Schweiz

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  • Datum: 12.03.2014

Umsetzung der Minder-Initiative im Vordergrund 

Interviewpartner: Lukas Marty, Leiter Wirtschaftsprüfung und Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz

Was hat die Finanzberichterstattung im Geschäftsjahr 2013 geprägt?

Lukas Marty: Viele Gesellschaften haben 2013 von einem gegenüber den Vorjahren stabileren wirtschaftlichen Umfeld profitiert. Dazu gehören relativ stabile Wechselkurse bei den wichtigsten Währungen, eine leichte konjunkturelle Verbesserung der Weltwirtschaft, weiterhin tiefe Zinsen sowie steigende Aktienkurse. Entsprechend zeigen die meisten Jahresabschlüsse geringere Einmaleffekte als wir dies in den letzten Jahren gesehen hatten.

Welche Rechnungslegungsthemen haben Ihre Prüfer in dieser Berichtssaison besonders beschäftigt?

Lukas Marty: Ich sehe vor allem zwei Themen: Vorsorgeverpflichtungen und Goodwill.
Diejenigen Unternehmen, welche nach IFRS berichten, hatten Änderungen in den Regeln zur Verbuchung von Personalvorsorgeverpflichtungen umzusetzen. Bisher war es möglich, Schwankungen im IFRS-technischen Deckungsgrad der Vorsorgeverpflichtungen nicht sofort in der Bilanz zu verbuchen, sondern geglättet über mehrere Jahre. Das ist jetzt vorbei. Gewinne und Verluste aus der Vermögensanlage der Pensionskassen und als auch versicherungstechnische Veränderungen der Vorsorgeverpflichtungen sind in den IFRS-Bilanzen sofort zu erfassen. Verschiedene Unternehmen mussten deshalb in Ihren Bilanzen die Vorsorgeverpflichtungen erhöhen. Die neuen Regeln haben auch vielerorts die Erfolgsrechnung mit einem gestiegenen Vorsorgeaufwand belastet.

Beim Goodwill haben die Verbuchungsregeln nicht geändert. Beschäftigt hat uns mehr die Tatsache, dass sich in vielen Bilanzen grosse Goodwill-Beträge befinden, die aus Akquisitionen stammen, welche vor der Wirtschaftskrise zu sehr hohen Preisen vollzogen wurden. Während sich die Umsätze auch in der Industrie vielerorts erholt haben, liegen die Margen oft unter dem Niveau von 2008. Vor allem bei Unternehmen, welche mit einer rascheren Erholung der Profitabilität gerechnet hatten, musste entsprechend kritisch beurteilt werden, ob die in der Bilanz erfassten Goodwill-Beträge noch werthaltig sind. Dies geschieht mittels Discounted-Cash-Flow-Modellen. Sollten die Zinsen wider Erwarten bald steigen, dürfte dies bei verschiedenen Unternehmen zu Wertkorrekturen auf Goodwillpositionen führen.

Gibt es in der zunehmend komplexen und von detaillierten Regeln geprägten Rechnungslegung auch Themen, die einfacher geworden sind?

Lukas Marty: Wo wir heute weniger Zeit verbringen, ist mit der Verbuchung und Abbildung von Management- und Mitarbeiter-Beteiligungsplänen. Diese sind heute wieder vermehrt als einfache Aktienpläne ausgestaltet. Jene Optionspläne, welche so komplex ausgestaltet sind, dass sie auch das Management bzw. die Mitarbeitenden kaum verstehen, sind selten geworden.

Womit haben sich die Audit-Komitees in letzter Zeit schwerpunktmässig befasst?

Lukas Marty: Die Umsetzung der Minder-Initiative stand vielerorts im Vordergrund. Auch nach Erscheinen der vom Bundesrat erlassenen Vorordnung im November 2013 gab es für die Unternehmen wichtige Entscheide in Bezug auf die Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung zu treffen. Dies hat die Verwaltungsratsausschüsse stark belastet. Das ganze Vergütungsthema hat einen derart hohen Stellenwert bekommen, dass zu hoffen bleibt, dass sich die Verwaltungsräte bald wieder stärker den strategischen und wertgenerierenden Aufgaben sowie der eigentlichen Aufsicht widmen können.
 

Lukas Marty

Lukas Marty
Leiter Wirtschaftsprüfung und Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz