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  • Typ: Press release
  • Datum: 20.10.2009

Private Banking im Umbruch – Schweiz als Weltmarktführer vor starken Veränderungen 

Eine Studie von KPMG und der Universität St.Gallen zeigt, dass das Private Banking in der Schweiz vor einem fundamentalen Wandel steht. In der Einschätzung von 30 führenden Privatbanken ist die Branche aber erst in der Phase der Situationsanalyse und noch nicht daran, die Unternehmensstrategien anzupassen. Wachstum wird es primär im Ausland geben. Dies nicht zuletzt, da Stärken des Finanzplatzes Schweiz wie das Bankkunden-geheimnis und die tiefe Steuerbelastung regulatorischer Art und daher nicht einfach transportierbar sind. Inwiefern Schweizer Privatbanken am Wachstum teilhaben werden, ist von ihrer Fähigkeit abhängig, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. In der Schweiz wird eine weitere Konsolidierung erwartet. Die Einschätzungen der Privatbanken, ob in naher Zukunft mit einem Wachstum oder aber mit einem starken Rückgang der verwalteten Gelder gerechnet werden muss, variieren sehr stark.

Eine sich weiter verschärfende Wirtschaftskrise, Einschnitte beim Off-Shore-Banking, zunehmende Forderungen nach Transparenz (sowohl seitens der Kundschaft als auch bei den Gesetzgebern der beteiligten Länder) und schliesslich auch ein zunehmender Druck auf die Margen – da mag man für zahlreiche Schweizer Privatbanken Verständnis aufbringen, die sich seit etwa zwei Jahren einer Serie von Dauerattacken ausgesetzt sehen. Kommt hinzu, dass der Markt für das Private Banking in der Schweiz in den kommenden Jahren eher schrumpfen dürfte und auf die Marktteilnehmer ein schärferer Wettbewerb um die heimische Kundschaft auf dem On-Shore-Markt zukommen könnte.

 

Ein höheres Mass an Zuversicht ist im Hinblick auf mögliches Wachstum ausserhalb der Schweiz zu verzeichnen. Für diejenigen Banken, die es richtig anstellen, könnte bereits das Licht am Ende des Tunnels sichtbar werden. Interessante Gelegenheiten könnten sich insbesondere denjenigen unter ihnen bieten, denen die Anpassung an eine «neue Ära» mit grenzüberschreitenden Aktivitäten gelingt und die es verstehen, neu aufblühende Kundensegmente an sich zu binden und dabei auch attraktive M&A-Projekte für sich zu nutzen.

 

Die Schweizer Privatbanken sehen sich einer Vielzahl von Alternativen und Entscheidungen gegenüber. Welches Geschäftsmodell ist für sie das passende? Mit welchem Leistungsangebot gewinnen sie am besten neue Kunden und sichern gleichzeitig den Verbleib der bestehenden? Sollen sie sich um die ins Land zurückgeholten Anlagewerte durch On-Shore-Aktivitäten bzw. durch «Multi-Shoring» bemühen? Und wie soll dies gegebenenfalls geschehen? Wie lässt sich ihr grenzüberschreitendes Geschäft auf regelkonforme Art und Weise fortsetzen? Wie wäre es mit einem Konzept der «offenen Architektur» für ihr weiteres Vorgehen?

 

KPMG und die Universität St. Gallen (HSG) befragten Spitzenmanager von dreissig der grössten, vorwiegend als «Top-Tier»-Banken operierenden Schweizer Privatbanken, wobei zunächst persönliche Gespräche geführt und sodann Fragebögen zur Nachbearbeitung verwendet wurden. Die Ergebnisse bestätigen und bekräftigen eine Reihe von bereits vorher in der Branche bestehenden Auffassungen, aber sie bieten auch einige möglicherweise überraschende Einsichten.

 

Welches Bild bietet die Branche gegenwärtig?

 

  • 71 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass die Private-Banking-Branche der Schweiz sich wird verändern müssen, wenn sie die gestellten Herausforderungen bewältigen will. Besondere Probleme erwarten sie dort, wo es um das grenzüberschreitende Banking geht.
  • Nur 29 Prozent der Befragten erwarten für die nächsten drei Jahre ein Wachstum im inländischen Private-Banking-Geschäft – dabei setzt mehr als jeder zweite auf ein Wachstum ausserhalb der Schweiz.
  • Nahezu 90 Prozent erkennen innerhalb der Branche einen sich verschärfenden Wettbewerb. Dadurch wird der bereits erwähnte Veränderungsdruck noch einmal unmittelbarer wahrgenommen.
  • Die gegenwärtigen Probleme werden nach Angaben von 79 Prozent der Befragten zu verstärkter Konsolidierung in der Branche führen. Mehr als zwei Drittel der Zielpersonen sehen recht gute M&A-Chancen und -gelegenheiten und beurteilen die momentanen Bewertungen als attraktiv.

 

Triebkräfte der Veränderung

 

  • Von Änderungen im Bankenrecht und bei den behördlichen Vorgaben werden immense Auswirkungen auf die Kultur und die Aktivitäten der Private-Banking-Branche erwartet.
  • Einschnitte in das Off-Shore-Geschäft aufgrund der steuerlichen Meldevorschriften auf OECD-Ebene, aber auch durch den Druck einzelner Regierungen werden sich erheblich auf das Private Banking in der Schweiz auswirken.
  • Gerade einmal 14 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass die gegenwärtigen Gewinn- bzw. Bruttomargen als nachhaltig zu betrachten sind. 40 Prozent von ihnen äussern überdies den Eindruck, die Kundschaft übe Druck aus, um Gebührensenkungen durchzusetzen.
  • Eine überwältigende Mehrheit von 96 Prozent der Befragten berichtet von der Erfahrung, dass die Kundschaft höhere Transparenz verlangt und nach Produkten fragt, die vom Aufbau her leichter zu verstehen sind.
  • Die Banken sehen sich dem Druck von Kunden ausgesetzt, die niedrigere Gebühren und mehr Leistung verlangen.

 

Geschäfts- und Funktionsmodelle

  • Das traditionelle Off-Shore-Banking wird während der kommenden drei Jahre nach Ansicht von zwei Dritteln der Befragten einen Rückgang zu gewärtigen haben.
  • Grösse, Aktionsradius und Positionierung werden in dem Masse ständig an Bedeutung gewinnen, als im grenzüberschreitenden und im internationalen On-Shore-Banking die Komplexität und die Kosten zunehmen.
  • Dort, wo es in den nächsten drei Jahren um den Hinzugewinn von Marktanteilen geht, sind 60 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Pure-Player-Modell die grössten Erfolge verspricht.
  • 89 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Kundschaft eine umfassende Beratung bezüglich der Anlageziele sowie eine transparente Aufklärung über die Risiken erwartet.
  • 61 Prozent der Befragten trauen den verantwortlichen Kundenberatern eher eine gute Bestandspflege als ein erfolgreiches Akquirieren zu («Heger und Pfleger» versus «Jäger»). Nur ein Viertel der Befragten äusserte sich zufrieden mit den Umschichtungserfolgen ihrer neu eingestellten Kundenberater.

 

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