Im Jahr 2011 trugen vor allem kleinere Transaktionen aufgrund von Konsolidierungen und Nachfolgeregelungen zu einem positiven Trend im M&A-Markt bei. In der zweiten Jahreshälfte kam es jedoch kaum zu grösseren Aktivitäten mit höheren Finanzierungskosten und einer grösseren Risikobereitschaft.

Die Anzahl Fusionen und Übernahmen sind im vergangenen Jahr merklich gestiegen, wobei das Gesamtvolumen leicht gesunken ist. Trotz allem verzeichnete das letzte Jahr eine grössere Häufung an substanziellen Transaktionen.
Im Vorjahr hatte sich der grösste Deal auf ein Volumen von USD 4,2 Mrd. belaufen – mit Ausnahme des Novartis-Alcon-Deals über USD 28 Mrd. 2011 wurden zwei sehr grosse Transaktionen abgewickelt, beide im Pharmasektor: Einerseits die Übernahme von Synthes durch Johnson & Johnson für USD 21,3 Mrd., andererseits der Kauf von Nycomed durch Takeda Pharmaceuticals für USD 13,7 Mrd. Beide Aktivitäten wurden in der ersten Jahreshälfte 2011 abgewickelt.

Die europäischen Märkte waren 2011 von heftigen Turbulenzen geprägt. Wegen der Unsicherheit und der weiter anhaltenden Volatilität der Märkte mussten sich die Unternehmen laufend neu orientieren. Zudem hat die politische und finanzpolitische Eurokrise weiter dazu geführt, dass die M&A-Märkte verunsichert und damit gebremst wurden. Die Suche nach Wachstum fand oftmals ausserhalb der gesättigten Märkte in Europa statt. Sie ermöglichte verstärkte Aktivitäten von Unternehmen aus den BRIC-Ländern und der Gruppe der nachfolgenden 11 wichtigsten Wachstumsmärkte, der sog. «Next 11».
Der starke Schweizer Franken erschwerte exportorientierten Branchen wie der Industrie das Wirtschaften stark. Trotzdem wurden die M&A-Aktivitäten in der Schweiz dadurch nicht massgeblich beeinträchtigt: Die Zahlen zeigen, dass sich die Akquisitionstätigkeiten auf dem höchsten Niveau seit einigen Jahren bewegten. Die Intervention der Schweizerischen Nationalbank mit der Einführung der Wechselkurs-Untergrenze gegenüber dem Euro führte zudem zu einer Beruhigung der Situation. Damit wurden im vergangenen Jahr positive Effekte sowohl für die Schweizer Wirtschaft als auch bei den M&A-Aktivitäten erzielt.
M&A-Transaktionen wurden im letzten Jahr vor allem in Märkten mit hohem Wachstum verzeichnet, wie zum Beispiel China, Indien oder Brasilien – ohne sich aber auf diese zu beschränken. Zudem werden die «Next 11», zu denen die Türkei, Südafrika, Indonesien und Südkorea gehören, in Zukunft eine tragende Rolle spielen. Ihre Attraktivität als Destinationen für Transaktionen von Schweizer Unternehmen nimmt laufend zu. Die bedeutende Akquisition von Nestlé am chinesischen Süsswarenhersteller Hsu Fu Chi und Takeda‘s Übernahme von Nycomed sind weitreichende Geschäfte, welche diesen Trend unterstreichen. Die Übernahme von Nycomed stellt in der japanischen Unternehmensgeschichte sogar das grösste Inbound-Geschäft in Europa dar.
Branchen, die in ihren Ländern in Europa unter gesättigten Märkten leiden, werden auch in Zukunft grosses Interesse an Märkten mit hohem Wachstum haben, da dies für viele eine Überlebenschance darstellt.
Ein Blick auf einzelne Branchen zeigt überall dynamische, zumeist zunehmende M&A-Aktivitäten:
- Im Healthcare- & Life-Sciences-Sektor fand ein fundamentaler Wechsel statt. In die zwei grössten M&A-Geschäfte 2011 waren Schweizer Pharmaunternehmen involviert. Auslaufende Patente und sinkende Renditen machten sich bei den Anbietern im Gesundheitswesen negativ bemerkbar. Deshalb werden die Unternehmen vermehrt unter Druck geraten und den Weg über M&A-Aktivitäten wählen, um Wachstum zu generieren.
- Die vielen Outbound-Aktivitäten zeigen, dass die Kraft der Schweizer Chemieunternehmen nach wie vor stark ist. Dabei setzen die Unternehmen einen besonderen strategischen Fokus auf die Expansion und den Aufbau von Kapazitäten in den grossen Schwellenländern. Auch 2012 werden die Outbound-Aktivitäten der Chemiebranche die Märkte dominieren.
- Im Finanzdienstleistungssektor ist vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2011 viel Bewegung in die M&A-Aktivitäten gekommen. Das Transaktionsvolumen 2011 war das höchste seit 2007, obwohl die durchschnittlichen Werte der Transaktionen im Vorjahresvergleich kleiner wurden. Auf Grund des schwierigen regulatorischen Umfelds sowie der herausfordernden Rahmenbedingungen hat die schon längere erwartete Konsolidierungswelle an Dynamik gewonnen. Im Finanzdienstleistungssektor und auch in der Versicherungsbranche wird sich 2012 einiges bewegen.
- Exportorientierte Industriemärkte erlebten 2011 viele Veränderungen durch starke M&A-Tätigkeiten, wobei das vierte Quartal weniger Aktivitäten verzeichnete. Wegen der unsicheren Märkte werden die Unternehmen auch 2012 eher vorsichtig bleiben. Die besseren Preise werden jedoch gute Bedingungen für weitere M&A-Geschäfte schaffen. Vor allem asiatische Unternehmen werden weiter in die begehrten Schweizer Technologien investieren.
- Die M&A-Tätigkeiten im Konsumgütermarkt waren auch 2011 stabil, leicht höher als 2009, jedoch tiefer als 2010. Wiederum fand dabei die grösste Akquisition im Lebensmittelbereich statt, welcher auch im kommenden Jahr strategisch ein vielversprechendes Wachstumspotenzial verzeichnet. Im Luxusgüterbereich waren schweizerische und ausländische Käufer gleichermassen aktiv. Durch den Ausbau der Outbound-Geschäfte ist es dem Schweizer Fachhandel in diesem Jahr gelungen, weltweit Fuss zu fassen.
- Trotz schwierigen Marktbedingungen haben die Aktivitäten in der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsbranche weiter zugenommen. Wachsendes Interesse verzeichnen vor allem Technologie-Unternehmen mit E-Commerce- und Software-Produkten. Medienunternehmen waren 2011 vor allem damit beschäftigt, ihr Angebot anzupassen und zu konsolidieren. Telekom-Unternehmen investierten dagegen in neue Kapazitäten und ergänzende Dienstleistungen.
- Der Immobiliensektor konnte von den volatilen Aktienmärkten profitieren und hat in diesem Jahr rund 7‘000 Wohnungen mehr als durchschnittlich in den vorangegangenen zehn Jahren verzeichnet. Trotzdem ist eine regionale Überhitzung des Hypothekarmarktes nicht auszuschliessen. Die Behörden werden weitere neue Regulierungen einführen, was eine Abschwächung des M&A-Geschäfts bedeuten könnte.
- Nicht zu unterschätzen sind weitere Branchen wie die Energieindustrie – in erster Linie erneuerbare Energien – und die Rohstoffindustrie. Sie dürften auch 2012 bedeutende M&A-Aktivitäten verzeichnen, da seit Fukushima die Bedeutung der erneuerbaren Energien massiv zugenommen hat. Zudem werden Investitionen im Bereich der Offshore-Windparks erwartet.
- Die Private-Equity-Industrie hat vor allem im ersten Halbjahr 2011 starke M&A-Geschäfte verzeichnet, während im zweiten Halbjahr Schwierigkeiten bei der Fremdfinanzierung durch die Banken bremsend wirkten. Der starke Schweizer Franken und die immer noch unter Druck stehenden Banken werden Auswirkungen auf die Geschäfte der Private-Equity-Industrie bis weit ins Jahr 2012 haben.

Die angespannte globale Wirtschaftslage und der Margendruck in verschiedenen Branchen dürften 2012 zu einem verstärkten Abschluss von M&A-Geschäften führen. So rechnet KPMG mit einer weiteren Konsolidierung im Private Banking, wo die internationalen und nationalen regulatorischen Entwicklungen zu weiteren Margenverengungen führen werden.
Nach einer Phase der Neuorientierung und Desinvestitionen haben sich die Bilanzen der Unternehmen wieder erholt. Schweizer Unternehmen in diversen Branchen weisen eine tiefe Fremdfinanzierung und eine hohe Liquidität auf, was sie befähigt, weiterhin grosse Transaktionen im In- und Ausland zu tätigen. Auch in Branchen wie der Chemie und der Technologie wird es zu weiteren Transaktionen kommen. Allerdings dürften hier die Mittel auf mehrere kleinere, strategische Akquisitionen verteilt werden.
Insgesamt wird im weiteren Jahresverlauf mit festen Preisen und Multiplikatoren gerechnet. Diese Einschätzung wird massgeblich durch die weiteren Entwicklungen in der Eurozone sowie in den anderen europäischen und nordamerikanischen Volkswirtschaften geprägt, aber auch durch den Auftrieb in den erwähnten Wachstumsmärkten.
Viele Firmen werden auf bessere wirtschaftliche Bedingungen warten, ehe sie Fusionen und Übernahmen lancieren. Gleichwohl dürften sie in den kommenden Monaten zunehmend dazu übergehen, aktiv attraktive Ziele zu verfolgen. KPMG beurteilt die Ausgangslage für die M&A-Aktivitäten 2012 deshalb durchaus positiv.
***
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
KPMG AG
Andreas Hammer
Head of Public Relations & Public Affairs
Telephone: +41 44 249 48 20
Mobile: +41 79 335 75 06
E-mail: kpmgmedia@kpmg.ch