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  • Datum: 30.07.2013

Neuer Schwung für die EU- Regulierung der Abschlussprüfer 

Am 1. Juli 2013 hat Litauen die EU-Ratspräsidentschaft von der Republik Irland übernommen. Eines der erklärten Ziele der Litauischen Präsidentschaft sei laut Präsidentschaftsprogramm der Abschluss der Verhandlungen „über die Vorschläge zu Pflichtprüfungen von Jahresabschlüssen und konsolidierten Abschlüssen und bestimmte Anforderungen an die Pflichtprüfung von Unternehmen von öffentlichem Interesse“. Der Litauische Tatendrang liess nicht lange auf sich warten und so wurden die Kompromissvorschläge Litauens am 11. Juli 2013 im Ministerrat vorgestellt.

Litauens Vermittlungsversuch Nr. 1: Prüfung und Beratung weiterhin möglich
Auch Litauen folgt der Empfehlung des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments (JURI) und sieht keine Notwendigkeit für das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verbot der Erbringung von Beratungsleistungen durch Prüfungsgesellschaften bei ihren Prüfungskunden, das im Extremfall eine Zerteilung gewisser Gesellschaften zur Folge hätte.

 

Litauens Vermittlungsversuch Nr. 2: kürzere Mandatsdauer
Einen neuen Weg schlägt Litauen ein hinsichtlich der ebenfalls zur Diskussion stehenden Frage der Rotationspflicht der Prüfungsgesellschaften. Während die Europäische Kommission eine Höchstdauer des Prüfungsmandats von 6 Jahren vorschlug (9 bei einem „Joint Audit“), die in Ausnahmefällen auf für weitere 2 Jahre (bzw. 3 bei einem „Joint Audit“) verlängert werden könnte, erhöhte JURI die Höchstdauer auf 14 Jahre, bzw. 25 Jahre bei Vorliegen besonderer Umstände.

 

Litauen geht diesbezüglich differenzierter vor. Demnach soll die maximale Regellaufzeit des Mandats 10 Jahre nicht überschreiten dürfen. Diese Frist könne jedoch verlängert werden, wenn das Prüfungsmandat formell ausgeschrieben wird oder mindestens zwei Prüfungsgesellschaften mit dem Mandat beauftragt wurden.

 

Die mögliche Verlängerungsdauer soll unterschiedlich sein:

  • 3 Jahre, falls es sich bei den Unternehmen von öffentlichem Interesse um ein Kreditinstitut oder ein Versicherungsunternehmen handelt,
  • 6 Jahre, falls es sich bei den Unternehmen von öffentlichem Interesse um ein Kreditinstitut oder ein Versicherungsunternehmen handelt, das mind. zwei Abschlussprüfer beauftragt hatte (Joint Audit),
  • 6 Jahre für alle anderen Unternehmen von öffentlichem Interesse, die eine der beiden oben genannten Voraussetzungen erfüllen.

 

Die maximale Beauftragungsdauer soll nur möglich sein, wenn sie auf Empfehlung vom Audit Committee oder einem anderen Überwachungsorgan von der Generalversammlung genehmigt wird.

 

Wie geht es weiter?
Das Ziel des Litauischen Vorstosses ist eine Einigung in dieser Sache zwischen allen 28 Mitgliedern der EU und somit eine einheitliche Meinung des Europäischen Rats in den sog. Trilog-Verhandlungen des Europäischen Rats mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission. Die finale Regulierung soll nach wie vor Ende dieses Jahres verabschiedet werden.

 

UK und USA: klares „no!“ zum verpflichtenden Prüferwechsel
Nachdem erst vor wenigen Tagen in den USA das Repräsentantenhaus eine obligatorische Rotation des Abschlussprüfers blockiert hat, entschied sich nun auch die britische Wettbewerbskommission gegen eine solch einschneidende Massnahme. In ihrem am Montag, den 22. Juli 2013 veröffentlichten Entscheidungsentwurf sieht sie jedoch vor, dass die 350 grössten börsennotierten Gesellschaften Großbritanniens verpflichtet werden, ihren Prüfungsauftrag mindestens alle fünf Jahre neu auszuschreiben. Diese Verpflichtung solle unter besonderen Umständen um zwei Jahre aufgeschoben werden können.

 

Das Ziel dieser Massnahmen sei laut Laura Carstensen, Vorsitzende der sog. Audit Market Investigation Group, u.a. die Stärkung der Einflussnahme und der Verantwortung der Audit Committees. Die Betroffenen haben bis zum 13. August 2013 Zeit, um sich zu den Vorschlägen der Kommission zu äussern. Das finale Regelwerk wird spätestens für Oktober 2013 erwartet.