Schweiz

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  • Typ: Press release
  • Datum: 05.11.2013

Innovation als zentraler Erfolgsfaktor der Privatbanken 

Die diesjährige Privatbanken-Studie von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG) zeigt, dass Schweizer Privatbanken durch Innovation auch in Zukunft weiterhin erfolgreich sein können. Entscheidend zum Erfolg beitragen werden neben der effektiven Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen vor allem innovative Strategien und die Anpassung der Geschäftsmodelle. Konkrete Anhaltspunkte hierzu sind effektivere Segmentierungsansätze, eine offene Produktarchitektur, transparente Preisstrukturen und zeitgemässe Distributions- und Kommunikationskanäle.
Kaum eine Branche hat in den letzten Jahren so viele Veränderungen erfahren wie jene der Privatbanken. Die Zeiten waren geprägt von Unsicherheit, Volatilität, schwindenden Margen und zunehmender Komplexität des Kerngeschäfts. Nun sind die Privatbanken mehr denn je gefordert, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Die jüngste Privatbanken-Studie von KPMG und dem Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität St.Gallen, «Success through innovation – achieving sustainability and client-centricity in Swiss Private Banking», analysiert die grossen, teils existenziellen Herausforderungen der Schweizer Privatbanken und wagt einen Ausblick, wie die Privatbankenbranche 2022 aussehen wird.

Tiefe Profitabilität durch Innovation kompensieren

Die Schweizer Privatbanken werden bis 2022 vor allem durch zwei Entwicklungen getrieben: Einerseits müssen Privatbanken die tiefe Profitabilität mittels Konsolidierungen und damit einhergehenden Skaleneffekten, durch internationale Expansionen sowie durch Investitionen in Technologie kompensieren. Andererseits werden die Privatbanken vermehrt technologisch getriebene Kooperationen in der Finanzindustrie suchen, die neuartige Positionierungs-möglichkeiten im Markt eröffnen werden.

 

Um die kritische Grösse zu erreichen, müssen viele Privatbanken substanziell wachsen. Rund zwei Drittel der befragten Bankenvertreter sind der Meinung, dass eine durchschnittliche Verdoppelung des verwalteten Vermögens erforderlich sein wird, um in der Zukunft bestehen zu können – einerseits, weil Kundenbedürfnisse komplexer und vielseitiger werden und hohe Investitionen bedingen, und andererseits, weil steigende regulatorische Anforderungen grössere Wettbewerber bevorteilen. Die Studie zeigt die Handlungsfelder auf, in denen sich Privatbanken betätigen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.


  1. Kleine, fokussierte Privatbanken, welche historisch von einer sehr klaren Kundenfokussierung und Markenreputation profitierten, sollten zwar weiterhin ihre Beratungsexzellenz pflegen, müssen jedoch vermehrt auf ihre Kostenstruktur achten. Vernetzung, Partnerschaften und eine verstärkte Nutzung von Technologie können helfen, geringere Skaleneffekte im Vergleich zu grösseren Wettbewerbern zu kompensieren.

  2. Grosse diversifizierte Privatbanken dagegen besitzen einen zunehmend wichtiger werdenden Kostenvorteil. Diesen sollten sie weiter ausspielen. Sie müssen jedoch zugleich Massnahmen ergreifen, um ihren Kundenfokus zu wahren und auszubauen. Allianzen und Akquisitionspotenziale sollten demnach insbesondere dazu genutzt werden, ein Markenportfolio zu entwickeln und Kundensegmente gezielter anzusprechen.

 

Der duale Auftrag, die Kosten zu senken und gleichzeitig das Kerngeschäft zu erneuern, wird für die Privatbanken eine grosse Herausforderung bleiben. Um die aufgrund des wandelnden Umfelds nötige und bevorstehende Transformation möglichst erfolgreich zu meistern, müssen die Banken ihre strategische Vision dahingehend überprüfen, ob sie einer Desintegration der branchentypischen Wertschöpfungskette und einer Branchenkonsolidierung standhält.

 

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13 Anforderungen an die Privatbank 2022

Die Privatbanken-Studie beleuchtet jene Aspekte, die für ein erfolgreiches Privatbankengeschäft in den nächsten zehn Jahren entscheidend sein werden und zeigt den damit verbundenden Handlungsbedarf auf. Die 13 wichtigsten Erkenntnisse:


  1. Innovation als Bedingung: Nach mehreren Jahren ungenügender Rentabilität sehen sich die Privatbanken einer fundamentalen Konsolidierung ausgesetzt. Vor allem die rapide Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und das Aufbrechen der Wertschöpfungskette spielen für das profitable Wirtschaften eine wichtige Rolle. Privatbanken können sich dabei entweder stärker auf die Beratungskompetenz oder die Produktkompetenz konzentrieren oder aber sich als Technologieführer und Lösungsanbieter positionieren. Die meisten Institute sehen eine Verlagerung ihres Geschäftsmodells in Richtung Beratungskompetenz, wobei aber oft eine Kombination aus Beratung und Technologieführerschaft angestrebt wird. Es gibt nur vergleichsweise wenige Unternehmen, die sich auf die Produktkompetenz konzentrieren wollen.

  2. Fokus auf Wachstumsmärkte und Rechtskonformität: Der Markt im Private Banking wird sich bis 2022 stark verändern. Trotz stärkerer Kontrollen durch ausländische Aufsichtsbehörden und des zunehmenden politischen Drucks bleiben die meisten Befragten positiv gestimmt und sprechen dem Finanzplatz Schweiz weiterhin eine führende Rolle im internationalen Private Banking zu. Die steigende Komplexität und die hohen Kosten, insbesondere durch eine Präsenz vor Ort, werden den Standortentscheid auch in Zukunft stark beeinflussen. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, geeignetes Personal zu finden, welches mit den jeweiligen ausländischen Vorschriften vertraut ist und so die Rechtskonformität sicherstellen kann. Zukunftsmärkte sehen die Befragten insbesondere in den BRICS-Staaten, dem Mittleren Osten sowie in Singapur und Hongkong. Die Mehrheit der Banken wird sich in den nächsten zehn Jahren vermehrt auf Kunden mit Vermögenswerten zwischen CHF 1-5 Millionen fokussieren.

  3. Ausbau der Schweizer Kundschaft: Die Analyse des Onshore-Marktes zeigt, dass bis 2022 rund 60% der Befragten den Anteil an Schweizer Kunden ausbauen wollen.
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  4. Automatischer Informationsaustausch kommt: Im internationalen Kontext konnte das Schweizer Bankgeheimnis nicht weiter bestehen. Die Privatbanken erachten es jedoch als wichtig, die Privatsphäre im Inland weiterhin zu schützen, ohne eine Plattform für unversteuerte Gelder zu bieten. Die Umfrage zeigt, dass die Schweizer Privatbanken davon ausgehen, dass der automatische Informationsaustausch in drei Jahren in Kraft sein wird.

  5. Kunde muss im Zentrum stehen: Die Privatbanken sind der Ansicht, dass eine höhere Transparenz und eine weit entwickelte, umfassende Kundenbetreuung ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft sind. Besondere Aufmerksamkeit muss der Erhebung von Kundendaten zukommen. Diese bedingt eine systematische Vorgehensweise und ist Voraussetzung für eine effektive Kundensegmentierung. Die Mehrheit der befragten Banken plant in naher Zukunft die Erarbeitung von massgeschneiderten Angeboten, um die Kunden auf dem gesamten Lebensweg umfassend begleiten und beraten zu können. Umfassende und detaillierte Daten über die Kunden sind notwendig, um eine dynamische Segmentierung nach Bedürfnissen und Verhaltensweisen zu erreichen.

  6. Wachstum durch Kooperation mit unabhängigen Vermögensverwaltern (UVV): Zwei Drittel der befragten Privatbanken sehen UVV als strategische Option, um in ihrem Geschäftsgebiet weiter zu wachsen. Einerseits versprechen sich die Institute dadurch, neue Kunden zu erreichen, andererseits Skaleneffekte zu erzielen. Um entstehende Compliance-Risiken zu reduzieren, müssen bei existierenden wie auch neuen UVV jedoch rigorose «Due-Diligence»-Aktivitäten durchgeführt werden. Die UVV ihrerseits müssen sicherstellen, dass die jeweilige Bank zum Endkunden passt und so eine langfristige Beziehung aufgebaut werden kann.

  7. Offene Produktarchitektur: Die Privatbanken werden ihre hausinternen Produkte und Dienstleistungen künftig vermehrt in einer offenen Architektur offerieren respektive weiteren Anbietern zur Verfügung stellen. 84% der befragten Banken möchten ihre unabhängige Beratung und ihre Dienstleistungen bis 2022 verbessern. In Zuge dessen werden sich bestimmte Institute innerhalb der Wertschöpfungskette auf die bereits angesprochene Produktkompetenz spezialisieren. Denn Innovation ist auch in diesem Bereich von zentraler Bedeutung, um mit den Veränderungen des Kundenverhaltens und dem demografischen Wandel Schritt halten zu können.

  8. Zunehmende digitale Kommunikation: Auch der Vertrieb der Produkte durch elektronische und mobile Kanäle wird sich merklich verändern. Viele Kunden, insbesondere jüngere Generationen, sind daran interessiert, vermehrt digitale Kanäle zu nutzen. Die Befragten gehen davon aus, dass 2022 die mobile und internetbasierte Lösung ein Differenzierungsmerkmal unter den einzelnen Banken mehr sein wird. Es ist deshalb unabdingbar, sich den digitalen Kundenbedürfnissen anzunehmen und das Dienstleistungsportfolio zeitnah anzupassen.
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  9. Pauschalgebühren und kostenpflichtige Beratungskonzepte: Künftige Preismodelle werden aktuell intensiv diskutiert. Dabei sind die Banken der Auffassung, dass die Preismodelle sehr offen und transparent ausgestaltet werden müssen. Dafür sprechen auch die Entwicklungen in Bezug auf die Rückerstattung der Retrozessionen. Ein möglicher Trend zur Preisgestaltung könnten sogenannte «Flat fees» darstellen. Neben dieser Pauschalgebühr werden auch aufwandsabhängige Beratungsgebühren vermehrt in Erwägung gezogen. Noch vor Jahren wäre ein solcher Schritt als unrealistisch beurteilt worden. Die Banken gehen allerdings davon aus, dass ihre Modelle von den Kunden dank einer klaren Kommunikation der Preisstruktur zunehmend verstanden und akzeptiert werden.
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  10.  Wachstum dank neuem Geschäftsmodell und Mindestgrösse verwalteter Vermögen: Die Privatbanken sind sich einig, dass reine Kostensenkungen nur kurzfristigen Erfolg bringen. Vielmehr müssen sich die Institute darauf konzentrieren, ihre künftigen Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Die Kundenberater werden neben den Kosten vermehrt auch die schrittweise Weiterentwicklung der Bank in neue, tragfähige Marktpositionen im Auge behalten müssen. Die Befragten stimmen dahingehend überein, dass dazu auch eine gewisse Grösse der Bank notwendig ist. Die Privatbank der Zukunft sollte gemäss Umfrage entsprechend eine Mindestgrösse von rund 10 Mrd. CHF an «Assets under Management» aufweisen.

  11.  Prüfung möglicher Auslagerung: Ein grosses Kostensenkungspotenzial sehen die Privatbanken in der Auslagerung gewisser Aktivitäten wie beispielsweise der IT-Prozesse, der Kapitalmarktforschung, der Produktentwicklung oder rechtlicher Angelegenheiten.

  12.  Einbussen bei den Gehältern: Gemäss Umfrage geht die Mehrheit der Privatbanken davon aus, dass es in den nächsten Jahren bei den Kompensationen für Mitarbeitende eine Verschiebung nach unten geben wird mit Einbussen von 15 bis 25%. Lediglich 15% der Befragten glauben, dass die Entschädigungen der Mitarbeitenden 2022 höher oder unverändert ausfallen werden als heute.

  13.  Neue Regulierung als Herausforderung und Wettbewerbsvorteil: Grenzüberschreitende und regulatorische Anforderungen wie beispielsweise Basel III oder das derzeit diskutierte Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) stellen erhebliche Herausforderungen bei der Implementierung neuer Strategien dar. Einzelne Befragte erachten die neuen Regelungen als schädlich oder gar existenzbedrohend für kleinere Banken. Die neuen Regulierungen könnten jedoch in der Abgrenzung zu den ausländisch beherrschten Banken zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Die Befragten sind sich deshalb einig, dass die Anzahl der Compliance-Mitarbeitenden und anderer Kontrollorgane stark bis sehr stark ansteigen muss. Die höheren Kosten sind dabei durch standardisierte Prozesse und Kontrollen im Griff zu halten. 85% der Befragten sind entsprechend auch der Meinung, dass 2022 die Compliance-Programme in ihrer Bank vollautomatisiert sein werden.

 

Die Herausforderungen des Bankenplatzes Schweiz sind bekannt. Besonders kleine und mittlere Banken werden sich im Zuge der laufenden Konsolidierung behaupten müssen. Nichtsdestotrotz: Die Schweiz wird auch in Zukunft ein attraktiver Finanzplatz für Privatbanken bleiben, nicht zuletzt dank der einzigartigen Stabilität, Professionalität und Dienstleistungsqualität. Daran muss aber weiterhin täglich gearbeitet werden, da sind sich die Privatbanken einig. Es gilt, die Marke «Swiss Private Banking» weiter zu stärken, um den Erwartungen der internationalen Kundschaft gerecht zu werden. Denn diese ist auch künftig bereit, für «Swissness» eine Prämie zu bezahlen. Die Unterstützung durch die Aufsichtsbehörden und die Politik wird ebenfalls verstärkt nötig sein, damit das Attribut «Swissness» auch in einem Jahrzehnt noch ein Verkaufsargument für die Privatbanken in der Schweiz sein wird.

Methodik

Die Studie « Success through innovation – achieving sustainability and client-centricity in Swiss Private Banking » wurde in Zusammenarbeit von KPMG und dem Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen (HSG) erstellt. Sie basiert auf einer Kombination von Interviews und einer online Befragung und umfasst 39 Banken. Zusätzlich wurden zehn UVV befragt. In die Studie nicht mit einbezogen wurden die beiden Schweizer Grossbanken.

 

Simone Glarner

Simone Glarner

Head of Media Relations

+41 58 249 55 71

Private Banking Studie 2013: Erfolg durch Innovation

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Welche innovativen Strategien brauchen Schweizer Privatbanken um auch in Zukunft erfolgreich zu sein?

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