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  • Typ: Press release
  • Datum: 18.01.2011

Wiedererwachter Übernahmehunger von Schweizer Unternehmen 

Das «M&A Yearbook 2011» von KPMG zeigt, dass die Anzahl Fusionen und Übernahmen in der Schweiz im Jahr 2010 mit 262 Deals praktisch auf Vorjahresniveau geblieben ist (im Vorjahr: 274 Deals). Das Gesamtvolumen der Transaktionen ist dagegen um 13 Prozent auf USD 87.6 Mrd. gestiegen. Wie 2009 gab es mit der Übernahme von Alcon durch Novartis auch 2010 einen Megadeal (Transaktionswert: USD 41.2 Mrd.). Die Schweizer Unternehmen sind für das M&A-Jahr 2011 sehr gut gerüstet.

2010 konnte der Negativtrend im M&A-Markt aus den beiden Vorjahren in der Schweiz wie auch global gestoppt werden. Während die Anzahl der Transaktionen sich 2010 fast unverändert auf Vorjahresniveau stabilisieren konnte, wurde der Gesamttransaktionswert bereits gesteigert, was auf eine weitere Erholung für 2011 hoffen lässt.

Fulminanter Start ins M&A-Jahr
Das M&A-Jahr 2010 startete mit einem eigentlichen Paukenschlag: Am 4. Januar 2010 kündigte Novartis an, Alcons Mehrheitsbeteiligung von Nestlé für einen Betrag von USD 28 Mrd. übernehmen zu wollen. Diese Transaktion wurde mit der vollständigen Übernahme der nach der Ankündigung noch im Markt befindlichen Anteile gegen Ende des Jahres abgeschlossen. Nur einen Tag später publizierte Nestlé die Akquisition von Kraft Foods' Frozen Pizza Business. Diese Transaktion hatte ein Volumen von USD 3.7 Mrd. Das M&A-Jahr war damit lanciert.
 
Gleichwohl blieb eine eigentliche «M&A-Recovery-Welle» noch aus, denn dieser Rhythmus und diese Transaktionsgrössen wurden im M&A-Jahr 2010 nicht zur Regel. Dennoch folgten im Laufe des Jahres weitere wichtige Transaktionen von oder durch Schweizer Unternehmen, z. B. Coop/Transgourmet, Swisscom/Fastweb, CVC/Sunrise, Cephalon/Mepha, CTS Eventim/Ticketcorner oder ABB/Baldor.

Private Equity als etablierter Akteur
Entgegen mancherorts geäusserten Erwartungen hat sich die Private-Equity-Industrie in diesem Umfeld erfolgreich behaupten können. Während in der Finanzkrise noch vom Ende der Private-Equity-Industrie gesprochen worden war, zeigte sich 2010, dass Private Equity sich einen festen Platz erkämpft hat. Sie war auch in der Schweiz in einige der grössten Transaktionen involviert. Dabei waren die Flexibilität und Geschwindigkeit zahlreicher Private-Equity-Häuser ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil. Es hat sich 2010 auch gezeigt, dass Banken durchaus wieder bereit sind, qualitativ gute Transaktionen mit Fremdfinanzierung zu unterstützen.

Anstieg des M&A-Gesamtvolumens um 13 Prozent
Eine Analyse der wichtigsten statistischen Transaktionszahlen des Jahres in der Schweiz ergibt, dass das Gesamtvolumen der im Jahr 2010 angekündigten Transaktionen sich auf ca. USD 87.6 Mrd. belief. Dies entspricht einer Zunahme von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.


Top 10 Swiss M&A transactions 2010




Dank der Novartis/Alcon-Transaktion spielte aus Branchensicht die Musik 2010 vor allem im Gesundheits- und Konsumsektor. Transaktionen mit Zielobjekten aus diesen Sektoren machten einen Wert von USD 47 Mrd. aus.

 




Wechselkursentwicklungen und Staatsdefizite als Hemmfaktoren
Die Gründe für die bisherige Zurückhaltung im M&A-Markt sind in den Nachwehen der vergangenen Kredit- und Finanzkrise und den damit verbundenen Unsicherheiten zu suchen: Die wichtigsten Unsicherheiten beziehen sich auf die Wechselkursentwicklungen im Verhältnis Dollar/Yuan/Euro sowie - gerade aus Schweizer Sicht - der weiteren Entwicklung des Schweizer Frankens. Zu nennen sind aber auch die instabilen Staatshaushalte der USA, mehrerer EU-Staaten und weiterer Länder. Währungsschwankungen und Staatsdefizite sind eben auch Symptome einer stetigen und nachhaltigen Verschiebung der globalen Wirtschaftskräfte, die eindrücklich aufzeigen, welche wirtschaftspolitischen Verteilkämpfe zwischen den verschiedenen Ländern bzw. Regionen stattfinden.

Nachhaltige Kräfteverschiebung im M&A-Markt
Diese Verschiebungen wirken sich zunehmend auf die M&A-Tätigkeiten von Unternehmen aus. In den BRIC-Staaten entstehen neue globale Unternehmen, insbesondere in der Rohstoff-, Technologie- und Pharmaindustrie, die ihre globalen Wachstumsziele selbstredend auch im internationalen M&A-Markt umsetzen. Zudem halten Staatsfonds vor allem aus dem arabischen und asiatischen Raum wieder Ausschau nach interessanten Akquisitionen.

Stark engagierte Schweizer Unternehmen
Schweizer Unternehmen spielen im M&A-Geschäft eine überdurchschnittlich aktive Rolle als Käufer. Sie investieren neben ihren historischen Märkten in der Schweiz, in Europa und den USA auch in den Wachstumsmärkten. Der Wirtschaftstandort Schweiz als solches wird dadurch weiter gestärkt. Auch 2010 haben Schweizer Unternehmen wiederum deutlich mehr Akquisitionen im Ausland getätigt, als dass Schweizer Unternehmen ins Ausland verkauft wurden.

Unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Branchen
Es wird erwartet, dass 2011 finanziell robuste Pharmazeutikunternehmen im Healthcare- & Life-Sciences-Sektor das M&A-Geschäft anführen werden. Einige kleinere Deals im Medizinaltechnik- und im Healthcare-Dienstleistungsbereich sind möglich; für beide besteht auf Investoren-Seite grosses Interesse.

Nach einer Periode der Umorganisierung scheinen die Schweizer Chemieunternehmen zurzeit besonders unternehmungslustig zu sein, und es zeichnen sich einige sehr interessante Gelegenheiten für Schweizer Unternehmen im Ausland ab. Die Hauptaktivitäten werden sich voraussichtlich auf die Präsenz in regionalen Schlüsselmärkten wie Asien und auf die Erweiterung der Produktportfolios konzentrieren.

In dem von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Finanzdienstleistungssektor werden die M&A-Aktivitäten im Private Banking wahrscheinlich signifikante Konsolidierungen widerspiegeln. Hier sehen sich die Akteure durch die Einführung neuer Regulierungen zu einer grundsätzlichen Revision ihrer Geschäfts- und operativen Modelle sowie ihrer Onshore-Präsenz gezwungen. In anderen Bereichen der Finanzdienstleistungen sollten Regulierungen wie Basel III mehr Klarheit schaffen und das Geschäft begünstigen.

Exportorientierte Industriemärkte leiden besonders unter dem starken Schweizer Franken, doch aktuell herrscht vorsichtiger Optimismus, da die Auftragsbücher Ende 2010 einen leichten Aufwärtstrend verzeichneten. Wohl mögen die M&A-Aktivitäten 2011 bescheiden ausfallen verglichen mit anderen Sektoren, doch der globale Wettbewerbsdruck könnte zu «Transformations-Deals»  und/oder Akquisitionen in der Versorgungskette anregen.

2011-2012 dürften auch eine weitere Konsolidierung in den Verbrauchermärkten und einige Verkäufe von nicht zentralen Geschäften seitens der Lebensmittelgiganten erfolgen, die andererseits  ihre gute Akquisitionslaune voraussichtlich behalten werden. Die Hersteller von Luxusgütern dürften die Absicht haben, auf der Suche nach potentiellen Grossgeschäften im Ausland den Verbrauchermärkten die Führungsposition im M&A-Geschäft streitig zu machen.

Technologie-Deals dürften das Bild in der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsbranche weiterhin dominieren, da zahlreiche Player  aller Branchen ihr Angebot an IT- und Software-Lösungen zu verbessern suchen, was immer geschäftsentscheidender wird. Daher sind eine Verschiebung von Media-Portfolios sowie eine verstärkte Präsenz von Schweizer Unternehmen in Osteuropa wahrscheinlich, doch sind hier keine bahnbrechenden Ereignisse zu erwarten.

Die Nachfrage nach Luxusimmobilien rund um Genf, in Lausanne, Zürich und der Zentralschweiz wird ziemlich sicher anhalten, und die Preise bleiben entsprechend hoch. Die Hauptakteure in diesem Bereich werden 2011 weitere Möglichkeiten prüfen, neue Projekte zu entwickeln, während der Wohnungsmarkt weiter boomt.

Nicht zu unterschätzen sind weitere Industriezweige wie die Energieindustrie (in erster Linie erneuerbare Energien) und die Rohstoffindustrie. Sie dürften 2011 bedeutende M&A-Aktivitäten verzeichnen, da das Interesse an den Möglichkeiten in der Schweiz vermutlich weiter wachsen wird, nachdem 2010 einige der grössten Energieanbieter grosse Teams nach Genf transferiert haben.

Gute Ausgangslage für 2011
Insgesamt war 2010 ein wichtiges und stabilisierendes M&A-Jahr. Die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen von international tätigen Schweizer Unternehmungen haben die Chancen für nachhaltiges Wachstum durch Akquisitionen wiederentdeckt. Sie haben strategische Alternativen und mögliche Akquisitionen für eine nachhaltige Entwicklung gerade auch in Wachstumsmärkten systematisch analysiert und vorbereitet. Dabei stehen die Zeichen der Zeit für Schweizer Unternehmen gut: Einerseits profitieren sie von einem überdurchschnittlich gesunden Heimmarkt, andererseits besitzen Schweizer Unternehmen im internationalen Vergleich die höchsten Liquiditätsreserven und somit die höchste Finanzierungskraft. Die Erschütterungen im Währungsbereich haben auch dazu geführt, dass Akquisitionen im Dollar- und Euroraum zumindest kurzfristig mit dem starken Schweizer Franken günstig abgewickelt werden können. Die Ausganglage für Schweizer Unternehmen ist entsprechend positiv, und es gibt gute Gründe, optimistisch ins schweizerische M&A- Jahr 2011 zu blicken.

Informationen zum M&A-Geschäft in einzelnen Branchen und weitere Informationen finden Sie im «M&A Yearbook 2011».

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Zurich, 18. Januar 2011

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KPMG AG
Andreas Hammer 
Head of Public Relations & Public Affairs
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