Schweiz

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  • Datum: 09.10.2013

EU- Regulierung der Abschlussprüfer geht in die Endrunde 

Am 4. Oktober 2013 hat der Europäische Rat der 28 EU-Länder entschieden, die sog. Trilog-Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission aufzunehmen. Damit wurde der Weg zu einem Abschluss der EU-Reform der Abschlussprüfung noch in dieser Legislaturperiode, die im April 2014 endet, geebnet. Es muss mit einer obligatorischen Rotation der Prüfungsgesellschaft und bedeutenden Restriktionen bezüglich zusätzlicher Dienstleistungen des Abschlussprüfers gerechnet werden.

Der unter der EU-Ratspräsidentschaft von Litauen ausgehandelte Kompromissvorschlag, der nun in die Trilog-Verhandlungen gegeben wird, nimmt zu den folgenden 3 Eckpfeilern der EU-Reform Stellung:
 

Obligatorische Rotation der Prüfungsgesellschaft

Grundsätzlich soll die Prüfungsgesellschaft alle 10 Jahre ausgewechselt werden. Diese Frist kann aber unter gewissen Bedingungen wie folgt verlängert werden:

 

  • auf 15 Jahre, falls es sich bei den Unternehmen von öffentlichem Interesse um ein Kreditinstitut oder ein Versicherungsunternehmen handelt, das einen definierten Prozess bezüglich der Ausschreibung des Prüfungsmandats verfolgt
  • auf 20 Jahre, falls es sich bei den Unternehmen von öffentlichem Interesse um ein Kreditinstitut oder ein Versicherungsunternehmen handelt, das mind. zwei Abschlussprüfer beauftragt hat (Joint Audit),
  • auf 20 Jahre für alle anderen Unternehmen von öffentlichem Interesse, die eine der beiden oben genannten Voraussetzungen erfüllen.

 

Beschränkung von Zusatzdienstleistungen des Abschlussprüfers

Steuer- und Beratungsdienstleistungen sollen drastisch eingeschränkt und auf maximal 70% des Revisions­honorars limitiert werden. Zudem soll auch eine bestimmte Zeit vor Annahme und nach Abgabe des Prüfungs­mandats auf solche Dienstleistungen verzichtet werden. Damit würde die EU wesentlich über die international geltenden, vom International Ethics Standards Board (IESBA) herausgegebenen Unabhängigkeitsrichtlinien hinausgehen.

 

Neuordnung der Revisionsaufsicht

Die europäische Revisionsaufsicht soll von einem neu zu schaffenden „Committee of European Audit Oversight Bodies“ (CEAOB) wahrge­nommen werden, das einen Zusammenschluss der nationalen Aufsichtsbehörden darstellt.

 

Der Ausgang ist in den Grundzügen absehbar, das Ausmass der Regulierung aber noch offen

Die oben erwähnten Kompromissvorschläge weichen zum Teil beträchtlich von den ursprünglichen wie auch den aktuellen Vorschlä­gen der EU-Kommission sowie der aktuellen Meinung des EU-Parlaments ab. Entspre­chend offen ist der Ausgang der bevorstehenden Trilog-Verhandlungen. Die Rotation der Prüfungsgesellschaft und die (weitere) Beschränkung von Zusatzdienstleistungen per se dürften aber kaum mehr abzuwenden sein – es geht nur noch um die Frage wie restriktiv diese Regulierung ausfallen soll. Dies obwohl der empirische Nachweis, dass die Qualität der Prüfungsdienst­leistungen dadurch ge­steigert werden kann, bislang nicht erbracht wurde. Aus Sicht der Wirtschaft wären Lösungen wünschenswert, die dem Audit Committee die vornehmliche Aufgabe der Ausgestaltung der Beziehung zur Revisionsstelle zuweisen, statt allzu restriktiv in ein grundsätzlich gut funktionierendes System einzugreifen.