Schweiz

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  • Typ: Press release
  • Datum: 15.07.2013

Verhaltenes erstes Halbjahr im M&A-Markt 

Schweizer Unternehmen waren im ersten Halbjahr 2013 an insgesamt 145 Deals im In- und Ausland beteiligt, was einem Rückgang von 14.7% gegenüber der Vorjahresperiode entspricht. Eine derart geringe Anzahl Fusionen und Übernahmen wurde letztmals im zweiten Halbjahr 2010 erreicht. Das Transaktionsvolumen befindet sich mit USD 14.9 Mrd. sogar auf dem tiefsten Niveau seit dem zweiten Halbjahr 2009.
Das erste Halbjahr war besonders durch zwei Tendenzen geprägt: Schweizer Unternehmen waren einerseits weiterhin auf Einkaufstour in Nordamerika, andererseits tätigten sie im Immobilienmarkt vergleichsweise viele Transaktionen. Dieser war im Gegensatz zu den Vorjahren zwar nicht besonders aktiv. Im generell schwächeren Marktumfeld machten Immobilientransaktionen aber einen bedeutenderen Anteil aus. Die meisten Fusionen und Übernahmen wurden in den Sektoren Industrie (21%) und Financial Services (14%) verzeichnet.

Keine Grosstransaktionen

Für den grössten Deal im Q2 2013 war Serena S.à.r.l. besorgt, eine Tochtergesellschaft der Belgischen Gruppe Bruxelles Lambert SA. Sie beteiligt sich neu mit einem Anteil von 15% am Schweizer Unternehmens SGS, das Weltmarktführer in den Bereichen Inspektion, Verifizierung, Test und Zertifizierung von Waren ist. Serena hat den 15%-Anteil für USD 2.6 Mrd. von Exor übernommen, der Beteiligungsgesellschaft der Agnelli-Familie. Wie bereits im Q1 2013 blieb aber auch im Q2 ein mehrstelliger Milliarden-Deal aus.

Akquisitionen und Beteiligungen an US-Unternehmen

Seit mittlerweile mehr als einem Jahr lässt sich eine erhöhte Aktivität im M&A-Markt zwischen Schweizer und nordamerikanischen Unternehmen beobachten. Mit der Übernahme des Juwelenherstellers Harry Winston Inc. durch die Swatch Group im Q1 2013 und dem Kauf des Energieunternehmens Power-One Inc. durch ABB im Q2 waren auch im ersten Halbjahr 2013 zwei der grössten Transaktionen Übernahmen amerikanischer Unternehmen durch Schweizer Käufer. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass sich die amerikanische Wirtschaft – im Vergleich zu europäischen, teils auch asiatischen Volkswirtschaften  – wieder im konjunkturellen Aufschwung befindet. In den USA wird wieder mehr konsumiert, und die Arbeitslosigkeit sinkt. Dies macht Investitionen in den amerikanischen Markt besonders attraktiv.

Bedeutende Immobilientransaktionen mit Schweizer Beteiligung

Die steigende Bedeutung von Immobilientransaktionen mit Schweizer Beteiligung am gesamten M&A-Volumen erklärt sich in erster Linie mit den tieferen Volumina in den übrigen Sektoren. Sie hat nicht mit zunehmenden Volumina oder einer steigenden Anzahl an Immobilientransaktionen zu tun.

Damit trotzt die Schweiz der insgesamt leicht rückläufigen Entwicklung in Europa und bewegt sich entlang der globalen Tendenz mit ihrem – aufgrund der erhöhten Investitionstätigkeit von China und den USA – steigenden Transaktionsvolumen für den Immobilienmarkt. Die grösste hiesige Transaktion war im ersten Halbjahr 2013 die Übernahme der Tertianum Gruppe, dem führenden Schweizer Anbieter im Bereich «Leben und Wohnen im Alter», durch Swiss Prime Site (SPS) für USD 530 Mio. Als primäre Gründe für die Transaktion wurden Wachstumsbestrebungen von SPS und Diversifikationsaspekte genannt.

Auf Platz zwei der grössten Immobilientransaktionen rangiert der Verkauf des Frankfurter «Skyper»-Hochhauses durch UBS an die Allianz Gruppe für USD 394 Mio. Der Zuger Private Equity Investor Corestate hat jeweils ein gemischtes Immobilienportfolio in Deutschland für USD 373 Mio. gekauft bzw. für USD 328 Mio. veräussert.

Mögliche Erholung im vierten Quartal

Die rückläufige Anzahl Fusionen und Übernahmen sowie das tiefe Transaktionsvolumen sorgten für ein insgesamt verhaltenes erstes Halbjahr 2013. Der Markt ist geprägt von Nervosität und Unsicherheit. Dies bestätigt auch ein Blick auf die Börse, mit deren Entwicklung die M&A-Aktivitäten korrelieren: Während der SMI im Q1 2013 noch stabil war und im Q2 gar ein Mehrjahreshoch erreichte, fiel er Ende Mai wieder stark zurück. Entsprechend unsicher verhielt sich auch der M&A-Markt: Investoren waren zurückhaltend, analysierten genauer und brauchten länger für Verhandlungen bevor sie eine Investition tätigten.


Positivere Aussichten verspricht der amerikanische Markt, der sich im Aufschwung befindet. Ein Faktor, welcher die M&A-Aktivität wiederum bremsen könnte, ist die Unsicherheit in Bezug auf die amerikanische Geldpolitik. Die internationalen Märkte müssten sich ohne das Eingreifen der Notenbanken selber stabilisieren können – mit möglicherweise negativen Konsequenzen für die Konjunktur. Ob danach der Übernahmeappetit wieder steigen würde, müsste sich erst noch zeigen.

KPMG erwartet im dritten Quartal insgesamt keine Zunahme der M&A-Aktivitäten gegenüber den vergangenen zwei Quartalen. Spannend werden könnte hingegen das Q4 2013, denn je nach Verlauf der Konjunktur sind gegen Ende Jahr einige interessante Abschlüsse möglich.

M&A Report von KPMG

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Unser Quartals-Report zeigt die Aktivitäten im Schweizer M&A-Markt auf.
 

Simone Glarner

Simone Glarner

Head of Media Relations

+41 58 249 55 71

M&A Group

Wir kombinieren langjährige, globale und nationale Erfahrung in M&A Lead Advice, Due Diligence, Bewertung, M&A Tax und Legal M&A mit spezifischen Branchenkenntnissen in zahlreichen Industrien.
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