Schweiz

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  • Typ: Press release
  • Datum: 02.04.2014

Steuerstandort Schweiz steht weiter unter Druck 

In den OECD- und EU-Staaten sowie auch in den Schweizer Kantonen hat der Trend zu sinkenden Spitzensteuersätzen für Unternehmen deutlich abgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich im Bereich der natürlichen Personen erneut ein leichter Anstieg feststellen. Dies zeigt der aktuelle «Swiss Tax Report 2014» von KPMG, der die Gewinn- und Einkommenssteuersätze in 130 Ländern und allen 26 Schweizer Kantonen vergleicht.

Gemäss dem «Swiss Tax Report 2014» von KPMG wurde der Abwärtstrend bei den maximalen Gewinnsteuersätzen für Unternehmen deutlich abgebremst: Während der maximale durchschnittliche Gewinnsteuersatz für Unternehmen in der Schweiz über die letzten 9 Jahre um 4.07% gesunken ist, so sieht man heute im Vergleich zum Vorjahr lediglich eine Senkung von 0.09%.  Im Bereich der Spitzensteuersätze für natürliche Personen lässt sich im Vergleich zum Vorjahr wieder ein leichter Anstieg des Durchschnittswerts der Schweizer Kantone um 0.09% feststellen.

Unternehmensbesteuerung: Zentralschweizer Kantone führen Rangliste nach wie vor an

Im nationalen Vergleich der Gewinnsteuersätze in den Kantonshauptorten steht der Kanton Luzern – trotz einer leichten Erhöhung des Gewinnsteuersatzes von 0.12% – mit einem maximalen effektiven Vorsteuersatz von 12.32% wie bereits im Vorjahr an der Spitze, dicht gefolgt von Appenzell-Ausserrhoden, Nidwalden und Obwalden mit 12.66%. Neben Luzern hat auch Glarus den Gewinnsteuersatz auf kantonaler Ebene um 0.13% leicht erhöht. Zug hingegen konnte den ordentlichen Gewinnsteuersatz im Vergleich zum Vorjahr nochmals von 14.88% auf 14.60% senken. Die grössten Senkungen weisen die Kantone Neuenburg mit 1.31% und Waadt mit 0.69% auf. Die Westschweiz, das Mittelland und die Stadtkantone liegen bei den ordentlichen Gewinnsteuersätzen wie bereits im Vorjahr deutlich hinter den Zentral- und Ostschweizer Kantonen zurück. Der höchste Steuersatz für Unternehmen wird auch in diesem Jahr in den Kantonshauptorten Genf und Lausanne erhoben.

 

Im europäischen Vergleich können die Zentral- und Ostschweizer Kantone auch weiterhin mithalten. Einzig die Kanalinseln und einige (süd-) osteuropäische Staaten wenden tiefere Gewinnsteuersätze an. Die grösste Konkurrenz bei der Besteuerung von Unternehmen in Europa stellt jedoch nach wie vor Irland dar. Mit dem ordentlichen Gewinnsteuersatz in Irland von 12.50% kann lediglich der Kanton Luzern mithalten. International befinden sich auch die starken Finanzplätze Hongkong und Singapur mit 16.50% und 17.00% unter dem schweizerischen Durchschnitt. Bei diesem Vergleich ist allerdings zu beachten, dass sich der internationale Wettbewerb nicht nur auf Ebene der ordentlichen Steuersätze abspielt, sondern dass auch steuerliche Sonderregimes eine gewichtige Rolle spielen.

 

Die jüngsten politischen Entwicklungen auf Ebene EU, OECD und G20 haben den Druck auf die Schweiz deutlich erhöht. Die Schweiz ist deshalb gezwungen, im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III (USR III) eine innen- wie aussenpolitisch akzeptierte Lösung zu finden, die die steuerliche Attraktivität der Schweiz weiterhin sicherstellt. Dabei muss die USR III vor allem auch für Handelsgesellschaften eine Lösung bieten, was insbesondere im Kanton Genf eine Herausforderung darstellt, der vergleichsweise hohe ordentliche Steuersätze kennt. Wichtig ist zudem, dass die Lösung möglichst rasch erarbeitet wird, damit schweizerische wie internationale Unternehmen wieder über die nötige Rechts- und Planungssicherheit verfügen.

Individualbesteuerung: Erneut leichter Anstieg bei den Steuersätzen für Spitzeneinkommen

Obwohl weiterhin grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen existieren, stieg der Durchschnitt der kantonalen Steuersätze für hohe Einkommen wie schon im Vorjahr leicht an. Wie bei der Unternehmensbesteuerung liegen auch bei der Besteuerung der natürlichen Personen die Kantone der Zentralschweiz auf den vorderen Rängen: An erster Stelle bei der Besteuerung der Kantonshauptorte liegt weiterhin der Kanton Zug mit 22.86%, gefolgt von den Kantonen Schwyz (23.73%), Obwalden (24.12%), Nidwalden (25.55%) und Uri (25.63%).

 

Im europäischen Vergleich liegen die Schweizer Kantone bei den Einkommenssteuersätzen lediglich hinter den osteuropäischen Staaten wie beispielsweise Bulgarien (10%), Litauen (15%), Ungarn (16%) oder den Kanalinseln Guernsey und Isle of Man (20%) zurück. Ein Blick über den Kontinent hinaus enthüllt nichts Überraschendes: Die karibischen Offshore-Domizile und einige arabische Staaten liegen aufgrund ihrer Nullbesteuerung an der Spitze der Einkommensbesteuerung. Dahinter folgen asiatische Nationen wie Hongkong (15%), Singapur (20%) oder Malaysia (26%). Die Schweiz befindet sich mit einem durchschnittlichen maximalen Einkommenssteuersatz von 33,86% im Mittelfeld.

Swiss Tax Report 2014

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Vergleich der Gewinn- und Einkommenssteuersätze in allen 26 Schweizer Kantonen auf einer interaktiven Schweizer Karte.

Information zur Studie

Der «Swiss Tax Report» wird von KPMG Schweiz jährlich herausgegeben. In der aktuellen Studie wurden 130 Länder und alle 26 Schweizer Kantone berücksichtigt. Verglichen werden die maximalen effektiven Gewinnsteuersätze für Unternehmen (Bund, Kanton, Gemeinde) sowie die maximalen Einkommenssteuersätze für natürliche Personen (Bund, Kanton, Gemeinde; ledig, keine Kinder, keine Konfession) für das Jahr 2014 im jeweiligen Landes- oder Kantonshauptort.

 

Simone Glarner

Simone Glarner

Head of Media Relations

+41 58 249 55 71

KPMG's Swiss Tax Report 2014

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Der aktuelle «Swiss Tax Report 2014» von KPMG vergleicht die Gewinn- und Einkommenssteuersätze in 130 Ländern und allen 26 Schweizer Kantonen.

 Interview Peter Uebelhart


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