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  • Typ: Press release
  • Datum: 15.09.2009

Manager hauptverantwortlich für Wirtschaftskriminalität in der Schweiz 

Wie das «KPMG Fraud Barometer» zeigt, betrug die Deliktsumme der über 30 Fälle von Wirtschaftskriminalität, die im ersten Halbjahr 2009 in der Schweiz zur Anklage gebracht wurden, über CHF 200 Mio. Drei Viertel dieser Deliktsumme gehen auf das Konto des Managements. Betrug und Veruntreuung sind nach wie vor die häufigsten Deliktsformen.

Das «KPMG Fraud Barometer» von KPMG Schweiz zeigt auf, dass die meisten Wirtschaftsdelikte von Mitgliedern des Managements begangen werden. Gewerbsmässiger Betrug steht nach wie vor hoch im Kurs, daneben manifestiert sich die Veruntreuung von Geldern von Investoren und Finanzinstituten immer mehr als die häufigste Deliktsform. Daneben kamen im Beobachtungszeitraum (Januar - Juni 2009) auch zwei Fälle von Geldwäscherei mit einer Deliktsumme von weit über CHF 1 Mrd. zur Beurteilung, darunter der für die Schweiz bislang grösste Fall von Geldwäscherei und organisierter Kriminalität vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona.

 

Anne van Heerden, Partner und Leiter Forensic von KPMG Schweiz betont: «In der momentanen Wirtschaftslage kann sich ein Betrugsfall schwerwiegend auswirken. Viele Firmen ergreifen noch immer erst nach einem schmerzhaften Betrugsfall präventive Massnahmen. Zwar verfügen viele Firmen über Betrugsprävention, betreiben diese aber oft dezentral und somit nicht effizient: Unterschiedliche Stellen im Unternehmen beschäftigen sich gleichzeitig mit verschiedenen, im Grunde aber zusammenhängenden Aufgaben. Beispielsweise kümmert sich das Risk Management um die Identifikation von Risiken, Compliance prüft die Einhaltung von Vorschriften, Internal Audit untersucht interne Prozesse und Security kommen erst im Ernstfall zum Einsatz. Effektive Betrugsprävention jedoch bedeutet, die Kompetenzen der verschiedenen Abteilungen zu koordinieren, um damit deliktischem Fehlverhalten effizient vorzubeugen.»

 

Grösster Fall von organisierter Kriminalität und Geldwäscherei in der Schweiz vor Gericht
Wegen Geldwäscherei in Milliardenhöhe sowie Unterstützung einer kriminellen Organisation mussten sich im Frühling neun mutmassliche Angehörige der Zigarettenmafia vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Es handelte sich dabei um den bisher grössten Fall von organisiertem Verbrechen in der Schweiz. Eine Verurteilung erfolgte schliesslich nur für zwei der Angeklagten, nämlich wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation. Betreffend den Vorwurf der Geldwäscherei hingegen wurden alle neun Angeklagten freigesprochen.

 

Nur ein geringer Teil der Wirtschaftsstraftaten gelangt vor Gericht
Nicht alle Fälle von Wirtschaftskriminalität führen zu einer Strafanzeige oder kommen überhaupt vor Gericht. Es gibt zunehmend Fälle, bei denen die betroffenen Unternehmen den Sachverhalt intern selber aufarbeiten und ihr Augenmerk ausschliesslich auf die Wiederbeschaffung der entzogenen Mittel richten. Die Gesamtzahl der Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz lässt sich somit nicht konkret beziffern. Als Anhaltspunkt für eine Annäherung an die Zahl der Wirtschaftskriminalitätsfälle kann die KPMG-Studie «Profile of a Fraudster» von 2007 dienen.

 

Gemäss dieser Studie wurden in lediglich 20 Prozent aller Wirtschaftsstraffälle die Justizbehörden überhaupt eingeschaltet. Katarina Kurtin, Director Forensic von KPMG Schweiz, führt dazu aus: «Betrügerische Handlungen finden immer statt, gerade auch in Zeiten der Rezession. Sind die wirtschaftlichen Bedingungen günstig und die Gewinnmargen stabil, so bleiben Betrugsfälle häufig unentdeckt. Gehen die Margen jedoch zurück, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass betrügerische Handlungen aufgedeckt werden, weil sich Unternehmen vermehrt internen Prozessen widmen».

 

Am meisten Fälle im Kanton Zürich sowie in der Nordwestschweiz
Mit elf Fällen im Kanton Zürich sowie zehn in der Nordwestschweiz wurden in diesen Regionen am meisten Verfahren zur Anklage gebraucht, was angesichts der wirtschaftlichen Vorrangstellung allerdings nicht erstaunt. In der Nordwestschweiz standen eher Veruntreuungen im Vordergrund, während es sich in Zürich mehrheitlich um Betrug handelte. Beispielhaft ist dabei der Fall eines Kantonsangestellten, der Handwerkerrechnungen für sein privates Einfamilienhaus durch den Kanton begleichen liess und wegen gewerbsmässigen Betruges und mehrfacher Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten bedingt verurteilt wurde.

 

Management im Fokus
Die Mitglieder des Managements stehen erneut im Fokus. Von der Schadenssumme von über CHF 200 Millionen (ohne die beiden eingangs erwähnten Geldwäscherei-Fälle) sind fast drei Viertel der Summe dem Management anzulasten. Dieselbe Konstellation war bereits im KPMG Fraud Barometer 2008 ersichtlich, wobei das Management damals für mehr als die Hälfte der Deliktssume verantwortlich war. Arno Thürig, Director Forensic von KPMG Schweiz, erläutert: «Dies bedeutet nichts anderes, als dass der Blick noch stärker auf das Wirken der Führungsebenen gerichtet werden muss. Denn hier bietet sich aufgrund von hierarchischer Position, Seniorität und Vertrauen nach wie vor das grösste Schadens- und Deliktpotential.»

 

Verwendungszweck: Luxusgüter im Vordergrund
Die deliktisch erlangten Gelder wurden für ganz unterschiedliche Zwecke verwendet, im Vordergrund stand bei einer Vielzahl der Fälle jedoch die Verwendung für Luxus in jeglicher Form, etwa für den Kauf von Luxusfahrzeugen und einer Yacht in den USA, die Finanzierung eines aufwändigen Lebensstils (teure Kleider, Schuhe oder Unterhaltungselektronik), Schönheitsoperationen, Spielsucht oder Besuche im Rotlichtmilieu.

 

Betrug nach Regionen/geographische Verteilung

 

Region 

Summe (CHF)

Anzahl Fälle

 Espace Mittelland  

5'036'900 

Genferseeregion  

117'300'000 

Nordwestschweiz   

64'927'000 

10 

Ostschweiz  

3'760'000 

Tessin 

1'100'800'000 

Zentralschweiz  

10'000'000 

Zürich  

7'463'000 

11 

Total  

1'309'286'900  

35 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrug nach Tätergruppen

 

Tätergruppe  

 Summe (CHF) 

 Anzahl Fälle

Kunden  

 2'447'000

 4

Angestellte  

 222'000

 2

Management  

 146'332'000

 8

 Organisierte Kriminalität  

  1'100'000'000 

 1

Andere  

 13'053'000

 8

 Gewerbsmässige Betrüger  

 47'232'900 

 12

Total 

  1'309'286'900  

 35

 

 

 Betrug nach Opfergruppen

 

 

 Opfergruppe

Summe (CHF) 

Anzahl Fälle 

 Kommerzielle Unternehmungen  

  900'000

 3

 Finanzinstitute

 143'712'900

 7

 Öffentliche Hand

  936'000

 4

 Investoren

 54'503'000 

 11

 Andere

 1'109'235'000

 10

 Total

 1'309'286'900

 35

 

 

Methodologie
Zur Erstellung des «Fraud Barometer» berücksichtigte KPMG Fälle von Betrug und ähnlichen Wirtschaftsdelikten mit einem Schadensbetrag von mindestens CHF 50'000, welche vor einem Schweizer Strafgericht zur Verhandlung kamen oder angeklagt sind (rechtshängig) und über welche in den wichtigsten Schweizer Tages- und Wochenzeitschriften berichtet wurde.

 

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Zürich, 15. September 2009

 

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Andreas Hammer
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