Die meisten Fälle von Wirtschaftskriminalität wurden vor Gerichten im Kanton Zürich behandelt. Die Anzahl der Fälle der Region stieg im letzten Jahr gegenüber 2011 von 23 auf 30 (+30,4%). Die Finanzmetropole belegt im Regionen-Vergleich auch bezüglich des Gesamtschadens (CHF 178,7 Mio.) den ersten Platz. Die zweithöchste Gesamtschadenssumme (CHF 132,5 Mio.) wurde 2012 in der Zentralschweiz registriert, während die Ostschweiz trotz einer hohen Anzahl Fälle die zweitniedrigste Schadenssumme aufweist.
Während die Genferseergion im Vorjahr das höchste durchschnittliche Schadensvolumen verzeichnete, ist dieses Jahr die Zentralschweiz in dieser Kategorie führend. In den vier aus der Zentralschweiz berichteten Fällen entstand ein durchschnittlicher Schaden von CHF 33,1 Mio. Aus derselben Region wird denn auch der höchste verurteilte Schadensfall berichtet. Dabei ging es um Betrug und Geldwäscherei mit einem Gesamtschaden von CHF 72,2 Mio. Das Obergericht verurteilte den Hauptangeklagten angesichts des schwerwiegenden Verschuldens zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen.
Nachdem 2011 vor den Gerichten noch fünf Angestellte mit Kaderfunktion wegen Wirtschaftsstraftaten verurteilet wurden, stieg ihre Anzahl 2012 auf insgesamt 24. Damit wurde auch das Niveau von 2010 (15 Fälle) nochmals übertroffen. Die Schadenssumme der in 2012 abgeschlossenen Fälle belief sich gesamthaft auf CHF 273,0 Mio., was gegenüber dem Vorjahr mit CHF 8,9 Mio. ebenfalls eine deutlichen Steigerung ist. Die Anzahl der für Wirtschaftsdelikte verurteilten Angestellten ohne Kaderfunktion sank demgegenüber 2012 deutlich um 45%.
Ebenfalls gestiegen ist die Anzahl der Fälle in der Täterkategorie der gewerbsmässigen Betrüger. Diese verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr von sechs auf zwölf. Sie verursachten damit den landesweit zweithöchsten Gesamtschaden von CHF 155,0 Mio. Was die Schadenshöhe betrifft, führen sie hingegen mit einem durchschnittlichen Schadenswert von CHF 17,2 Mio. die Statistik an. Verglichen mit dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von 31% und übertrifft auch den Durchschnitt der Tätergruppe Management (CHF 11,3 Mio.).
Wie schon im vergangen Jahr, war auch dieses Jahr die Kategorie der Investoren die von Wirtschaftskriminalität am meisten betroffene Opfergruppe. In 22 % aller erfassten abgeschlossenen Gerichtsfälle waren sie als Geschädigte vertreten und mussten eine durchschnittliche Schadenssumme von CHF 22,3 Mio. verkraften. Als zweithäufigstes wurden die Finanzinstitute Opfer von Wirtschaftskriminalität. Auf sie entfielen insgesamt 11 Fälle mit einer durchschnittlichen Schadenssumme von CHF 6,4 Mio. Die öffentliche Hand verzeichnete erneut einen deutlichen Rückgang, was die Schadenshöhe betrifft. Mit insgesamt CHF 3,4 Mio. und einer durchschnittlichen Schadenshöhe von CHF 0,3 Mio. waren sie 2012 die am wenigsten geschädigte Opfergruppe.
Es zeigt sich in der Praxis, dass die von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen lange nicht alle Fälle vor Gereicht bringen. KPMG geht deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus und rechnet damit, dass die Anzahl Fälle insgesamt weiter steigen wird. Dies insbesondere auch deshalb, weil Wirtschaftsdelikte meist erst nach 2-3 Jahren aufgedeckt werden und von einer Häufung der Fälle im Zeitraum der Finanz- und Wirtschaftskrise ausgegangen werden kann.



Das «KPMG Forensic Fraud Barometer» beruht auf Wirtschaftskriminalitäts-Fällen mit einem
Schadensbetrag von mindestens CHF 50'000, welche im Berichtsjahr vor einem Schweizer
Strafgericht abgeschlossen wurden und über welche in den wichtigsten Schweizer Tages- und
Wochenzeitungen berichtet wurde.