Schweiz

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  • Datum: 06.11.2012

Fortschrittliche Technologien 

Interviewpartner: Matthias Altendorf, Mitglied des Executive Boards der Endress+Hauser Gruppe

Welcher Stellenwert kommt dem Thema Innovation in Ihrer Branche allgemein und in Ihrem Unternehmen speziell zu?

Matthias Altendorf: Die Automatisierungstechnik unterstützt unsere Kunden dabei, ihre Produktivität zu steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Unsere Produkte, Dienstleistungen und Lösungen helfen beispielsweise ganz konkret, die Wertschöpfungskette besser miteinander zu verbinden, Ressourcen zu schonen, die Qualität zu erhöhen und Produktionsprozesse für Mensch und Umwelt sicherer zu machen. Dazu braucht es ständig neue Ideen, und natürlich müssen diese Ideen erfolgreich im Markt eingeführt werden. Entsprechend hoch ist der Stellenwert, den das Thema Innovation in unserer Branche und auch bei uns im Unternehmen geniesst.

 

Bei Endress+Hauser versuchen wir, durch das intelligente Verknüpfen von verschiedenen Elementen nachhaltigen Kundennutzen zu schaffen. Dafür nutzen wir fortschrittliche Technologien – ich denke da zum Beispiel an die Microsystemtechnik, eingebettete Systeme, moderne Fügetechniken oder neuartige Materialien. Und wir setzen auf zukunftsweisende Dienstleistungen – etwa zur Integration von IT-Systemen, für Informations- und Wissenstransparenz, in der Verbesserung der Logistikkette oder zur Kalibrierung von Messgeräten und Anlagen.

 

Letztendlich spielen viele Faktoren zusammen: Die Fähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere konsequente Ausrichtung auf die Branchen unserer Kunden, unser weltweites Netzwerk für Vertrieb und Produktion, die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten, ein professionelles Patentwesen, unsere starke Unternehmenskultur, die langfristige Ausrichtung des Familienunternehmens… All dies zusammen schafft erst die Räume, in denen diese Innovationen für unsere Kunden entstehen.

Welches sind für Ihr Unternehmen derzeit die grössten Herausforderungen, um innovativ zu bleiben?

Matthias Altendorf: Jedes Unternehmen, das die Herausforderungen von gutem Wachstum und fortschreitender Globalisierung bewältigen muss, durchläuft Phasen, in denen die Strukturen der Vergangenheit nicht mehr ausreichen, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen. Das ist auch bei uns so. Endress+Hauser wird nächstes Jahr 60 Jahre alt. Es ist uns in dieser Zeit immer wieder gelungen, die Organisation so weiterzuentwickeln, dass wir innovativ geblieben sind – und durch Innovationen auch Erfolg hatten. Ich hoffe, dass uns dies auch in Zukunft gut gelingt!

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen auch in Zukunft innovativ bleibt?

Matthias Altendorf: Wir richten uns konsequent aus auf die Kundenbedürfnisse und die langfristigen Trends, mit denen sich unsere Kunden auseinandersetzen müssen. Wir legen Wert auf eine gute Balance zwischen Zentralität und Dezentralität in der Struktur der Firmengruppe. Und wir bemühen uns um ausreichend Freiräume für die Mitarbeiter und adäquate Ressourcen im Innovationsprozess. Hinzu kommt der unschätzbare Vorteil eines Familienunternehmens. Es steht für eine wertegetriebene Kultur, die es ermöglicht, agil zu bleiben und offen für Neues. Und es bietet uns einen stabilen, langfristig orientierten Rahmen. Diese Sicherheit, die auch Arbeitsplatzsicherheit bedeutet, ist nicht zu unterschätzen – Innovation beruht immer auch auf der Abwesenheit von Angst! Ein wichtiger Aspekt ist aber auch, eine Arbeitswelt zu schaffen und zu erhalten, die unseren Mitarbeitern Freude bereitet, auf deren Boden Neues entstehen kann, die es den Menschen ermöglich, nicht in sondern an einem Unternehmen zu arbeiten. Dies alles, dazu eine gute Führung und exzellente Mitarbeitende in unserem Unternehmensnetzwerk, haben uns bislang geholfen, innovativ zu bleiben.

Wie sieht Ihr Beitrag für eine nachhaltige Wirtschaft aus?

Matthias Altendorf: Als Unternehmen können wir nichts Nachhaltigeres tun als erfolgreich zu bleiben. Denn das sichert Arbeitsplätze und schafft neue Stellen, generiert Einkommen und Steuern, dient Mitarbeitenden, Kunden, Eigentümern und letztendlich auch der Gesellschaft, in der wir leben. Innovationen helfen uns dabei, erfolgreich zu bleiben, ebenso exzellente Unternehmensprozesse und ihre kontinuierliche Verbesserung. Natürlich müssen wir kurzfristig Resultate erwirtschaften, sonst gibt es keinen langfristigen Erfolg. Aber entscheidend ist eine robuste Strategie für die lange Frist. Nur wenn diese Strategie stimmt, setzen wir die erwirtschafteten Ressourcen so ein, dass sie nachhaltigen Erfolg ermöglichen und generieren. Und selbstverständlich müssen wir auch intern darauf achten, unsere Ressourcen gut zu nutzen und möglichst nicht zu verschwenden.

Wie sichert sich Ihr Unternehmen im Kampf um die besten Talente die besten Köpfe?

Matthias Altendorf: Wir befinden uns nicht im Kampf, sondern im Bemühen um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit uns Zukunft gestalten wollen. Dazu engagieren wir uns zum einen in hohem Masse in der Ausbildung, von der beruflichen Lehre bis zum Hochschulstudium, vom Kaufmann bis zum Doktoranden. Zum anderen versuchen wir, unsere Mitarbeitenden durch gute Rahmenbedingungen zu begeistern und an uns zu binden. Wir bieten Flexibilität, Selbstverantwortung, interessante Aufgaben, eine offene Unternehmenskultur sowie eine menschen- und werteorientierte Führung. Wichtige Elemente sind die Perspektive und die Stabilität. Bei uns können sich Talente zu Leistungsträgern entwickeln und ihre berufliche Laufbahn zu einem guten Teil selber gestalten. Auch, denke ich, haben wir eine gute Fehlerkultur. Und niemand braucht Sorge zu haben, dass er seinen Arbeitsplatz bei der nächsten wirtschaftlichen Abflachung verliert. All das können wir bieten. Aber am wichtigsten ist: Bei uns sind die Mitarbeitenden nicht bloss eine Nummer, sondern Menschen!
Interview: Martin Rohrbach, Partner Audit
 

Matthias Altendorf

Matthias Altendorf

 

Mitglied des Executive Boards der Endress+Hauser Gruppe