Schweiz

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  • Service: Advisory, Consulting, Forensic
  • Typ: Press release
  • Datum: 17.06.2014

64 Prozent aller Arbeitnehmer haben schon unethisch gehandelt 

Unethisches Verhalten am Arbeitsplatz ist auch für Schweizer Unternehmen ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Dies belegen die Zahlen aus der aktuellen Studie «Fehlverhalten und Ethik am Arbeitsplatz in der Schweiz» von KPMG. Die Studie zeigt zudem, dass die Kultur einer Unternehmung ebenso starken Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitenden hat, wie die Kollegen, welche sich am Arbeitsplatz unethisch verhalten.
KPMG hat in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich, der ETH Zürich und der Erasmus-Universität Rotterdam eine umfangreiche Forschungsarbeit durchgeführt, die der Frage nachging, warum und unter welchen Umständen sich Arbeitnehmende unethisch verhalten. Die Studie «Fehlverhalten und Ethik am Arbeitsplatz in der Schweiz» belegt, dass unethisches Verhalten der Arbeitskollegen einen stark negativen Einfluss auf das eigene Verhalten hat. Der Einbezug von Daten aus dem «Schweizer HR-Barometer» der ETH Zürich zeigt zudem , dass die Atmosphäre und die Kultur sowie der «Wohlfühlfaktor» am Arbeitsplatz einen starken Einfluss auf das abweichende Verhalten von Mitarbeitenden haben.

Unethisches Verhalten in der Schweiz

Die Schweiz verzeichnet eine grosse Vielfalt an von der Norm abweichendem und unethischem Verhalten der Angestellten. Im Rahmen der KPMG-Studie «Fehlverhalten und Ethik am Arbeitsplatz in der Schweiz» wurden 428 Teilnehmende in der Deutschschweiz gebeten, Fragen zu bestimmten Arten von unethischem Verhalten am Arbeitsplatz zu beantworten. Insbesondere in Bezug darauf, ob man Fehlverhalten beobachtet oder sogar selber begangen hat. Gestützt auf einen Katalog mit 37 Formen unethischen Verhaltens gaben insgesamt 83% der Befragten an, dass sie in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Form beobachtet haben. Weitere 64% der Befragten berichteten zudem, selber unethisch gehandelt zu haben. Dabei wurde das Kriterium «Verschwendung und Missbrauch von – beziehungsweise Misswirtschaften mit – Ressourcen der Organisation» von den Befragten am häufigsten beobachtet (54.6%) und ebenso begangen (36.4%). Am zweitmeisten wurde das Kriterium «Ausüben von Tätigkeiten, die einen Interessenskonflikt darstellen» von den Teilnehmenden beobachtet (40%) und begangen (24.8%).

 

Prozentsatz von Teilnehmenden, welche unethisches Verhalten gegenüber der Organisation beobachtet oder begangen haben.

 

Unethisches Verhalten gegenüber der Organisation

Beobachtet von % der Teilnehmenden Begangen von % der Teilnehmenden

Verschwendung und Missbrauch bzw. die Misswirtschaft mit Ressourcen der Organisation

54.6% 36.4%

Ausüben von Tätigkeiten, die einen Interessenskonflikt darstellen (z.B. konfligierende Nebentätigkeiten, Bevorzugung von Familie und Freunden, Nutzung der Arbeitszeit für private Zwecke)

40.0% 24.8%

Fälschen von Zeit- und Spesenerfassungen

16.6% 4.9%

Umgehung von Sicherheitskontrollen bei Computern, Netzwerken oder Datenbanken

16.6% 8.6%

Verletzung von für Dokumentaufbewahrungspflichten

14.7% 9.4%

Diebstahl oder Veruntreuung von Vermögenswerten (z.B. Geld, Ausrüstung, Material)

13.1% 4.9%

Missbräuchliche Verwendung von vertraulichen oder rechtlich geschützten Informationen der Organisation

12.2% 4.0%

Fälschen oder Manipulieren von Informationen für die finanzielle Berichterstattung

8.2% 2.6%

Zur Verfügung stellen von unangemessenen Informationen für Analysten und Investoren

2.6% 0.9%

Effektenhandel basierend auf Insiderinformationen

0.7% 0.2%

 

Studie 2: Unethisches Verhalten in Organisationen

 

Starker Einfluss durch Arbeitskollegen

Die Studie zeigt, dass Mitarbeitende, die häufiger unethisches Verhalten beobachtet haben, auch selber häufiger unethisch handeln. Dies insbesondere, wenn die beobachtete Person ein Vorbild für die Beschäftigten ist, z.B. ein sehr erfahrener Kollege, ein Vorgesetzter oder ein Mitglied der Geschäftsleitung. Für Organisationen bedeutet dies für den Fall, dass sich ein Mitarbeitender unethisch verhält und dies beobachtet wird, dass ein erhöhtes Risiko besteht und dieses Beispiel Nachahmer findet.

Einfluss von Arbeitsbeziehungen

Basierend auf Daten des «Schweizer HR-Barometers» hat KPMG einige weitere Ursachen für unethisches Verhalten identifiziert. Solche Ursachen können die impliziten Erwartungen an den Arbeitgeber sein, etwa mit Blick auf die eigene Weiterentwicklung, interessantere Arbeitsinhalte, Arbeitsplatzsicherheit und ein höheres Gehalt. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, entsteht ein sogenannter «psychologischer Vertragsbruch». Mitarbeitende, welche einen solchen Vertragsbruch erfahren und dadurch nur noch wenig Vertrauen in den Arbeitgeber haben, verzeichnen ein deutlich häufigeres Fehlverhalten am Arbeitsplatz.

 

Durchschnittliches Level von Fehlverhalten am Arbeitsplatz für einen unerfüllten versus erfüllten psychologischen Vertrag und tiefem versus hohem Level an Vertrauen in den Arbeitgeber.

 

Durchschnittliches Level von Fehlverhalten am Arbeitsplatz 

 

Studie 3: Schweizer HR-Barometer 2012

Darüber hinaus zeigt die Auswertung der Daten des «Schweizer HR-Barometers», dass Mitarbeitende, welche eine grössere Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes hegen, deutlich häufiger Fehlverhalten zutage treten lassen als Mitarbeitende mit einer tiefen Arbeitsplatzunsicherheit.

Ethisches Verhalten steuern

Damit die Unternehmen frühzeitig potenzielles unethisches Verhalten erkennen können, müssen sie die Einflussfaktoren verstehen. Ein besseres Verständnis für die Treiber von unethischem Verhalten hilft, das Handeln der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz zu beeinflussen. Martijn de Kiewit, Leiter Ethics and Compliance Management von KPMG Schweiz, rät: «Die Unternehmen müssen die Erwartungen der Mitarbeitenden detailliert kennen, damit sie mittels Kommunikation und Schulungen Klarheit schaffen und die Einzelheiten aus dem Verhaltenskodex der Unternehmung erläutern können. Vertrauenspersonen und Whistle-blowing Hotlines geben Mitarbeitenden die Möglichkeit, unethisches Verhalten anonym zu melden und so weiteres unethisches Verhalten zu verhindern. Dies ist ein Weg, wie die Organisation wirksam ihre ethische Kultur sichern kann.»
KPMG DilemmApp

KPMG hat eine DilemmApp für iPhones entwickelt, die als interaktives Trainingstool das Bewusstsein der Mitarbeitenden für integeres Handeln schärft und sie darin unterstützt, mit ethischen Dilemma-Situationen umzugehen. Wenn Mitarbeiter verstehen, wie sie interne Richtlinien und Prozesse interpretieren und umzusetzen müssen, ist es für sie einfacher, in einer Dilemma-Situation eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. Die App zeigt Problemfälle auf und lässt die Benutzer über verschiedene Vorgehensweisen abstimmen und mit anderen Spielern vergleichen. Zudem bietet sie die Möglichkeit, Dilemma-Situationen zu diskutieren und mit anderen zu teilen. Die DilemmApp ist im iTunes-Store oder über den App Store auf dem iPhone verfügbar.

 

Simone Glarner

Simone Glarner

Head of Media Relations

+41 58 249 55 71

Forensic

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Studie: Fehlverhalten & Ethik am Arbeitsplatz in der Schweiz

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In den Nachrichten lesen wir regelmässig über grosse Fälle von berufsbezogenem Fehlverhalten. Doch wie häufig kommt unethisches Verhalten am Arbeitsplatz in der Schweiz vor?

DilemmApp

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Die KPMG DilemmApp für iPhones ist ein interaktives Trainings-Tool, welches das Bewusstsein der Mitarbeiter für integeres Handeln schärft und sie darin unterstützt, mit ethischen Dilemmasituationen umzugehen.



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