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  • Typ: Press release
  • Datum: 01.05.2009

Kein «Ausverkauf der Heimat»: Zahl der Transaktionen von der Schweiz ins Ausland übersteigt «Inbound»-Transaktionen um das Doppelte 

Wie das neue «KPMG M&A Yearbook» zeigt, wird die M&A-Aktivität stark durch das derzeitige Wirtschaftsumfeld und die Unsicherheit bezüglich längerfristiger Ziele beeinflusst. Viele Unternehmen überarbeiten ihre Finanzplanung und konzentrieren sich eher auf Auftragslage und Kostenkontrolle als auf das Wachstum. Mit EFG International, Roche Holding AG und DKSH hat KPMG drei Unternehmen für ihre herausragenden M&A-Aktivitäten im vergangenen Jahr ausgezeichnet.

KPMG Schweiz veröffentlicht die 3. Jahresausgabe ihres Swiss M&A Yearbook.
«In diesem Bericht analysieren und kommentieren wir diejenigen Marktbereiche, die für die Schweizer Wirtschaft von wesentlicher Bedeutung sind» sagt Stuart Robertson, Head of Markets und Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz. Die einzelnen Kapitel beinhalten neben statistischen Auswertungen von Transaktionen auch einen Überblick unserer Branchenspezialis-ten über wesentliche Entwicklungen und Trends. «Die Daten beziehen sich auf Transaktionen, die während des Kalenderjahrs 2008 und im ersten Quartal 2009 angekündigt wurden.»

Highlights 2008

  • Die Zahl der Transaktionen, die von der Schweiz ausgingen, war doppelt so hoch wie jene, bei denen eine Schweizer Firma Ziel der Übernahme war. Dies belegt einmal mehr, dass die Angst vor einem «Ausverkauf der Schweizer Heimat» unbegründet ist.
  • Es gibt nur noch wenig Transaktionen im zweistelligen Milliardenbereich.
  • Der Durchschnittswert der abgewickelten Transaktionen hat 2007 um 30 Prozent abgenommen.
  • Deutschland bleibt auch weiterhin der wichtigste Transaktionspartner sowohl für «Inbound»- als auch für «Outbound»-Geschäfte.

Ausblick 2009

  • Im Allgemeinen können Schweizer Unternehmen solide Cash-Positionen und gesunde Bilanzen vorweisen. Ferner sind sie gut positioniert, um Marktchancen zu nutzen. Per 31. Dezember 2008 war die Schweiz die einzige Industrienation in Europa, deren grösste börsenkotierte Unternehmen insgesamt gesehen über Netto-Cash-Positionen verfügen. Dies beschert dem Land eine ausgezeichnete Ausgangslage zur Nutzung aktueller M&A-Marktchancen.
  • Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft und werden 2009 wohl im Fokus der M&A-Aktivitäten stehen.
  • In Anbetracht der schwierigen Lage für Finanzinvestoren wird der Bedarf an Auktionen sinken, weshalb wir im 2009 weniger Auktionen erwarten.
  • Wegen der Auswirkungen der Finanzkrise, dem Wunsch der Unternehmen, Vorsicht walten zu lassen und ihre Liquiditätsreserven zu erhalten, sowie der Zurückhaltung von Finanzinstituten bei der Finanzierung grosser Übernahmen wird die Zahl der Geschäfte im mehrstelligen USD-Milliardenbereich auch weiterhin niedrig bleiben.

Das Transaktionsvolumen war weitestgehend mit den Werten von 2006 vergleichbar, als das heutige Wirtschaftumfeld grösstenteils noch nicht absehbar war. Die Transaktionswerte besagen jedoch etwas ganz anderes. 2008 überschritt nur eine Transaktion die 10-Milliarden-USD-Marke, und der Gesamtwert der für 2008 bekannt gegebenen Transaktionen belief sich auf USD 50 Milliarden. Dies entsprach einem Rückgang um beinahe 40 Prozent gegenüber dem Ge-samtwert von USD 90 Milliarden im Jahr 2007. Es bleibt abzuwarten, ob Roches langwieriger Kampf um Genentech (die Ankündigung erfolgte im 1. Quartal 2009) eine einmalige Aktion ist oder die Rückkehr zu grossen Deals markiert.

Der verhältnismässig schwache US-Dollar im ersten Halbjahr 2008 scheint in den USA nicht zu wesentlich mehr Auslandsakquisitionen geführt zu haben. Dem geringfügigen Anstieg bei Schweizer Unternehmen, die Übernahmen in Nordamerika tätigen, steht ein Rückgang von sieben Prozent bei nordamerikanischen Unternehmen, die Übernahmen in der Schweiz tätigen, gegenüber. Dies lässt vermuten, dass die düstere wirtschaftliche Lage ihren Appetit auf Schweizer Übernahmeziele gezügelt hat, wobei der starke Schweizer Franken möglicherweise ein zusätzliches Hindernis darstellt.

Der schwächere Euro und das schwächere britische Pfund scheinen die Geschäfte zwischen der Schweiz und Westeuropa nicht beeinflusst zu haben. Während der starke Schweizer Franken die stark exportorientierte Schweizer Wirtschaft beeinträchtigt, verfügen einige Unternehmen nach wie vor über ein üppiges Liquiditätspolster. Der Grossteil von ihnen wird solange Vorsicht walten lassen, bis sie die Dauer der derzeitigen Krise besser abschätzen können, wenngleich einige von ihnen auf ihre Kriegskasse zurückgreifen werden, um strategische Akquisitionen zu tätigen.

Entwicklung nach Geschäftsbranchen
Mit Ausnahme der Konsumgütermärkte verzeichneten die Transaktionsvolumen einen Rückgang von 20 bis 50 Prozent, wobei die Sparten Chemikalien und Werkstoffe den stärksten Rückgang erlitten. Ironischerweise können einige der Sektoren mit stark rückläufigen Transaktionsvolumen relative (Healthcare und Life Sciences) oder sogar absolute (Chemikalien, Werkstoffe und Industrie) Höchststände vorweisen, was die Gesamttransaktionswerte anbelangt. Die Werte der beiden letztgenannten Sparten wurden jedoch durch die Übernahme führender Schweizer Unternehmen (CIBA und Jet Aviation) durch ausländische Käufer verfälscht.

Entwicklung nach Regionen
Die M&A-Aktivität innerhalb der Schweiz ging 2008 auf das Niveau von 2006 zurück, genauso wie die Akquisition von Schweizer Unternehmen durch ausländische Käufer. Schweizer Übernahmen im Ausland blieben hingegen auf dem (hohen) Niveau von 2007. Diese Entwicklungen scheinen eine Kombination von verschiedenen Einflussfaktoren widerzuspiegeln:

  • Die verhältnismässig stabile Lage der Schweizer Wirtschaft (allfällig mit Ausnahme der Finanzdienstleistungen) im ersten Halbjahr im Vergleich zu den grösseren europäischen und nordamerikanischen Volkswirtschaften, die viel früher von der Finanzkrise betroffen waren.
  • Ausschlaggebende strategische Beweggründe.
  • Der starke Schweizer Franken und die entsprechend schwächeren Währungen von potenziellen in der Euro- oder US-Dollar-Zone ansässigen Käufern.

In den Wirtschaftsräumen Asien-Pazifik, Russland/GUS und anderswo wurden bei den Transaktionsvolumen lediglich geringfügige Veränderungen beobachtet.

Strategischer Schwerpunkt und weitere Konsolidierung
Der seit 2007 herrschende Trend der Konzentration auf das Kerngeschäft und der Verbesserung des strategischen Portfolios setzte sich 2008 fort. Notverkäufe waren selten, strategische Akquisitionen waren am häufigsten vertreten. Künftig werden Wachstums- und Konsolidierungsstrategien grösstenteils davon abhängen, ob sich ein Silberstreif am Horizont abzeichnet. In den meisten Fällen werden die Unternehmen sehr vorsichtig mit ihren Liquiditätsreserven umgehen und ihre flüssigen Mittel zusammenhalten, bis klarere Zukunftsperspektiven zu erkennen sind.

Die Rolle von Private-Equity-Investoren, Staatsfonds und Aktionärsaktivisten
Während die Zahl der Private-Equity-Transaktionen gegenüber 2007 um 20 Prozent zurückging (jedoch merklich über dem Niveau 2004 bis 2006 blieb), brach das Gesamttransaktionsvolumen auf rund ein Drittel ein. 2007 gab es fünf PE-Transaktionen von über einer Milliarde US-Dollar - 2008 gab nur eine einzige in dieser Grössenordnung. Die Private-Equity-Investoren werden voraussichtlich ihre Geschäftsmodelle neu definieren und die Unternehmen mangels Auktionen aktiver an die Identifizierung von Zielobjekten herangehen müssen.


Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds, SWF) wurden entweder (2007) als Retter der Finanzindustrie gepriesen oder als potenzielle «Wilderer» in anderen strategisch wichtigen Sektoren gefürchtet. Eine Reihe von ihnen hat sich nun vom Markt abgesetzt, wobei sie im Zuge des Crashs am Aktienmarkt einen enormen Wertverlust hinnehmen mussten. Ausser der Qatar Investment Authority, die CHF 3 Milliarden in Credit Suisse investierte, hielten sich die Aktivitäten von Staatsfonds in engen Grenzen.

Das Treiben von Aktionärsaktivisten - seien es «Watchdog»-Organisationen oder Hedgefonds, die häufig diese Rolle übernommen hatten - scheint sich abgeschwächt zu haben. Da sich eine Reihe von Hedgefonds selbst in akuten Schwierigkeiten befindet, bleibt abzuwarten, wie sie auf das neue Wirtschaftsumfeld reagieren werden.

Unerwünschte Übernahmen
2008 und 2009 gab es zwei grosse Übernahmeangebote, die sich recht langwierig gestalteten. Die Offerte von Xstrata für Indophil wurde abgelehnt, während das Angebot von Roche für Genentech im Januar 2009 schliesslich von Erfolg gekrönt war. Laxey liebäugelt nach wie vor mit Implenia, und die jüngsten Veränderungen im Vorstand von Sulzer haben Spekulationen darüber ausgelöst, ob Sulzer bei der Restrukturierung von OC Oerlikon eine Rolle spielen wird. Insgesamt rechnen wir damit, dass die Zahl von Übernahmen dieser Art steigen wird.

Aussichten
Welche Auswirkungen die Interventionen diverser Regierungen zur Rettung wichtiger einheimischer Unternehmen auf das M&A-Segment haben werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Allgemein gesagt könnte ein von den EU-Mitgliedstaaten und den USA forcierter Protektionismus der Kauflust ausländischer Erwerber einen Dämpfer versetzen. Ebenfalls offen ist die Frage, wie sich das Bekennen der Schweizer Regierung zur Einhaltung der OECD-Standards in Bezug auf den Austausch von Steuerinformationen auswirken wird. Privatbanken, die sich auf Offshore-Geschäfte spezialisiert haben, werden ihre Strategie wahrscheinlich überdenken müssen. Noch ist nicht abzusehen, ob die Bemühungen der Nationalbank, den Kurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem US-Dollar auf einem akzeptablen Niveau zu halten, die M&A-Aktivitäten in irgendeiner Form beeinflussen werden. Gleiches gilt für die Anstrengungen der Schweizer Regierung zur Steigerung der Investitionen im Infrastruktur- und Energieeffizienzbereich.

Die Kantonalbanken und vergleichbare Institute halten grosse Liquiditätspools und werden weithin als Hauptkreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen betrachtet. Dennoch könnten sich viele dieser Marktteilnehmer - insbesondere jene mit langen Forschungszyklen wie zum Beispiel Biotechnologiefirmen - zu Kandidaten entwickeln, die in grösserem Umfang Unterstützung benötigen. Unserer Ansicht nach dürfte deshalb die Zahl der Notverkäufe steigen.


Derzeit halten alle nach dem Licht am Ende des Tunnels Ausschau. Solange es keine unumstösslichen Anzeichen für eine potenzielle wirtschaftliche Erholung gibt, ist es schwierig vorherzusagen, was das Jahr 2009 bringen wird. Die M&A-Tätigkeit im 1. Quartal bietet nur wenig Anhaltspunkte dafür, wie die weitere Entwicklung in diesem Jahr verlaufen könnte. Wir gehen jedoch von einer weiteren Konsolidierung in den Sektoren Healthcare und Life Sciences, Chemikalien und Werkstoffe, Finanzdienstleistungen und Industrie aus - wobei innerschweizerische Transak-tionen und Akquisitionen von Schweizer Unternehmen im Ausland das Bild beherrschen dürften.

Die diesjährige Veranstaltung anlässlich der Präsentation des «M&A Yearbook» war etwas Besonderes. Vor über 100 Gästen präsentierte KPMG am 12. Mai 2009 im UniTurm der Universität Zürich den «Swiss M&A Award». Die Jury - Prof. em. Dr. Rudolf Volkart vom Institut für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich, Guille Beranger, stellvertretender Herausge-ber von «mergermarket», und Dr. Patrik Kerler, Head of Corporate Finance bei KPMG - nominierte Unternehmen für drei verschiedene Auszeichnungen, darunter für den «Most Active Dealmaker», die «Biggest M&A Transaction» und die «Most Impressive M&A Transaction».

  • EFG International gewann die Auszeichnung als «Most Active Dealmaker» (Kriterien: die meisten abgeschlossenen Transaktionen im Jahr 2008 inklusive einer Änderung der Kontrollverhältnisse; Grundlage: «mergermarket»-Daten).
  • Die Auszeichnung «Biggest M&A Transaction» (Kriterien: Abschluss der Transaktion 2008, grösstes Transaktionsvolumen, inklusive einer Änderung der Kontrollverhältnisse) ging an die Roche Holding AG für die Übernahme von Ventana Medical Systems Inc.
  • Preisträgerin der «Most Impressive M&A Transaction» (Kriterien: positiver Effekt auf die Schweiz und die Branche, positive Botschaft, Nachhaltigkeit der Transaktion, Pressepräsenz) war DKSH.

Es liegen bereits Nominierungen für die Preisvergabe des nächsten Jahres vor, darunter von Roche für den Abschluss der Genentech-Transaktion.

Sie können die vollständigen Ergebnisse des «M&A Yearbook» hier nachlesen.

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Andreas Hammer
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