Schweiz

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  • Service: Advisory
  • Typ: Press release
  • Datum: 15.01.2013

USA als Treiber in starkem Schweizer M&A Geschäft 

Die Anzahl und ganz besonders das Volumen der Fusionen und Übernahmen mit Schweizer Beteiligung haben im 2012 gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Das zeigt das «M&A Yearbook 2013» von KPMG. Über das Jahr hinweg wurden 352 Transaktionen (+11%) mit einem Gesamtvolumen von USD 116 Mrd. (+56%) verzeichnet. Zahlreiche Unternehmen haben sich auf Nordamerika konzentriert. Neben den Rohstoffhandelsunternehmen hat sich auch die schweizerische Industrie als besonders aktiv erwiesen. Für das laufende Jahr rechnet KPMG aufgrund externer Faktoren mit einem weiteren leichten Anstieg.

Globale Trends wie das deutlich zunehmende Vertrauen in die Erholung der US-Wirtschaft, die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in China und im asiatisch-pazifischen Raum und nicht zuletzt die turbulenten Geschehnisse in der Eurozone haben sich stark auf die M&A-Aktivitäten in der Schweiz ausgewirkt. Und dies deutlich stärker als in anderen Ländern, in welchen die M&A-Märkte noch schwächer sind. Die hiesige Wirtschaft verzeichnet nach wie vor stabile Wachstumsraten und mehr Unternehmen als letztes Jahr haben die Chance genutzt, um sich mit M&A strategisch noch besser zu positionieren.

 


Das rekordhohe Transaktionsvolumen mit der im ersten Quartal (USD 59.6 Mrd. bei 94 Deals) angekündigten Übernahme von Xstrata durch Glencore für USD 40.2 Mrd. wurde trotz eines starken 4. Quartals 2012 nicht nochmals erreicht: Die 85 Transaktionen im letzten Quartal beliefen sich auf ein Volumen von USD 14.9 Mrd. Über das gesamte Jahr hinweg resultiert, verglichen mit den Vorjahren, dennoch ein deutliches Plus, insbesondere in Bezug auf das Volumen, aber auch in Bezug auf die Anzahl Transaktionen.

 

Number and value of deals per year

Number and value of deals per year

Rohstoffhandelsunternehmen im Rampenlicht

Die Grossakquisition von Xstrata durch Glencore hat international hohe Wellen geworfen. Die für USD 40.2 Mrd. abzuwickelnde Transaktion hat gezeigt, dass Grösse in dieser Branche zunehmend entscheidend ist. Glencore hat daneben zahlreiche weitere nennenswerte Transaktionen getätigt: Im März hat das Unternehmen die kanadische Vieterra für USD 6 Mrd. übernommen und im September seine Beteiligung am kasachischen Minenunternehmen Kazzinc um 19% auf insgesamt 70% ausgeweitet. Auch das Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor konnte eine hohe Anzahl von Transaktionen abschliessen. Dazu zählen der jüngst abgewickelte Kauf der Ölraffinerie von Petroplus im deutschen Ingolstadt und einer weiteren Raffinerie in Antwerpen zu Beginn dieses Jahres.

Top 10 Swiss M&A transactions 2012

Top 10 Swiss M&A transactions 2012

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Attraktive Schnittstelle Gesundheit-Pharma

Hohe Aktivitäten wurden auch im Konsumgütermarkt, an der Schnittstelle zur Pharmabranche verzeichnet. Besonders aufgefallen ist die Übernahme des amerikanischen Babynahrungs-Produzenten Pfizer Nutrition durch Nestlé, welche das insbesondere in Schwellenländern gut verankerte Unternehmen für USD 11.8 Mrd. kaufte. Auch die Ausweitung der Unternehmensanteile der in der Schweiz ansässigen Pharmaunternehmen Alliance Boots GmbH auf 45% durch die amerikanische Wallgreen Company kann dieser Branche zugerechnet werden.

 

USA statt Europa

Vor allem im Industriesektor und Rohstoffhandelsbereich haben sich wegen der unsicheren Wirtschaftslage in der Eurozone viele Unternehmen vermehrt auf Übersee konzentriert und ihre Präsenz insbesondere in Nordamerika, aber wie bereits in den Vorjahren auch in Asien verstärkt. Besonders attraktiv erscheinen hier die Wachstumsbereiche Energie und Infrastrukturen in den USA. So übernahm Tyco Flow Control für USD 5.2 Mrd. die Anteilsmehrheit am amerikanischen Konzern Pentair – ein auf Pump-, Filter- und Steuerungssysteme von Wasser spezialisiertes Unternehmen. In diesem Zusammenhang ist auch ABB zu erwähnen: Der Energie- und Automationstechnikanbieter erwarb für USD 3.9 Mrd. den ebenfalls in den USA domizilierten Elektronikkonzern Thomas & Betts Corp. Auch die genannte Übernahme von Vieterra entspricht
diesem Muster.

Number of deals per industry sector 2012

Number of deal per industry

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Zurückhaltender Finanzsektor

Der Finanzsektor verzeichnet ein vergleichsweise ruhiges M&A-Jahr. Die grössten Finanzkonzerne sind aufgrund der laufenden strategischen Neuausrichtungen noch nicht mit grossen Transaktionen hervorgetreten. Aufgefallen sind die Deals von Julius Bär, insbesondere deren Übernahme des nicht-amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America Merrill Lynch. Ebenfalls nennenswert sind die angekündigten Akquisitionen des in der Schweiz ansässigen Versicherungskonzerns ACE, welcher für USD 1.3 Mrd. seine Präsenz in Mexiko und Indonesien verstärken will.

 

Ausblick: Ereignisreiches 2013

Auf der Suche nach Wachstum und Profitabilität wird 2013 für die Schweizer Unternehmenslandschaft ein Jahr der Orientierung nach aussen, in dem sich Umstrukturierungen häufen und die Globalisierung beschleunigen werden. Die Finanzindustrie und die Stromindustrie befinden sich weiterhin in einem fundamentalen Umbruch und werden durch M&A neue Strukturen bilden. KPMG geht gesamthaft davon aus, dass die M&A-Tätigkeit in der Schweiz 2013 nochmals leicht zunehmen wird. Dass dabei die Rekordvolumen (durch Glencore / Xstrata ausgelöst) nochmals übertroffen werden, ist allerdings unwahrscheinlich. Auch das Vertrauen in eine weiterhin positive Entwicklung der schweizerischen Wirtschaft und eine mögliche Erholung der Eurozone werden sich zunehmend positiv auf den Schweizer M&A-Markt auswirken.

 

  • Die Universalbanken werden nach einer Periode der Refokussierung und aufgrund ihrer neuen Strategien wieder vermehrt bereit sein, Zu- und Verkäufe von Unternehmen und Unternehmensteilen zu tätigen. Auch die Akquisition von Kundenportfolios im Bereich Wealth Management wird zunehmen. Versicherungsunternehmen werden vermehrt auf die Wachstumsmärkte fokussieren. Unabhängige Vermögensverwalter dürften vermehrt zu Übernahmezielen werden, da der Markt aufgrund diverser Regulierungen reif ist für eine Konsolidierung.

 

  • Es ist davon auszugehen, dass die im Grossraum Genf und in der Zentralschweiz angesiedelten Rohstoffhandelsunternehmen auch 2013 weiter an Gewicht zunehmen werden. Die Tendenz zur Zentralisierung und Diversifikation ihrer Tägigkeitsfelder entlang ihrer Wertschöpfungskette wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Der zunehmende politische Druck auf das attraktive Schweizer Steuersystem, welches die Zuwanderung zahlreicher internationaler Rohstoffkonzerne begünstigt hat, und mögliche Änderungen dieses könnten sich jedoch bald auf die Struktur dieses Industriezweiges auswirken und in den nächsten drei Jahren Einfluss auf das M&A-Volumen der Schweiz haben.

 

  • Pharmaunternehmen werden weiterhin aktiv im Markt agieren. Preisdruck, regulatorische Neuerungen und auslaufende Patente zwingen die Branche zum Wachstum in neuen Segmenten. Anbieter von Generika stellen auch 2013 attraktive Akquisitionsziele dar.
 

Andreas Hammer

Andreas Hammer

Director, Head of Corporate Communications

+41 58 249 55 71

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