Wie eine Studie von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG) aufzeigt, haben jedoch umliegende europäische Staaten, die USA und vor allem auch asiatische Länder mit gezielten steuerlichen Fördermassnahmen für F&E die Attraktivität ihrer Standorte deutlich erhöhen können. Nicht zuletzt deshalb verlagern Schweizer Unternehmen ihre F&E-Aktivitäten zunehmend ins Ausland. Bereits 2008 betrugen die F&E-Aktivitäten von Schweizer Unternehmen im Ausland CHF 15,8 Milliarden, jene in der Schweiz aber nur CHF 12 Milliarden. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt.
Bestätigt wird dieser Befund durch eine Umfrage von KPMG und der Swiss-American Chamber of Commerce bei kotierten Unternehmen und grossen Unternehmen in Privatbesitz. Darin geben rund 60% der befragten Unternehmen an, ihre F&E-Tätigkeit in der Schweiz in den nächsten 5-10 Jahren zu reduzieren.
Angesichts des äusserst starken Schweizer Frankens, der grassierenden Staatsverschuldungen und der labilen aktuellen Wirtschaftsentwicklung erachtet KPMG Steuererleichterungen für private F&E-Aufwendungen als ein notwendiges und sehr wirksames Instrument, um die Innovationskraft des F&E-Standortes Schweiz aus eigener Kraft zu stärken. Der Vorteil von steuerlichen Massnahmen gegenüber staatlichen Subventionen liegt darin, dass erstere ordnungspolitisch sauber sind, keine Industriepolitik darstellen und insbesondere den KMU zugute kommen. Dies stärkt den Werkplatz Schweiz nachhaltig und sichert hiesige Arbeitsplätze.
KPMG schlägt unter Berücksichtigung des internationalen Umfelds und der Studie der HSG folgende Ausgestaltung eines Modells zur Förderung von F&E in der Schweiz vor:
Das vorgeschlagene System brächte die Schweiz im internationalen Ranking in Bezug auf F&E-Förderung zwar immer noch nicht in die Spitzenposition, würde ihre Rangierung aber erheblich verbessern. Vor allem aber könnten die Abwanderung von innovativen Unternehmen mit hohem Wachstums- und Beschäftigungspotential gebremst und der Zuzug solcher Firmen gefördert werden.
Durch eine steuerliche Förderung von F&E-Aktivitäten sinken die Kosten markant, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz verbessern würde.
(Darstellung der HSG, basieren auf Daten der OECD. Der sog. «B-Index» fasst alle wichtigen steuerlichen Aspekte der Kapitalnutzungskosten zusammen. Er misst, wieviel eine Einheit an F&E ein Unternehmen effektiv kostet. Dieser Wert entspricht 1, wovon die effektiven Subventionsraten des entsprechenden Landes abgezogen werden.)
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Prof. Dr. Christian Keuschnigg
Professor für Öffentliche Finanzen, Direktor Forschungsgemeinschaft für Nationalökonomie, Universität St.Gallen (HSG)
Martin Naville
CEO, Swiss-American Chamber of Commerce
Andreas Müller
Partner International Corporate Tax, KPMG