana. 

 

 

Compliance-System muss länderspezifisch angepasst werden

 

Ein wichtiger Bestandteil eines wirksamen Compliance-Programms ist es, einen konzerneinheitlichen Code of Conduct vor Ort einzuführen und arbeitsrechtlich verbindlich umzusetzen. Eine Berücksichtigung ethischen Verhaltens in der Bonusbemessung kann dabei ein sehr wichtiger und wirksamer Teil des Compliance-Programms sein. Parallel zur Sanktionierung können Angebote wie Compliance Helpdesk oder Awareness-Programme die Bemühungen unterstützen.

 

Anlässlich der verschiedenen Rahmenbedingungen wäre es jedoch fahrlässig, ein in Europa erprobtes inländisches Kontrollsystem ohne jede Anpassung auf den Geschäftsbetrieb im Ausland zu übertragen. Die afrikanischen Staaten haben ganz andere kulturelle Traditionen, Geschäftspraktiken und Rechtssysteme. Manch ein Fehlverhalten wird laxer eingestuft, andere scheinbar harmlosere Delikte wiederum von Beginn an konsequent verfolgt. Umso wichtiger ist es, die Schutz- und Präventionsmechanismen und Programme länderspezifisch anzupassen.

 

Auch „kleine Korruption“ jenseits der Konzernzentralen lähmt die Wirtschaft

 

Jenseits der großen Unternehmenswelt und der Herrscherclans existiert aber auch die „kleine Korruption“: Sie findet nicht in den Konzernzentralen, sondern auf der Straße statt, in kleinen Amtsstuben und an Polizeikontrollen. Dabei geht es nur um kleine Beträge, oft um Leistungen, die eigentlich kostenlos sein sollten – zum Beispiel Zugang zu Wasser oder ein Platz in der örtlichen Schulklasse für die Kinder.

 

Diese Bestechungskultur in Alltagsfragen ist jedoch gleichfalls Gift für die Entwicklung der Länder und untergräbt den Kampf für mehr Rechtstaatlichkeit und die Unabhängigkeit staatlicher Institutionen.

 

Bildung, Transparenz und Kultur der Offenheit sind Schlüssel für Kulturwandel

 

Neben einer konsequenten Bekämpfung und einem starken politischen Willen ist eine bessere Bildung und mehr Wissen in der Bevölkerung der wichtigste Schlüssel. Oft gehen die Menschen davon aus, dass sie für bestimmte (eigentlich kostenlose) staatliche Leistungen zahlen müssen. Sie denken, dass sie nur dadurch guten Service bekommen.

 

Aufklärung und Informationskampagnen können entsprechend dazu betragen, der Korruption den Boden zu entziehen – angefangen im Schulunterricht bis hin zu Berichten in den öffentlichen Medien. Damit einhergehend müssen Länder aber zugleich mehr Transparenz ermöglichen und eine stärkere Kultur der Offenheit in ihrer Gesellschaft erlauben. Totalitäre Regime, die eine kritische Öffentlichkeit ersticken, leisten keinen Beitrag dazu. Chantal Uwimana, Direktorin der Afrika-Abteilung von Transparency International weiß aus ihren Untersuchungen: „Je mehr Transparenz und Nachfolge ein Land erlaubt, desto weniger Korruption gibt es.“ 

 

 

 

Mehr zum Thema:

 

Hier erreichen Sie alle bisher veröffentlichten Beiträge der Artikelserie "Big Five" im Rahmen unseres Themen-Specials "Chance. Neuland. Afrika":

 

BigFive-Karte 2Hier springt der Funk überCompliance in Afrika

 

 

Chance. Neuland. Afrika.

Bild Afrika Aufmacher

 

Ein Themen-Special zur dynamischen Wirtschaftsentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent.