Deutschland

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  • Branche: Handel und Konsumgüter
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 05.05.2014

Hopfen und Malz verloren? So kämpfen Brauer gegen Umsatzeinbußen 

Der Umsatz des deutschen Kultgetränks sinkt seit Jahren. Bier leidet unter anderem an einem Image-Problem. Was können deutsche Brauer besser machen? Reiner Klinz, Brauerei-Experte bei KPMG gibt Tipps.

„Es wird bei uns Deutschen mit wenig so viel Zeit totgeschlagen wie mit Biertrinken“ – das wusste schon Otto von Bismarck. Tatsächlich genießt der deutsche Konsument durchschnittlich 100 Liter im Jahr – und liegt damit in der weltweiten Spitzengruppe. Noch. Denn der Umsatz der deutschen Brauereien sinkt seit Jahren – um knapp sieben Prozent seit 2005. „Ein Trend, der weiter anhalten wird“, wie Brauerei-Experte Reiner Klinz von KPMG prognostiziert, „wenn die Hersteller nicht handeln…“.

 

Der Grund für die Zurückhaltung beim Bier: Junge Leute wachsen heute mit einer deutlich größeren Auswahl an Getränken auf, als noch vor ein paar Jahren. Es gibt zahllose Mischgetränke, die von den Herstellern aggressiv beworben werden.

 

Längst reagieren die Bier-Hersteller auf das Problem: Der Deutsche Brauer-Bund beispielsweise will das Reinheitsgebot und die damit verbundene Brautradition zum Weltkulturerbe erklären lassen. „Eine gute Idee“, sagt Reiner Klinz. Immerhin sei das Reinheitsgebot das älteste Lebensmittelgesetz der Welt. „Es ist ein Symbol für die Qualität des deutschen Bieres. Und Qualität ist ein sehr überzeugendes Verkaufsargument.“

 

Um sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen, müssten die Brauer allerdings mehr tun, erklärt der Experte. Wenn das deutsche Bier langfristig seine große Bedeutung nicht einbüßen will, müssten sich die Produzenten an die neuen Marktbedingungen anpassen. Das heißt, sie brauchen immer wieder neue mutige Ideen, die das Geschäft beleben. „Sie müssen Marktlücken finden, Nischen, die sie bedienen können.“ Dazu gehörten zum Beispiel die sogenannten Craft-Biere, für die Hersteller mit den enthaltenen Rohstoffen Wasser, Malz und Hopfen mutig experimentieren. Das Ergebnis: fruchtig süße, würzig-herbe oder fast bittere Biere mit Frucht-, Kaffee-, oder Schokonote. Die Geschmacksvielfalt wird ähnlich groß wie beim Wein.

 

Einige deutsche Hersteller haben diese Ratschläge bereits beherzigt. Denn trotz der sinkenden Bierabsatzzahlen werden in Deutschland immer mehr Brauereien gegründet. Viele Hersteller setzen auf das lokal gebraute Bier mit Heimatgefühl. „Das allein ist bereits bemerkenswert“, sagt Reiner Klinz. Denn es gebe ohnehin nirgends auf der Welt so viele Brauereien wie in Deutschland – mehr als in ganz Europa zusammen.

 

Damit diese Nischenprodukte allerdings den deutschen Gesamtumsatz positiv beeinflussen können, müsse es auch darum gehen, das Image und den „gefühlten“ Wert des Bieres in der Öffentlichkeit zu steigern. Denn noch sei es so, dass der Konsument gerne 10 Euro und mehr für einen guten Wein ausgeben will – er für die selbe Menge Bier aber kaum 1 Euro investieren mag. „Hier spielt das richtige Marketing eine große Rolle“, sagt der Experte. „Wir müssen weg von der üblichen Bierflasche und dem Kronkorken. Eine hochwertige Verpackung beispielsweise mit Sektkorken könnte Wunder bewirken.“ 

 

Und Reiner Klinz weist auch noch auf eine weitere Chance für die deutschen Brauereien hin: den Export. Denn wie die Erhebungen des deutschen Brauer-Bundes belegen – im Gegensatz zu den Deutschen steigt bei den Konsumenten in anderen Ländern die Lust auf das deutsche Bier seit Jahren.

 

Reiner Klinz

Reiner Klinz

Senior Manager

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