Schweiz

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  • Typ: Press release
  • Datum: 15.01.2014

Schweizer M&A-Markt: Aktives 2014 erwartet 

Auf den ersten Blick schien das Schweizer M&A-Jahr 2013 nicht besonders aktiv. Die Anzahl sowie das Volumen von Fusionen und Übernahmen gingen im Vergleich zu 2012 klar zurück: Gemäss «M&A Yearbook 2014» von KPMG Schweiz wurden insgesamt 315 Transaktionen (-10,5%) mit einem Gesamtvolumen von USD 33 Milliarden (-71%) verzeichnet. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass das Jahr 2013 bei vielen Unternehmen auch im Zeichen der Reorganisation und der Planung stand. KPMG erwartet für 2014 daher wieder ein aktiveres M&A-Jahr, in welchem komplexe und sorgfältig vorbereitete Transaktionen zum Abschluss kommen. Besonders bei Industrie-, Chemie- und Pharmaunternehmen sowie Finanzdienstleistern wird von steigender Aktivität ausgegangen.

Die grösste Transaktion im vergangenen Jahr war der Verkauf des Kreditbestands der belgischen Royal Park Investments an die Credit Suisse Group AG und die amerikanische Private-Equity-Firma Lone Star. Diese Transaktion ist in ihrer Struktur und mit einer Grösse von knapp USD 3 Milliarden nicht mit den Megadeals aus den Vorjahren vergleichbar (Glencore/Xstrata 2012, Johnson & Johnson/Synthes 2011 und Novartis/Alcon 2010). Zur anhaltenden Unsicherheit der Märkte in der Eurozone und in den USA gesellten sich Sorgen über eine Verlangsamung des Wachstums in China und ein hartnäckig starker Schweizer Franken. Investoren verhielten sich in der Folge zurückhaltend, Grosstransaktionen blieben im Schweizer M&A-Markt aus.

 

Anzahl Transaktionen und Transaktionswert pro Jahr

 

Vorbereitung auf künftige Aktivitäten

 

Eine genauere Betrachtung des vermeintlich wenig aktiven M&A-Marktes lohnt sich umso mehr. Umfangreiche Fokussierungs- und Restrukturierungsbemühungen und eine detaillierte Planung für künftige Expansionen standen weit oben auf der Traktandenliste zahlreicher Unternehmen. Die eigenen Portfolios wurden neu bewertet und nicht zum Kerngeschäft zählende oder wenig profitable Geschäftsbereiche für den Verkauf identifiziert. Besonders intensiv waren diese Aktivitäten innerhalb von Industrie-, Chemie- und Pharmaunternehmen sowie bei Finanzdienstleistern. 2013 kann demnach als ein Jahr der Vorbereitung betrachtet werden. Zwar hielten viele Firmen weiterhin Ausschau nach Wachstumsgelegenheiten, doch Übernahmen blieben meist beschränkt auf Ziele, die zu den Kernkompetenzen passten, das Hauptgeschäft stärkten oder das eigene Unternehmen im Hinblick auf Expansionspläne positionierten. Nennenswert in diesem Zusammenhang sind mehrere Veräusserungen durch Clariant sowie der grossvolumige Verkauf des Bereichs Bluttransfusionsdiagnosen durch Novartis an den spanischen Blutproduktehersteller Grifols (mit USD 1,7 Milliarden die grösste Transaktion im vierten Quartal 2013).

Top 10 Schweizer M&A-Transaktionen im 2013

 

Datum Übernahmeziel

Anteil in %

Übernahmeziel Land Käufer Käufer Land

Volumen

(USD Mio.)

Apr 2013

Royal Park Investments NV/SA (debt portfolio)

100

 Belgien

Credit Suisse Group AG; Lone Star Fund VIII (U.S.), L.P.

Schweiz

 2,998

Jun 2013 SGS SA

15

 Schweiz Serena Sarl (Groupe Bruxelles Lambert SA) Belgien

 2,608

Apr 2013 Terminal Investment Limited SA

35

 Niederlande Global Infrastructure Partners USA

 1,929

Nov 2013 Novartis AG (Blood transfusion diagnostics unit)

100

 Schweiz Grifols SA Spanien

 1,675

Mär 2013 AmerisourceBergen Corp

8

 USA Walgreen, Alliance Boots Schweiz

1,167

Apr 2013 Power-One Inc

100

 USA ABB Ltd Schweiz

1,112

Okt 2013 Clermont Mine

50

 Australien Glencore Xstrata plc; Sumitomo Corporation Schweiz

1,015

Okt 2013 MMX Porto Sudeste Ltda.

65

 Brasilien Trafigura Beheer B.V. Schweiz

 1,000

Jan 2013 Harry Winston Inc

100

 USA Swatch Group SA Schweiz

 1,000

Jul 2013 Schmolz + Bickenbach AG

60

 Schweiz Renova Group of Companies Russland

 934

 

Veränderter Fokus im Rohstoffhandel

 

Während Rohstoffhandelsunternehmen 2012 noch mit zahlreichen Grosstransaktionen auf sich aufmerksam machten, scheint die Phase der Megadeals vorerst vorbei. Die namhafteste Transaktion war die Beteiligung von Glencore Xstrata und Sumitomo an der Clermont-Kohlemine für USD 1,02 Milliarden. Die Marktteilnehmer verwendeten 2013 mehr Zeit dafür, ihre M&A-Strategien anzupassen und die Handelsmargen wieder auszubauen. Der Fokus vieler Unternehmen lag im Bereich vertikaler Integration, welche die Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen ebenso erfordert wie Logistikanlagen und -infrastruktur. In dieser Hinsicht bleibt die Branche weiterhin eine bedeutende für Übernahmeaktivitäten im Ausland, und gerade aufgrund der Grösse der Marktteilnehmer sind einzelne grössere Transaktionen und Beteiligungskäufe nach wie vor denkbar. Wichtig ist aber die Feststellung, dass Megadeals auch strukturell eingeschränkt sind, da in der Schweiz nur eine beschränkte Anzahl Unternehmen mit der nötigen Finanzkraft und Grösse ansässig ist.

 

Konsolidierung im Bankensektor

 

Die immer wieder angesprochene Konsolidierung im Privatbankensektor wurde 2013 zur Gewissheit: Die Anzahl Institute mit Schweizer Banklizenz sank von 171 (2009) um 18% auf 141 (2013). Während sich die grossen Akteure im Rahmen ihrer globalen Strategien weiterhin im Expansionsmodus befinden und auch mittelgrosse Privatbanken ihre Position durch Grösse zu stärken versuchen, sehen sich kleine Institute vor immense Herausforderungen gestellt. Die schwierigen Marktbedingungen, die Auswirkungen des US-Steuerprogramms und die zunehmend komplexen regulatorischen Anforderungen stellen für die Geschäftsmodelle dieser kleineren Akteure zum Teil unüberwindbare Hürden dar. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass weitere Privatbanken vom Markt verschwinden werden. Die Konsolidierung wird auch 2014 erheblich voranschreiten.

 

Konsumgüter: Langsamer wachsende Märkte

 

Der Schweizer Uhrenkonzern Swatch sorgte 2013 mit dem Erwerb von 100% der Aktien des amerikanischen Juwelen- und Uhrenhändlers Harry Winston für die grösste Übernahme im Konsumgüterbereich. Die Aussichten für Schweizer Anbieter von Luxusgütern und Feinmechanik sind aufgrund des verlangsamten Nachfragewachstums in bedeutenden Märkten wie China etwas unsicher. Viele Akteure dürften daher auch 2014 damit fortfahren, ihren Geschäftsbetrieb genau zu analysieren, ihre Strategien auf die neue Realität abzustimmen und zu prüfen, wo in Zukunft Konsumwachstum zu erwarten ist. Die anhaltende Bedeutung der Emerging Markets darf weiterhin nicht unterschätzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Schweizer Qualitätsprodukten und -dienstleistungen auch künftig hoch bleiben wird. Schweizer Unternehmen werden ausserdem bemüht sein, noch näher an ihre Kunden zu kommen, und Interesse daran zeigen, im global grossen Stil Akquisitionen vorzunehmen. Eine erste Hürde dabei wird jedoch die sehr beschränkte Zahl an verfügbaren Übernahmezielen sein.

 

Transaktionen pro Sektor 2013

Bessere Finanzierungsbedingungen

 

Weltweit zeigen verschiedene Sektoren wieder mehr Appetit auf M&A-Aktivitäten und Börsengänge, so etwa die Technologiebranche in den USA. Im Vergleich zur Schweiz wurden 2013 auf globaler Ebene denn auch mehrere Megadeals registriert, insbesondere im Telekommunikationssektor. Aber auch hierzulande ist und bleibt M&A ein unverzichtbares Strategiewerkzeug für grosse Unternehmen. Pläne für Fusionen und Übernahmen werden dadurch unterstützt, dass es zunehmend wieder einfacher wird, die nötige Finanzierung zu sichern. Banken zeigen sich wieder aufgeschlossener und stellen finanzielle Mittel für zukunftsträchtige Transaktionen zur Verfügung. Des Weiteren gab es 2013 erfolgreiche Finanzierungsrunden bei einigen der grössten Schweizer Private-Equity-Häuser, was von den Investoren positiv wahrgenommen wurde. Im Zuge des weiteren Anstiegs der Aktienmärkte – in vielen Fällen auf Rekordstand – nehmen auch die Bewertungsmultiplen für Transaktionen zu.

 

Wachstum erwartet für 2014

 

In Anbetracht dieser Entwicklungen ist davon auszugehen, dass 2014 wieder ein aktiveres M&A-Jahr wird. Die Portfolioüberprüfungen sind in den meisten Schweizer Unternehmen mittlerweile weit fortgeschritten, und die durch die Optimierung freigewordenen Reserven könnten in den kommenden zwölf Monaten durchaus für Transaktionen eingesetzt werden. Auch zahlreiche Schweizer Private-Equity-Häuser verfügen noch über Kapital, das sie für Investitionen nutzen könnten. Finanzierungen würden ausserdem noch leichter verfügbar, wenn sich die Märkte weltweit stabilisierten und sich die Unsicherheitsfaktoren reduzierten.

 

«In der Schweiz wird die Zeit für Megatransaktionen wieder kommen», zeigt sich Patrik Kerler, Leiter M&A von KPMG Schweiz, überzeugt. «Das vierte Quartal 2013 wies mit einer Verdoppelung des Transaktionsvolumens von USD 9,7 Milliarden gegenüber dem Vorquartal bereits in diese Richtung.» Ein Gefahrenherd liegt allerdings in den gestiegenen Bewertungen, die zu Korrekturen an den Aktienmärkten führen und dadurch die allgemeine M&A-Aktivität und die Stimmung negativ beeinflussen könnten. «Sofern dies nicht eintritt, steht einer zumindest moderaten Zunahme des M&A-Volumens aber nichts im Weg», so Kerler.
 

Simone Glarner

Simone Glarner

Head of Media Relations

+41 58 249 55 71

M&A Yearbook

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Das «M&A Yearbook» liefert einen Überblick über die Fusionen und Übernahmen in der Schweiz im vergangenen Jahr sowie einen Ausblick auf das kommende Jahr.

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