Letztes Jahr entgingen Schweizer Unternehmen 365 Millionen Franken durch betrügerische Aktivitäten ihrer Mitarbeiter – 1 Mio. US-Dollar sind es im europäischen Durchschnitt pro Fall. In einer breit angelegten Studie hat KPMG in über 69 Ländern 348 Fälle von Wirtschaftsbetrug untersucht. Dabei konnte aufgrund der umfangreichen Daten ein Durchschnittsprofil von Wirtschaftsbetrügern angefertigt werden. Neben diesen Täterangaben wurde zudem ermittelt, wo die meisten Betrugsfälle stattfinden, was die Motive dazu sind und wie Betrugsfälle frühzeitig erkannt werden können.
Aufgrund der gesammelten Daten konnte ein spezifisches Profil eines Wirtschaftsbetrügers angefertigt werden. Ein durchschnittlicher Täter besitzt folgende Merkmale:
- Er ist männlich,
- 36 bis 45 Jahre alt,
- in einer Finanz-Funktion oder im finanznahen Bereich tätig,
- befindet sich im Senior-Management,
- arbeitet seit mehr als 10 Jahren für die gleiche Firma,
- und operiert gemeinsam mit anderen Tätern.
Die meisten Betrugsdelikte werden nach wie vor von Männern begangen, ihr Anteil (87%) ist jedoch im internationalen Vergleich nicht überall gleich hoch. Vor allem in Amerika (22%) und Asien (23%) ist der Frauenanteil in den Kriminalstatistiken markant höher als in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMA), wo er nur 8% beträgt. Dies hängt unter anderem mit dem tiefen Frauenanteil in Management-Postionen im europäischen Raum zusammen.
Betrüger in Amerika kollaborieren in 66% der Fälle mit anderen Personen, während dies in der EMA-Region nur 59% der Täter tun. Auch die Schweizer Betrüger arbeiten öfter gemeinsam, wie Anne van Heerden, Head of Risk & Compliance von KPMG Schweiz bestätigt: «Ein typischer Betrüger versucht beispielsweise, Geld von inaktiven Konten zu transferieren. Dieses Vorgehen bedingt oftmals die Zusammenarbeit mit externen Parteien oder internen Verbündeten.»

Die Motive für eine kriminelle Tat im Unternehmen sind zwar unterschiedlich, weisen aber zumeist gemeinsame Muster auf: Oftmals stehen die Täter unter finanziellem Druck aufgrund eines exzessiven Lebensstils, sie fühlen sich – gemessen an der getragenen Verantwortung – unterbezahlt oder sie betrügen, um hochgesteckte finanzielle Ziele zu erreichen. Daneben begünstigen weitere Faktoren Wirtschaftsdelinquenz: interne Kontrollen weisen Schwächen auf, dem Täter wird genügend Vertrauen entgegengebracht und er ist mit genügend Handlungsspielraum ausgestattet. Darüber hinaus ist der Eindruck von fehlender Wertschätzung (finanziell oder symbolisch) ebenfalls ein wichtiges Element.
Auffallend ist auch, dass der Täteranteil in der obersten Führungsebene (GL- und VR-Mitglieder) und im mittleren Management sowie unter Angestellten ohne Führungsverantwortung gegenüber der letzten Untersuchung von 2007 deutlich zugenommen hat. Einzig innerhalb des oberen Kaders («Senior Management») ist es zu einem deutlichen Rückgang der Betrugsfälle gekommen. «Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in den letzten Jahren gerade auf Ebene des Senior Managements vielerorts Programme zur Bekämpfung von Betrug eingeführt wurden. Dennoch ereignen sich auf dieser Ebene nach wie vor die meisten Betrugsfälle», meint Anne van Heerden.

Je länger ein Mitarbeiter in einem Unternehmen verweilt, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Wirtschaftsbetrug. Auch diesen Schluss legt die Studie nahe: 33% aller Betrugsdelikte werden von Angestellten begangen, die seit mehr als 10 Jahren im Unternehmen arbeiten. Dies kann mit dem steigenden Vertrauen, nachlässigeren Kontrollen, aber auch mit der Zuname des Handlungsspielraums dieser Mitarbeiter erklärt werden. Ihr Anteil ist gegenüber dem Ergebnis der letzten Untersuchung (22%) deutlich gestiegen.
Es gibt diverse Warnsignale, die auf einen möglichen Betrug hindeuten. In 56% der Fälle sind solche Hinweise vor einem Betrugsfall vorhanden. Diese ziehen allerdings, wenn sie denn erkannt werden, keine Folgen nach sich. Gegenüber der letzten Untersuchung (45%) ist diese Zahl stark gestiegen. Mögliche Warnsignale sind:
- Verweigerung von Ferien
- auffällige Verhaltensänderungen (dominierendes, absolutes Verhalten)
- aussergewöhnliche Grosszügigkeit
- spezielles Interesse für spezifische Unternehmensabläufe
- Spielsucht / exzessiver Lebensstil
- fehlende oder unvollständige Dokumente

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