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  • Branche: Gesundheitswirtschaft
  • Typ: Aktuelles
  • Datum: 13.11.2013

Sind deutsche Manager zu dick? Interview mit Volker Penter und Jörg Schulze über Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb 

"Mehr als jede zweite deutsche Führungskraft ist übergewichtig, der Gesundheitszustand vieler Manager besorgniserregend" - das schreibt das Handelsblatt und bezieht sich dabei auf eine aktuelle Analyse des Diagnostikzentrums Fleetinsel Hamburg. Über die Gründe für das Problem und wie Betriebe helfen können: Volker Penter, Head of Health Care, und Jörg Schulze, Executive Health Care, im Interview.

 Warum sind gerade Manager von Übergewicht betroffen?

  

Volker Penter: Das Fazit des Handelsblatts ist missverständlich. Denn statistisch gesehen sind Manager sogar weniger übergewichtig als der deutsche Durchschnitt. Dennoch ist eine gesunde Lebensweise mit Sport und gesunder Ernährung insbesondere für Führungskräfte wichtig. Manager sind aufgrund ihrer Verantwortung und der damit verbundenen Arbeitsbelastung bis zu sechzig Stunden wöchentlich im Büro. Reisezeiten kommen noch dazu. Viel Zeit für Erholung bleibt häufig auch am Wochenende nicht – denn auch dann arbeiten viele Manager. Je nach persönlicher Veranlagung und Essgewohnheiten, kann das schnell zum Übergewicht führen.      

Haben Unternehmen Nachteile, wenn Mitarbeiter übergewichtig sind?


Jörg Schulze: Nicht jeder übergewichtige Mitarbeiter ist gleich ein Kostenfaktor. Er kann aber zu einem werden, wenn sich sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert. Jeder krankheitsbedingte Ausfall muss kompensiert werden. Das verringert auch die Produktivität des Unternehmens. Werden Führungskräfte krank, kann das teuer werden, wenn wichtige Kunden oder Aufträge an ihnen hängen. Das kann kein Unternehmen wollen.


Volker Penter: Ein Beispiel: Schafft es ein Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern die Arbeitsunfähigkeitstage um zwanzig Prozent zu senken, sind Einsparungen von 500.000 Euro und mehr pro Jahr (je nach Lohnniveau) möglich. Die Investition in betriebsgesundheitliche Maßnahmen (BGM) kostet nur einen Bruchteil dessen. Die positive finanzielle Auswirkung ist dabei allerdings nur einer von vielen positiven Aspekten.   

Welche BGM empfehlen Sie?

 

Jörg Schulze: Es lohnt sich in BGM zu investieren. Am wichtigsten ist dabei, dass das Angebot nicht mit erhobenem Zeigefinger durchgesetzt wird. Auch ein halbherziges „Hauptsache, wir machen da mal was“ ist ein Killer. Die Mitarbeiter müssen spüren, dass es ihrem Unternehmen ernst ist mit ihrer Gesundheit, sich aber nicht unter Druck gesetzt fühlen.

Volker Penter: Wir sind überzeugt: Der Erfolg der BGM hängt zu hundert Prozent von der Glaubwürdigkeit des Programms ab. Und glaubwürdig ist es nur dann, wenn Führungskräfte Vorbilder sind. Dabei ist wichtig, dass Hierarchien beim Sport nicht gelten, alle sich auf Augenhöhe begegnen und vielleicht sogar etwas Persönliches über den Praktikanten/die Praktikantin oder den Chef/die Chefin erfahren. Das schweißt zusammen. Unternehmen, die das verstehen, werden der demografischen Entwicklung und dem nahenden Fachkräftemangel trotzen – und auch langfristig erfolgreich sein.
   
Interview: Katja Heise, Redaktion

 

Prof. Dr. Volker Penter

Prof. Dr. Volker Penter

Partner, Head of Health Care

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