Deutschland

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  • Branche: Öffentlicher Sektor
  • Datum: 18.09.2012

Gesetzliche Krankenkassen: Veränderungsdruck bei Geschäftsprozessen 

Branchenexperten sind sich einig: "Kein anderer Versicherungszweig weist eine so starke Abhängigkeit von der Politik auf und unterliegt in so hohem Maße staatlichen Eingriffen wie die Krankenversicherung". Demnach ist nicht erst seit der Finanzkrise ein internationaler Trend zur staatlichen "Re-Regulierung" zu erkennen. Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt und steht kontinuierlich im Fokus der Politik.

Eine der zentralen Herausforderungen für die gesetzlichen Krankenkassen ist es, trotz der steigenden Frequenz externer Einflussnahme (beispielsweise neue Gesetzgebungen), die "operative Agilität" nicht zu verlieren. Nur Krankenkassen die auf Dauer einen optimalen Kundenservice und zugleich ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit gewährleisten, können nachhaltig die eigene Performance steigern.

 

Entwicklung organisatorischer Steuerungskonzepte
Das aktuelle Versorgungsstrukturgesetz verfolgt originär die wohnortnahe, bedarfsgerechte und flächendeckende medizinische Versorgung der Patienten. Neben dieser Hauptintention wurde aber zum Beispiel auch die Vorstandshaftung für die gesetzlichen Krankenkassen verschärft. Die durch das Versorgungsstrukturgesetz entstehenden Auswirkungen und die damit verbundenden Risiken sind für die einzelnen Unternehmensbereiche zu analysieren und entsprechende Maßnahmen zur Steuerbarkeit und Risikominimierung sind umzusetzen.

 

Verständigung auf operationale Zielbilder
Das kommende Patientenrechtegesetz führt zu einer Stärkung der Patientenrechte: "der Patient als selbstbewusster Beitragszahler und kritischer Verbraucher". Hiervon sind auch die Versichertenrechte in der gesetzlichen Krankenversicherung betroffen.  Zu Leistungsentscheidungen bleiben den Krankenkassen zukünftig nur noch drei Wochen Reaktionszeit, bevor sich Versicherte  die Leistung selbst beschaffen können und die Krankenkassen die entstandenen Kosten voll erstatten müssen. Die Transparenz von kundenbezogenen Geschäftsprozessen muss somit zeitnah in operationale Zielbilder der Sozialversicherungsträger überführt werden.

 

Weiterbildung der organisatorischen Reifegrade
Die elektronische Gesundheitskarte für den sicheren Austausch medizinischer Daten im Interesse der Patienten, stellt die Versicherten genauso in den Mittelpunkt, wie der aktuelle Referentenentwurf der eGovernment-Richtlinie des Bundesministeriums des Innern, mit dem Ziel Bürokratie zwischen der Öffentlichen Verwaltung und den Bürgern (Versicherten) abzubauen und Verwaltungsprozesse zu modernisieren. Die gesetzlichen Krankenkassen sind dadurch immer kurzfristiger gefordert, ihre eigenen Geschäftsprozesse im Hinblick auf die organisatorische Reife zu optimieren und kontinuierlich mit dem Wettbewerb zu vergleichen - unabhängige Reviews liefern hierbei einen ersten Ansatzpunkt.

 

Um am Markt bestehen zu können, müssen gesetzliche Krankenkassen am Puls der Zeit agieren und notwendigen Veränderungen einleiten - unabhängig von den Rahmenbedingungen in denen sie sich bewegen.