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  • Service: Tax
  • Industrie: Banking
  • Typ: Press release
  • Datum: 28.05.2009

Privatbanken und Vermögensverwaltungssektor vor fundamentalen Änderungen und weiterer Konsolidierung 

Das Private Banking in der Schweiz steht vor einem fundamentalen Wandel: Auslöser ist der Steuerstreit mit den USA und der EU bzw. einzelnen EU-Staaten, der massive regulatorische Änderungen zur Folge hat. Die Entwicklung wird durch einen in diesem Bereich bisher unbekannten Kostendruck verschärft. Wie eine globale Studie von KPMG zeigt, ist der Akquisitionshunger zurzeit etwas gedämpft, aber nach wie vor vorhanden.

 

Die Schweiz und andere europäische Länder blicken auf eine lange Private-Banking-Tradition zurück; im asiatischen Raum handelt es sich um ein noch junges Geschäftsfeld. Die globale Finanzkrise hat auch in dieser Branche zu enormen Werteinbussen der Anlagen und damit zu massiven Ertragseinbrüchen geführt; dem steht die hohe Kostenbasis im Private Banking gegenüber. Der Kostendruck hat nun erstmals auch für Privatbanken alarmierende Ausmasse erreicht, wie sie bisher primär aus dem Retail Banking bekannt waren. Wie eine globale Umfrage von KPMG zum M&A-Verhalten bei mehr als 100 Privatbanken und Vermögensverwaltungen zeigt, hat die Finanzkrise den M&A-Appetit weltweit etwas gedämpft. Die von KPMG jährlich durchgeführte Studie «Hungry for More» zeigt aber auch, dass die Branche allgemein mit einer Konsolidierung  dieses stark fragmentierten Marktes rechnet.

Servicequalität und Performance als Erfolgsfaktoren
In der Schweiz sieht sich die Branche aber insbesondere mit den Konsequenzen aus dem Steuerstreit mit den USA und der EU bzw. einzelnen Nachbarländern und der OECD konfrontiert, die zu grösseren Verwerfungen im schweizerischen Private-Banking-Bereich führen werden. Für Stuart Robertson, Head of Markets und Geschäftsleitungsmitglied von KPMG Schweiz, ist klar: «Die Spielregeln haben sich grundlegend geändert; Geschäftsmodelle, welche ausschliesslich auf dem schweizerischen Bankkundengeheimnis beruhen, sind nicht mehr zukunftstauglich. Künftig stehen die angebotenen Dienstleistungen, die Servicequalität und insbesondere die Performance im Vordergrund.»

 

Dabei können die Schweizer Privatbanken weiterhin auf traditionelle Stärken bauen. Zu diesen zählen die  teilweise über 200-jährige Erfahrung und entsprechend profunde Fachexpertise, der hohe Stellenwert der Diskretion und der Schutz der Privatsphäre sowie die Stabilität des Schweizer Frankens und der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse. Kleinere, hauptsächlich im Offshore-Bereich tätige Unternehmen müssen sich verschiedene Optionen offen halten und Zusammenschlüsse oder Veräusserungen in ihre Überlegungen einbeziehen. Auch im Offshore-Geschäft tätige Töchter ausländischer Banken dürften in Bedrängnis geraten, wenn deren Mütter in Staatsbesitz sind oder staatliche Unterstützung erhalten.

Neben diesen spezifisch schweizerischen Gegebenheiten, unterscheiden sich die befragten Schweizer Privatbanken/Vermögensverwalter gemäss dieser Studie aber auch in verschiedenen Punkten von ihren Mitbewerbern; die nachstehenden Vergleiche beziehen sich auf westeuropäische Mitbewerber:

  • Schweizerische Teilnehmer sehen mehrheitlich in Asien das grösste Wachstumspotential - eine These die im europäischen Umfeld nur von englischen und  deutschen Teilnehmern vertreten wird.
  • Mindestens die Hälfte der schweizerischen und britischen Banken, welche Akquisitionen tätigten, konnten die Kundenbasis von übernommenen Unternehmen innerhalb des ersten Jahres halten oder gar vergrössern (letzteres trifft insbesondere auf Schweizer Banken zu), während akquirierende Banken aus anderen europäischen Ländern in diesem Bereich weniger geschickt zu agieren schienen; die grosse Mehrheit verlor zwischen 1-5%, verschiedene gar bis zu 10% der akquirierte Kundenbasis.
  • Die meisten europäischen Käufer hielten die Anpassung  unterschiedlicher Geschäftsmodelle als grösste Schwierigkeit bei der Integration; diese Einschätzung trifft auch für  Schweizer Banken zu. Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen, verursachte die Harmonisierung  interner Prozesse den Schweizern weniger Schwierigkeiten, während kulturelle Differenzen in der Schweiz  (und in Deutschland) zu mehr Kopfzerbrechen geführt hatten als im übrigen Europa.
  • Während die Mehrzahl der europäischen Teilnehmer eine Unternehmensentwicklung durch organisches Wachstum oder nur sehr beschränkte Akquisitionen plant, gaben fast die Hälfte der schweizerischen Teilnehmer an, etwa im gleichen Ausmass auf Akquisitionen und organisches Wachstum zu setzen, und rund zwei Drittel der befragten Schweizer schliessen Akquisitionen nicht aus.
  • Die Hälfte der schweizerischen Teilnehmer gab den Mangel an geeigneten Kandidaten als grösstes Hindernis für weitere M&A-Investitionen an. Bei den europäischen Mitbewerbern scheint der Mangel an geeigneten Kandidaten kaum ein Thema zu sein - dort werden insbesondere die gegenwärtige Wirtschaftslage, mangelnde finanzielle Mittel, aber auch die als einigermassen attraktiv beurteilten Perspektiven durch organisches Wachstum als Dämpfer für M&A-Investitionen zitiert.

Mit dem Entscheid des Bundes, den OECD-Standard  bei der Amtshilfe in Steuersachen zu übernehmen, wurden zentrale Prämissen über Bord geworfen. Demgegenüber werden laufende Verfahren und weitere regulatorische Bestimmungen zusätzliche Hürden schaffen, welche die kränkelnden Gewinnmargen und den Kostendruck noch akzentuieren. Innovative, glaubwürdige Geschäftsmodelle und eine stärkere Konsolidierung sind notwendig - eine vermehrte M&A-Tätigkeit im Bereich Private Banking und Asset Management in der Schweiz und auf globaler Ebene die logische Folge.

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